Israel
Wenn die Angst zum Alltag gehört

Israel ist weltweit das Land mit der größten Erfahrung mit Terror im Alltag. Seit Jahrzehnten leben die Menschen mit der Bedrohung. Die Pariser Anschläge und die Zustände in Brüssel erzeugen allerdings gemischte Gefühle.

Tel AvivDer bewaffnete Wachmann vor dem Einkaufszentrum in Tel Aviv fordert eine junge Frau auf, ihre Tasche zu öffnen. Er wirft einen flüchtigen Blick hinein, dann winkt er sie durch. Sicherheitskontrollen wie diese gehören zum Alltag in Israel, kaum jemand stört sich daran. Denn Israel hat wie kaum ein anderes Land seit Jahrzehnten Erfahrung mit Anschlägen auf Zivilisten, Angst und Terror. Trotz der ständigen Existenzbedrohung ist der Staat am östlichen Rand des Mittelmeers heute die offenste und innovativste Gesellschaft im Nahen Osten.

Dem jüdischen Staat sei es insgesamt gelungen, sich gegenüber harten Angriffen von außen zu verteidigen und sich gleichzeitig immer mehr zu einer pluralistischen Gesellschaft zu entwickeln, sagt Dan Schueftan, Leiter des Zentrums für Nationale Sicherheitsstudien an der Universität Haifa.

„Die Herausforderung ist: Wie kann man nach außen Sparta und nach innen Athen sein?“ Der Vergleich mit den beiden griechischen Stadtstaaten der Antike veranschaulicht für ihn das Spannungsfeld zwischen militärischer Härte und einer offenen Gesellschaft, in der auch Künste und Wissenschaft gedeihen.

„Im Nahen Osten kann man nicht überleben, wenn man nicht hart für seine Sicherheit kämpft“, meint Schueftan. „Aber wenn man nach innen nicht weich ist, hat das Überleben keinen Sinn.“ Nur eine offene Gesellschaft könne diesen Sinn bieten.

International gerät Israel aber wegen harter Maßnahmen gegen die Palästinenser und der fortwährenden Besatzung mit Siedlungsausbau immer wieder in die Kritik. Nach einer verheerenden Welle blutiger Selbstmordanschläge begann der Staat vor 13 Jahren mit dem Bau einer Sperranlage im Westjordanland. Die Mauer ist sehr umstritten und beschneidet die Rechte der Palästinenser, seit ihrem Bau haben die besonders schweren Anschläge im israelischen Kernland jedoch drastisch nachgelassen.

Wie andere israelische Sicherheitsexperten sieht Schueftan den europäischen Umgang mit dem islamistischen Terror sehr kritisch. „Die europäischen Staaten haben pluralistische Gesellschaften geschaffen, können sich aber nicht selbst verteidigen“, meint er. Die Pariser Anschläge seien zwar ein „Trauma“, er erwarte dennoch kein großes Umdenken. „Die Europäer haben eine kulturelle Sperre, es gibt Dinge, über die man nicht sprechen darf.“

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Wenn die Angst zum Alltag gehört

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Es bleibt ein bitteres Gefühl

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