Israel stoppt Freilassung palästinensischer Gefangener
Nahostkonflikt wieder verschärft

Der israelische Ministerpräsident Sharon hat die Freilassung von hunderten palästinensischen Häftlingen gestoppt. Israel nimmt damit eines der zentralen Zugeständnisse an die Paläsinenser zurück.

HB JERUSALEM. Drei Monate nach Vereinbarung einer Waffenruhe haben sich die Spannungen in Nahost damit wieder verschärft. Bei gewaltsamen Ausschreitungen in Jerusalems Altstadt erlitten am Montag mehrere Menschen Verletzungen. In Dschenin lieferten sich militante Palästinenser Schusswechsel mit der örtlichen Polizei. Die Autonomiebehörde kritisierte Israels Entscheidung scharf, vorerst keine weiteren palästinensischen Häftlinge freizulassen. Ein Sprecher der radikalen Hamas-Bewegung drohte in Gaza mit neuen Anschlägen gegen Israel und einer Beendigung der Waffenruhe.

Ministerpräsident Ariel Scharon bestätigte unterdessen, die geplante Räumung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen werde sich um mehrere Wochen verschieben. Der Abzug werde erst Mitte August beginnen, nach einer traditionellen jüdischen Trauerzeit, sagte Scharon im israelischen Fernsehen. Israel will alle Siedlungen im Gazastreifen und vier weitere im nördlichen Westjordanland aufgeben.

Streng gläubige Juden ziehen während der traditionellen Festzeit nicht um. Der Regierungschef hatte die Verschiebung bereits vor drei Wochen angedeutet. Ursprünglich war der Abzugsbeginn aus dem Gaza-Streifen und die Auflösung aller 21 jüdischen Siedlungen dort für den 20. Juli vorgesehen. Die Verzögerung gibt nach Ansicht von Beobachtern den Siedlern und rechtsgerichteten Abzugsgegnern mehr Zeit, Proteste gegen den Plan vorzubereiten. Gegner des Plans in Scharons Kabinett haben sich für eine Verschiebung bis Oktober eingesetzt. Die Arbeitspartei, der sozialdemokratische Koalitionspartner Scharons, hatte sich gegen Verzögerungen ausgesprochen.

Auslöser der Ausschreitungen in Jerusalem waren Gerüchte, eine jüdische Gruppe namens „Revava“ wolle den Tempelberg besuchen. Bis zu 1000 Muslime verbarrikadierten sich in der Nacht in der Al-Aksa- Moschee. Die Polizei schränkte aus Furcht vor Gewalt den Zugang muslimischer Gläubiger zum Tempelberg ein. Hunderte aufgebrachter Demonstranten bewarfen daraufhin in der Altstadt Polizisten mit Steinen und Flaschen. Dabei wurden mehrere Polizisten verletzt, darunter auch der Polizeichef Jerusalems, Ilan Franko. Die Polizei setzte Tränengas gegen die wütende Menge ein.

Die Autonomiebehörde reagierte verärgert auf eine Entscheidung Israels vom Vortag, vorerst keine weiteren Häftlinge freizulassen. Der zuständige palästinensische Minister Sufian Abu Saida sprach vor Journalisten von einem klaren Verstoß gegen die Vereinbarungen von Scharm el Scheich. Ministerpräsident Scharon hatte am Sonntag erklärt, die Regierung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas müsse vor der Freilassung weiterer Häftlinge wirksame Schritte gegen Terrorgruppen unternehmen.

In Dschenin im nördlichen Westjordanland kam es am Montag zu Feuergefechten zwischen Bewaffneten und der palästinensischen Polizei. Nach Augenzeugenberichten wurde dabei ein Mensch verletzt. Die Konfrontationen mit den radikalen Al-Aksa-Brigaden begannen nach einem Versuch der Polizei, einen Extremisten in der Stadt festzunehmen.

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