Israel warnt vor Bedrohung
Iran startet Testlauf von Atomreaktor Russland

Iran hat mit russischer Hilfe erstmals einen Testlauf seines Atomkraftwerks in Buschehr gestartet. Nach Berichten iranischer Medien nutzten die Iraner aber noch kein angereichertes Uran, sondern nichtnukleares Material für die Operation. Wobei es sich genau handelt, teilten die Iraner nicht mit. Der islamische Gottesstaat unterstreicht mit dieser Aktion erneut seine Entschlossenheit, sein umstrittenes Atomprogramm voranzutreiben.

GENF. Dieses dient nach Angaben der Regierung in Teheran allein der Energiegewinnung, obwohl Iran über große Öl- und Gasreserven verfügt. Die internationale Gemeinschaft verdächtigt Iran jedoch, heimlich Atomwaffen zu entwickeln, und hat das Mullah-Regime deshalb mit Sanktionen belegt.

Teheran will das einst von deutschen Firmen begonnene und dann von Russland gebaute Kraftwerk so schnell wie möglich in Betrieb nehmen. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA ist dann berechtigt, Buschehr zu überprüfen. Laut Diplomaten inspizierte die IAEA bereits die im Bau befindliche Anlage. "Der Iran handelt im Fall Buschehr absolut legal und verstößt mit dem Testlauf nicht gegen internationale Beschlüsse", hieß es aus der Behörde. Jedes Land habe das Recht, die Kernkraft friedlich zu nutzen. Unter normalen Umständen lasse sich die Anlage in Buschehr nicht für ein militärisches Atomprogramm nutzen, betonten IAEA-Experten. Dennoch warnte der Sprecher des israelischen Außenministeriums vor einer atomaren Bewaffnung Irans: "Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu nuklearen Waffen." Auch die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien befürchten, dass Teheran den Bau von Atombomben anstrebt.

Der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, gab sich befriedigt über den Testlauf und lobte die Kooperation mit Moskau. Die USA hatten dagegen wiederholt kritisiert, dass Russland den Iranern beim Bau des Atommeilers in Buschehr hilft. Eine Kooperation zwischen Moskau und Teheran gefährde die Front gegen Iran im Uno-Sicherheitsrat, befürchtet man in Washington. Russland kann als Vetomacht im höchsten Entscheidungsgremium der Vereinten Nationen Sanktionen gegen Teheran verhindern. Zudem, so argwöhnen die Amerikaner, verschaffen sich die Iraner durch die Zusammenarbeit mit den Russen weiteres wertvolles Atom-Wissen. Und Teheran gebe durch die Kooperation seinem Nuklearprogramm einen friedlichen Anstrich.

Teheran und Moskau haben auch ein langfristiges Abkommen über die Belieferung von Buschehr mit schwach angereichertem Uran geschlossen, das für Atomwaffen ungeeignet ist. Allerdings betreibt Iran in Natans eine eigene Uran-Anreicherungsanlage. Moskau nimmt auch die abgebrannten Brennstäbe wieder zurück. Mit dem Uran soll der Reaktor mit 1000 Megawatt Leistung angetrieben werden. Eine russische Lieferung des Brennstoffs wurde von der IAEA versiegelt, könnte später aber von der Behörde freigegeben werden.

Anfang nächster Woche soll sich der Gouverneursrat der IAEA in Wien mit den vielen offenen Fragen des iranischen Nuklearprogramms befassen. Die Uno-Behörde listete in einem Report mehrere gravierende Verstöße der Iraner gegen Beschlüsse des Uno-Sicherheitsrats auf. Eine "mögliche militärische Dimension" des iranischen Nuklearprogramms will die IAEA deshalb nicht ausschließen.

Besonders die Anreicherungsanlage in Natans bereitet der IAEA Sorgen, die trotz des Uno-Verbots weiter betrieben wird. Hoch angereichertes Uran eignet sich für den Bau von Bomben. Irans Atombehördenchef Aghasadeh bekräftigte gestern, dass seine Regierung am Zeitplan für die Anreicherung festhalte: In den kommenden fünf Jahren sei die Inbetriebnahme von 50 000 Zentrifugen geplant. Sorgen bereitet der IAEA auch ein angeblich betriebsbereites Schwerwasserkraftwerk der Iraner. Beim Betrieb eines solchen Werks fällt auch waffenfähiges Material an.

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