Israel
Peres wird mit 83 Jahren Präsident

Der Sieg bei den Präsidentenwahlen kam für den stellvertretenden israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres wie eine lang ersehnte Erlösung. Nach Jahrzehnten immer wiederkehrender Misserfolge bei entscheidenden Wahlen konnte er sich im hohen Alter von 83 Jahren endlich von dem „schlechten Karma“ des ewigen Verlierers befreien.

HB TEL AVIV. Das Präsidentenamt erscheint nun als krönender Abschluss im Leben des Mannes, der die israelische Politik wie kein anderer geprägt hat. Er selbst hat es als „letzten Dienst“ bezeichnet, den er dem Staate Israel erweisen könne. Selbst seinem Gegenkandidaten Reuwen Rivlin (Likud) kamen die Tränen der Rührung, als er nach der ersten Runde freiwillig ausschied und die Abgeordneten aufrief, ihre Stimme für Peres zu geben. „Es lebe der Präsident, es lebe der Staat Israel“, rief er zum Abschluss iner emotionalen Rede mit brechender Stimme.

Peres, in Polen geborener Sohn eines Holzhändlers, ist seit mehr als sechs Jahrzehnten politisch aktiv und gilt als Urgestein der israelischen Politik. Der „Vater“ des israelischen Atomprogramms ist als Vordenker des Traums von einem „Neuen Nahen Osten“ und Friedensvisionär bekannt.

Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere waren die Jahre an der Seite des 1995 ermordeten Ministerpräsidenten Izchak Rabin, mit dem ihm eine höchst ambivalente „Partnerschaft der Rivalen“ verband. Gemeinsam handelten sie die Osloer Friedensabkommen mit den Palästinensern aus, die ihnen und dem ehemaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat den Friedensnobelpreis einbrachten. Rabin und Arafat sind inzwischen tot und der Nahost-Friedensprozess erscheint angesichts des unaufhörlichen Blutvergießens in der Region nur noch als eine ferne Erinnerung aus anderen Zeiten.

Israelis hoffen nun, dass Peres, der insbesondere im Ausland das Ansehen eines würdevollen Staatsmanns genießt, dem Amt des Präsidenten wieder neuen Glanz verleihen kann. Angesichts des Schmuddelskandals um seinen Vorgänger Mosche Katzav, der wegen Sex- und Vergewaltigungsvorwürfen das Amt ruhen lassen musste, ist das Image des höchsten Amtes schwer lädiert, es gab sogar Aufrufe, es ganz abzuschaffen.

Peres gilt ungeachtet seines hohen Alters – er wird im August 84 Jahre alt – als ungewöhnlich vital, lebendig und ausdauernd. Dennoch kann niemand die Tatsache ignorieren, dass er über 90 Jahre alt sein wird, sollte er das Ende seiner siebenjährigen Amtszeit erleben. Nicht umsonst wünschte sich der Vater dreier Kinder und Großvater mehrerer Enkelkinder vor seiner Wahl in einem Stoßgebet noch viele Lebensjahre.

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