Israel
Zipi Liwni: Manchmal schmunzelt sie sogar

Stimmen die Prognosen, wird sie in Kürze Israels neue Regierungschefin. Zipi Liwni gilt nicht nur als unbestechlich. Sie hat auch eine ideologische Transformation hinter sich.

TEL AVIV. Stramm läuft Zipi Liwni den Strand von Tel Aviv entlang. Vergangenes Wochenende: Kaum jemand nimmt die prominenteste Frau des Landes wahr, die mit der marineblauen Basketballmütze und dem zurückgebunden Haar so perfekt ins Bild der israelischen Mittelklasse passt. Die erholt sich am Shabat, dem arbeitsfreien Tag, mit einem Bad im Meer oder im Strandcafé. Angeregt diskutiert Liwni beim Walken mit ihrem Mann, dem Werbefachmann Naftali Shpitzer, der ihr engster Berater und gleichzeitig ihre stabilste Stütze ist.

Worüber das Paar so intensiv debattiert, lässt sich leicht erraten: Es müssen die bevorstehenden Primärwahlen in der Kadima-Partei sein. Außenministerin Liwni ist Spitzenkandidatin für die Nachfolge von Ehud Olmert an der Spitze der Regierungspartei. Am heutigen Mittwoch findet der erste Wahlgang statt.

Olmert, gegen den seit Monaten wegen Korruptionsverdacht ermittelt wird, zieht die Konsequenzen, nachdem die Polizei dem Staatsanwalt empfohlen hat, gegen ihn Anklage zu erheben. Und Liwni kann sich besten Chancen ausrechnen, nach der legendären Golda Meir als zweite Regierungschefin Israels in die Geschichte einzugehen.

Selbstsicher ist sie geworden. Auf einer Wahlveranstaltung vor wenigen Tagen kann man beobachten, dass sie mittlerweile das burschikose Schulter-Klopfen, das sie einst verpönte, beherrscht. Sie küsst einen Teil ihrer Anhänger auf beide Wangen, was sie früher ablehnte. Dabei wirkt die 50-jährige aber nie anbiedernd, sondern stets elegant. Von ihrer Transformation berichten auch ihre Mitarbeiter. Die Frau, die als kühl gilt und stets auf Distanz bedacht ist, grüße neuerdings mit einem aufgeräumten „Guten Morgen, guten Morgen“. Manchmal erwische man sie bei Sitzungen sogar dabei, wie sie kurz schmunzle, hat ein palästinensischer Unterhändler beobachtet.

Gestern publizierte Meinungsumfragen bestätigen den Trend der vergangenen Wochen: Liwni liegt vorn und wird im ersten Wahlgang ihren wichtigsten Konkurrenten, den ehemaligen Generalstabschef Schaul Mofaz und Transportminister im Kabinett Olmert, klar besiegen. Wenn sich die Prognosen bewahrheiten, wird sie Olmert an der Spitze der Partei ablösen und dann versuchen müssen, eine neue Regierung zu bilden. Sollte ihr das nicht gelingen, sind anfangs 2009 Neuwahlen angesagt.

Zipi Liwnis Popularität kommt nicht von ungefähr. Sie ist beliebt, weil sie als Sauberfrau gilt, als unbestechliche Politikerin. Anders als ihre Konkurrenten verspricht die Vizepremierministerin ihren Anhängern weder Posten noch Pöstchen. Das Land, in dem die politische Elite seit Monaten mit immer neuen Skandalen für Schlagzeilen sorgt, hat genug vom Sumpf der Politik.

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