Israel
Gaza-Krieg: Schwere Vorwürfe gegen Israels Armee

Schwere Vorwürfe hat eine Gruppe ehemaliger israelischer Soldaten gegen die Armee ihres Landes erhoben. Beim letzten Krieg im Gazastreifen habe sie rücksichtslos Gewalt angewandt, was zu unnötig vielen Opfern und schweren Schäden an Häusern und Infrastuktur geführt.

HB JERUSALEM. Die Aussagen von 26 ehemaligen Soldaten wurden von der Organisation "Das Schweigen brechen" veröffentlicht. Die früheren Soldaten werden in dem Bericht nicht namentlich genannt.

Die Militärführung hat den Bericht zurückgewiesen und seine Glaubwürdigkeit angezweifelt. Wenn es Unregelmäßigkeiten gegeben habe, sollten die Soldaten diese auf dem offiziellen Weg anzeigen. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte am Mittwoch, die israelischen Streitkräfte gehörten zu den "moralischsten der Welt" und handelten nach den höchsten ethischen Standards.

Bei der drei Wochen langen Offensive im Gazastreifen vor einem halben Jahr wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 1 400 Menschen getötet, darunter über 900 Zivilpersonen. Israel spricht von 1 100 Toten, von denen die meisten bewaffnete Kämpfer gewesen sein sollen.

Einer der ehemaligen Soldaten schilderte, palästinensische Zivilpersonen seien bei Einsätzen als menschliche Schutzschilde missbraucht worden. Sie wurden demnach gezwungen, vor den Soldaten in Häuser zu gehen, in denen Kämpfer vermutet wurden. Zum Teil sei ihnen eine Waffe direkt auf die Schulter gelegt worden "Die Kommandeure sagten, das seien die Befehle, und wir mussten es machen", sagte der Ex-Soldat. Ein anderer ehemaliger Soldat schilderte der Organisation zufolge, es habe kaum klare Anweisungen gegeben, wann geschossen werden durfte. "Es gab keine wirklichen Grenzen."

Einer der Gründer von "Das Schweigen brechen", Jehuda Saul, sagte, es sei wichtig, dass die israelische Gesellschaft wisse, was während der Gaza-Offensive passiert sei. Mit dem Bericht solle die Bevölkerung informiert werden, um eine Diskussion darüber in Gang zu bringen, wofür das israelische Volk stehe. Die Organisation wurde 2004 gegründet und hat seither Berichte von 670 ehemaligen Soldaten im Westjordanland und im Gazastreifen gesammelt. In Israel gilt die allgemeine Wehrpflicht für junge Männer und Frauen.

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