Israel und die Uno
Der selbsternannte Sündenbock

Israel hat seit jeher ein ambivalentes Verhältnis zur Uno. Der jüdische Staat fühlt sich häufig schlecht behandelt und sieht sich selbst als Sündenbock der Uno. Regierungschef Netanjahu bekommt Rückendeckung von Trump.
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Jerusalem„Nur ein Club“ seien die Vereinten Nationen, höhnte der künftige US-Präsident Donald Trump nach einer Resolution des Sicherheitsrats gegen Israels Siedlungspolitik bei Twitter. Seine Worte spiegeln auch die Verachtung wider, die viele Israelis gegen die Staatengemeinschaft hegen. Der jüdische Staat hat seit jeher ein ambivalentes Verhältnis zu der Weltorganisation, fühlt sich häufig schlecht behandelt und als Sündenbock der Uno.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat in diesem Monat zugegeben, die Zahl der Resolutionen, Berichte und Konferenzen, die Israel kritisierten, sei „überproportional“. Auch in diesem Jahr befassten sich deutlich mehr Resolutionen der Uno-Vollversammlung mit Israel und den Palästinensern als mit akuteren Konfliktregionen wie Syrien. Vor allem beim Uno-Menschenrechtsrat steht Israels Vorgehen in den Palästinensergebieten bei jeder Sitzung auf dem Prüfstand – mehr als Länder wie Syrien, wo seit 2011 rund 400.000 Menschen getötet und Millionen in die Flucht getrieben wurden.

„In den vergangenen zehn Jahren habe ich immer betont, dass wir Einseitigkeit gegen Israel innerhalb der Uno-Gremien nicht akzeptieren dürfen“, sagte Ban. Die übertriebene Zahl anti-israelischer Entscheidungen habe „in vielen Fällen, statt der palästinensischen Sache zu helfen, die Fähigkeit der Uno behindert, seine Rolle effektiv auszufüllen“. Gleichzeitig müsse Israel einsehen, dass es angesichts einer fortwährenden militärischen Besatzung der Palästinensergebiete immer wieder Kritik hageln werde.

Auf Uno-Resolutionen gegen seine Politik reagiert Israel jedoch zumeist trotzig. Schon sein legendärer erster Ministerpräsident, David Ben Gurion, hatte die Uno mit „Um Schmum“ abgetan – einer Wortschöpfung aus Hebräisch und Jiddisch. „UM“ steht im Hebräischen für Vereinte Nationen und der Zusatz „Schm“ bei der Wortwiederholung signalisiert in der jiddischen Sprache Spott und Verachtung.

Die Beziehungen zu den Vereinten Nationen erreichten 1975 einen absoluten Tiefpunkt, als die Uno-Generalversammlung Zionismus als eine Form von Rassismus bezeichnete. Die von Israel als purer Antisemitismus gebrandmarkte Resolution wurde später wieder aufgehoben.

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