Israelischer Außenminister macht Druck
Lieberman fordert die Zerschlagung der Hamas

Anfang der Woche wurden die Leichen der vermissten israelischen Jugendlichen gefunden. Jetzt werden die Hardliner im Kabinett Netanjahu lauter: Sie wollen Vergeltung und fordern ein radikales Vorgehen gegen die Hamas.
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Tel Aviv/ GazaNach dem Mord an drei israelischen Jugendlichen hat Außenminister Avigdor Lieberman eine große Militäroffensive im Gazastreifen gefordert. „Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagte Lieberman am Dienstag. Die radikalislamische Hamas bleibe eine Terrororganisation. „Deshalb muss die Hamas mit einer gründlichen und entschlossenen Militäroperation daran gehindert werden, noch stärker zu werden“, sagte Lieberman. Er sprach wenige Stunden vor einer geplanten Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts von einer Fortsetzung der Operation „Schutzschild“ im Westjordanland im Jahre 2002.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon bekräftigte am Dienstag, dass Israel die radikalislamische Hamas als verantwortlich für den Mord an den Jugendlichen sieht, die am Vortag nahe Hebron tot aufgefunden worden waren. Die Organisation müsse den Preis bezahlen. Sein Land werde „nicht ruhen, bevor wir die Mörder gefasst haben“. Israel forderte zugleich die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf, ihre Einheitsregierung mit der Hamas aufzukündigen.

Tausende von Trauernden versammelten sich am Dienstag zur Beisetzung der drei Jugendlichen. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der scheidende Staatspräsident Schimon Peres sprachen den Familien bei der Zeremonie auf dem Friedhof von Modiin - einer Stadt zwischen Tel Aviv und Jerusalem - ihr Beileid aus.

Israel flog in der Nacht massive Luftangriffe auf den Gazastreifen. Es seien Präzisionsschläge gegen 34 Ziele in dem Küstenstreifen am Mittelmeer geführt worden, teilte die Armee am Dienstag mit. Dabei wurden nach Angaben der palästinensischen Rettungsbehörden fünf Menschen verletzt. Es war der heftigste Luftangriff auf das Palästinensergebiet seit dem letzten großen Schlagabtausch zwischen Israel und der dort herrschenden Hamas im November 2012.

Militante Palästinenser hätten seit Sonntagabend mehr als 20 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert, sagte ein Militärsprecher in Tel Aviv.

Die drei Leichen wurden am Dienstag offiziell identifiziert. Die DNA-Tests hätten gezeigt, dass es sich um Gilad Schaer, Naftali Frankel und Ejal Jifrach handle, sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.

Die drei Jugendlichen waren vor zweieinhalb Wochen nahe Hebron im südlichen Westjordanland verschwunden. Ihre Leichen wurden am Montag unter einem Steinhaufen bei Hebron gefunden, in einem Gebiet, das unter palästinensischer Verwaltung steht. Die Israelis wurden offenbar schon kurz nach ihrer Entführung erschossen. Ihre Leichen wurden nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort gefunden, an dem sie zuletzt gesehen worden waren.

Die israelische Armee beschädigte nach palästinensischen Angaben die Häuser der beiden Tatverdächtigen. Die israelische Armee bestreitet diese Darstellung. Ein Sprecher sagte, die Häuser seien durchsucht, aber nicht zerstört worden.

Palästinenserpräsident Abbas berief für Dienstagabend eine Dringlichkeitssitzung der Palästinenserführung ein. Dabei sollte es um die Auswirkungen der jüngsten Spannungen gehen.

Die Hamas beschuldigte Israel, den Tod der drei Jugendlichen als Vorwand für weitere Militäraktionen gegen die Palästinenser zu benutzen. „Wir weisen alle israelische Unterstellungen und Drohungen gegen uns zurück“, hieß es in einer Erklärung der Hamas. Keine palästinensische Gruppe - auch nicht die Hamas - habe sich zu der Aktion bekannt.

Bei einem israelischen Militäreinsatz in Dschenin im nördlichen. Westjordanland wurde in der Nacht zum Dienstag ein Palästinenser getötet. Nach palästinensischen Angaben war er das sechste Opfer, das seit der Entführung der Jugendlichen am 12. Juni bei israelischen Einsätzen im Westjordanland getötet wurde. Insgesamt hat die Armee in dem Zeitraum mehr als 420 Palästinenser festgenommen, die meisten davon Palästinenser.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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