Das Engagement eines Unternehmers im Rang eines Buffet werde von ausländischen Investoren als Anstoß zur Nachahmung empfunden, hoffen israelische Experten. Die Tinte unter Buffets Kaufvertrag war kaum trocken, da brach der zweite Libanonkrieg aus. Doch der Amerikaner ließ sich dadurch die Freude an seinem Engagement nicht vergällen. Obwohl die Fabrik, die er gekauft hatte, in Reichweite der Hisbollah-Raketen lag, habe er seinen Entscheid nicht bereut, sagte Buffet später. Er würde ohne Bedenken weiter in israelische Firmen investieren.
Denn das Risiko habe auch sein Gutes, sagt Buffet-Partner Charlie Munger. Israels Manager und Ingenieure seien aufgrund der heiklen geopolitischen Situation ihres Landes zum Erfolg verdammt. Derzeit leidet der Standort Israel zwar unter einem Kostenproblem; die Löhne sind zwar vergleichsweise niedrig. Doch die starke Aufwertung der Landeswährung gegenüber dem Dollar und dem Euro erschweren zunehmend das profitable Exportieren. "Der Kostenvorteil geht verloren", klagen viele Unternehmer.
Andere Faktoren dürften diesen Nachteil allerdings kompensieren. Die Infrastruktur ist bestens ausgebaut, die Telekommunikation auf dem neuestem Stand. Vom Staat können zudem Starthilfen erwartet werden; exportorientierte Industrien sind in der Anfangsphase von Steuern befreit. Investoren können zudem von einer guten Ausbildung der Bevölkerung profitieren. 20 Prozent der Arbeitskräfte haben einen Universitätsabschluss. Und Israel hat pro Kopf der Bevölkerung den höchsten Anteil an Ingenieuren. Auf 10 000 Bewohner kommen 135 Ingenieure - verglichen mit bloß 85 in den USA. Israel ist denn auch Weltmeister bei der Forschung. Es leistet sich die höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung - 4,5 Prozent des BIP. Einen Spitzenwert erreichen Israels Akademiker zudem bei der Publikation wissenschaftlicher Artikel. Nach der Implosion der Sowjetunion in den 90er-Jahren hat sich der Standortvorteil Ausbildung und Qualifikation zusätzlich verbessert. Mehr als eine Million Bürger aus der ehemaligen UdSSR sind damals in Israel eingewandert. Darunter seien sehr viele mit einer überdurchschnittlich guten Ausbildung, sagt David Furst vom israelischen Exportinstitut - vor allem Ingenieure, Mathematiker, Programmierer und Forscher.
Bis in die späten achtziger Jahre war das Land von einer sozialistischen Wirtschaft geprägt. Heute zählt Israel zu den unternehmerfreundlichen Nationen, die Risikoverhalten honorieren. Zudem zeichnet sich der israelische Unternehmer durch Hartnäckigkeit, Entschlossenheit und eine gehörige Portion "Chuzpa" aus - eine Kombination von Eigenschaften, die für Europäer vielleicht gewöhnungsbedürftig ist, dem Standort aber eine lebendige Unternehmenskultur verleihen.


