Israel und Türkei
Normalisierung der Beziehungen in Sicht

Die Türkei und Israel wollen sich nach einer jahrelangen diplomatischen Eiszeit wieder einander annähern. Ein Abkommen soll am Dienstag unterzeichnet werden. Israel rechnet mit positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft.

RomDie Türkei und Israel haben sich nach einer jahrelangen Eiszeit auf die Normalisierung ihrer Beziehungen verständigt. Ein entsprechendes Abkommen solle am Dienstag unterzeichnet werden, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am Montag in Ankara. Beide Staaten pflegten bis 2010 enge wirtschaftliche und auch militärische Kontakte. Das änderte sich, als israelische Soldaten in dem Jahr Schiffe mit pro-palästinensischen und islamistischen Aktivisten aus der Türkei im Mittelmeer kaperten und dabei zehn Türken töteten. Die Schiffe sollten die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen und Güter in das palästinensische Küstengebiet bringen.

Die nun erreichte Übereinkunft sieht nach den Worten Yildirims vor, dass Israel 20 Millionen Dollar an die Opfer der Militäraktion zahlt. Beide Staaten würden zudem wieder Botschafter austauschen. Insidern zufolge erwartet Israel, dass die Türkei Verfahren wegen Kriegsverbrechen gegen die für die Militäraktion verantwortlichen Politiker und Militärs ausschließe. Erst danach würden die Entschädigungen gezahlt.

Die Vereinbarung sieht nach den Worten Yildirims auch humanitäre Hilfslieferungen der Türkei in den Gazastreifen vor. Die erste im Umfang von 10.000 Tonnen werde am Freitag auf den Weg gebracht.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, er rechne mit positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft seines Landes durch die Normalisierung der Beziehungen mit der Türkei. Das Abkommen, auf das sich Vertreter beider Staaten bereits am Sonntag geeinigt hatten, sei "ein wichtiger Schritt". Die israelische Blockade des Gazastreifens werde allerdings beibehalten, betonte Netanjahu. Israel will nach eigenen Angaben mit der Blockade des von der radikalislamischen Hamas regierten Gebiets verhindern, dass dort für einen neuen Krieg gegen Israel aufgerüstet wird.

Netanjahu stellte zudem in Aussicht, dass die Übereinkunft den Weg für Erdgas-Geschäfte zwischen beiden Staaten ebenen werde. Vor der Küste Israels wurden große Lagerstätten gefunden. Der türkische Ministerpräsident äußerte sich in dieser Frage zurückhaltender: Es sei noch zu früh, über Gasverträge mit Israel zu reden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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