Israel
Scharon außer Lebensgefahr

Der israelische Regierungschef Ariel Scharon schwebt nach Angaben seiner Ärzte nicht mehr in akuter Lebensgefahr. Eine israelische Zeitung berichtet, dass der Ministerpräsident vor seinem schweren Schlaganfall möglicherweise medizinisch falsch behandelt wurde.

HB JERUSALEM. Es werde noch einige Tage dauern, bis Scharon ganz aus dem künstlichen Koma geholt worden sei, sagte der israelische Narkosearzt Joram Weiss vom behandelnden Hadassah-Ein-Kerem-Krankenhaus am Dienstag in Jerusalem. Nach einer Narkoseverringerung zeigte Scharon weitere Anzeichen einer Besserung.

Unterdessen verschärfte sich eine Diskussion um mögliche Behandlungsfehler. Die israelische Zeitung „Haaretz“ schrieb am Dienstag, Scharon leide an einer Erkrankung der Hirnblutgefäße, die vermutlich seinen schweren Schlaganfall ausgelöst habe. Diese Krankheit gilt als häufige Ursache von Hirnblutungen im höheren Lebensalter. Bei einer früheren Diagnose hätten Ärzte in diesem Fall sicherlich auf die Gabe von Blutverdünnungsmitteln verzichtet, schrieb das Blatt.

Bei Scharons erster Behandlung im Hadassah-Ein-Kerem-Krankenhaus nach seinem leichten Schlaganfall im vergangenen Monat sei die Krankheit nicht festgestellt worden. Erst bei den jüngsten Computertomographien seien Ärzte darauf aufmerksam geworden, zitierte das Blatt einen namentlich nicht genannten, an der Behandlung Scharons beteiligten Mediziner, der dies als „schlimmen Patzer“ bezeichnete. Ein Krankenhaussprecher wollte sich dazu nicht äußern. „Wir sind damit beschäftigt, den Ministerpräsidenten zu behandeln und um sein Leben zu kämpfen“, sagte der Sprecher. „Es gibt keine unmittelbare Gefahr für das Leben des Ministerpräsidenten“, sagte der Narkosearzt Weiss am Abend. Der Zustand des 77-jährigen sei stabiler geworden. Nach Angaben des Krankenhauses waren wichtige medizinische Werte am Dienstag im normalen Bereich.

Das Krankenhaus teilte mit, Scharon habe erstmals auch wieder seine linke Hand bewegt. Am Vortag hatte Scharon nur auf der rechte Seite Reaktionen gezeigt. Scharon hat nach Einschätzung von Medizinern schwere Gehirnschäden erlitten und wird nicht mehr in sein Amt zurückkehren können. Die Mediziner bemühten sich den Angaben zufolge am Dienstag, Scharons Geruchssinn mit seiner Leibspeise, orientalischem Grillfleisch, und sein Gehör mit klassischer Musik seines Lieblingskomponisten Wolfgang Amadeus Mozart anzusprechen. Seine Söhne Omri und Gilad seien ständig an seinem Bett und bemühten sich ebenfalls, den Aufwachprozess ihres Vaters aus dem künstlichen Koma zu unterstützen.

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