Israel
Knesset-Abgeordnete wollen Merkels Rede boykottieren

Angela Merkel darf als erste ausländische Regierungschefin vor dem israelischen Parlament sprechen – und das auf Deutsch. Mehrere Abgeordnete kündigten deshalb an, die Ansprache zu boykottieren.

HB JERUSALEM. Der israelische Rundfunk meldete, Schelly Jachimowitsch von der Arbeitspartei habe erklärt, es sei unsensibel gegenüber Holocaust-Überlebenden, im israelischen Parlament deutsch zu sprechen. Deutschland sei ein Freund Israels, aber man müsse in dieser Generation Rücksicht auf die „verletzten Seelen“ der Opfer nehmen, erklärte die Tochter von Holocaust-Überlebenden.

Auch der Abgeordnete Arye Eldad vom Parteienbündnis Nationale Union/Nationalreligiöse hat angekündigt, er wolle das Plenum verlassen, sobald Merkel den Raum betritt. Nach Angaben des israelischen Online-Dienstes „ynet“ wollen mindestens fünf der 120 Knesset-Mitglieder die Ansprache boykottieren.

Die Abgeordnete Sara Marom Schalev von der Rentnerpartei, selbst eine Holocaust-Überlebende, kritisierte das Verhalten als Populismus. „Es stört mich überhaupt nicht, dass Merkel auf Deutsch sprechen will“, sagte sie. Merkel ist die erste ausländische Regierungschefin, die eine Einladung erhalten hat, vor der Knesset zu reden.

Der Vorsitzende des parlamentarischen Innenausschusses, Ofir Pines (Arbeitspartei), verurteilte den Teilboykott. Er sei auch Sohn von Holocaust-Überlebenden und habe selbst vergangene Woche im deutschen Parlament anlässlich der 60. Jahresfeiern zur israelischen Staatsgründung auf Hebräisch gesprochen. „Der Boykott ist eine Provokation, die nicht angebracht ist, und ich hoffe, sie wird das Ereignis nicht überschatten.“

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