Israel rückt in Libanon ein
Geisel-Krise in Nahost eskaliert

Die Entführung zweier israelischer Soldaten in den Libanon hat die Lage in der Region nahe an den Siedepunkt gebracht und für Israel eine zweite Front eröffnet. Die israelische Armee rückte heute in das Nachbarland ein. Doch die radikal-muslimische Hisbollah-Miliz zeigt sich unbeeindruckt und beharrt auf ihren Forderungen.

HB JERUSALEM. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert machte die libanesische Regierung für die Tat verantwortlich und bezeichnete sie als eine Kriegshandlung des Nachbarlandes. Die israelische Armee bereitete eine Offensive vor und rückte mit Truppen in den Südlibanon ein, um die verschleppten Soldaten zu suchen.

Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge verschleppte die Hisbollah die beiden Soldaten am Morgen im israelischen Grenzgebiet gegenüber dem südlibanesischen Ort Aita al-Schaab. Zuvor hatte die Miliz den Ort Schlomi unweit der Mittelmeerküste massiv mit Katjuscha-Raketen unter Beschuss genommen. Vor mehr als zwei Wochen haben palästinensische Extremisten einen Militärposten im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen überfallen und ebenfalls einen Soldaten entführt.

Bei den anschließenden Gefechten zwischen Hisbollah und israelischer Armee wurden Angaben beider Seiten zufolge bis zu neun Menschen getötet. Der arabische Sender Al-Dschasira berichtete, sieben israelische Soldaten seien getötet worden. Israelische Sanitäter sprachen von drei Toten und acht Verletzten. Dabei war unklar, ob es sich um Zivilisten handelte. Auf libanesischer Seite seien bei Luftangriffen zwei Menschen getötet worden, hieß es in den libanesischen Sicherheitskreisen. Die Armee zerstörte mehrere Brücken im Südlibanon, offenbar um die Bewegungsfreiheit der Geiselnehmer einzuschränken.

Bilderstrecke: Schwere Kämpfe im Grenzgebiet

Olmert drohte mit einer „sehr schmerzhaften und weit reichenden“ militärischen Antwort seines Landes und setzte für den Abend eine Sitzung seines Kabinetts an, das weitere Maßnahmen beschließen sollte. Fernsehberichten zufolge berief die Armee Reservisten ein, um eine zusätzliche Infanterie-Division in den Norden zu schicken.

Olmert sagte weiter: „Dies ist eine Kriegshandlung des Staates Libanon gegen den Staat Israel und dessen souveränes Territorium.“ Auch Verteidigungsminister Amir Perez machte das Nachbarland verantwortlich und sagte: „Die libanesische Regierung, die der Hisbollah von ihrem souveränen Territorium aus volle Bewegungsfreiheit gegenüber Israel gewährt, wird die Verantwortung für die Folgen und Auswirkungen tragen.“ Israel werde alle „Mittel ergreifen, die es für angemessen ansieht, und die Armee wurde entsprechend instruiert.“

Die radikal-moslemische Hisbollah kontrolliert den Südlibanon, seit sich Israel aus dem Gebiet vor sechs Jahren nach mehr als 20-jähriger Besatzungszeit zurückgezogen hat. Auch die Vereinten Nationen (UN) fordern vom libanesischen Staat, die Miliz zu entwaffnen und seine Hoheit durchzusetzen. Die Hisbollah stellt aber auch 14 Abgeordnete im Beiruter Parlament und zwei Minister der Regierung.

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