Israelischer Militäreinsatz
Palästinensischer Vize-Premier festgenommen

Israelische Soldaten haben am Wochenende den palästinensischen Vize-Ministerpräsidenten Nasser Schaer und einen weiteren Abgeordneten der Hamas festgenommen. Damit hat Israel fast die gesamte Führungsriege der radikalislamischen Organisation im Westjordanland in Gewahrsam.

HB RAMALLAH. Die Regierung in Jerusalem verteidigte die Festnahme von Vizeministerpräsident Nasser Schaer am Samstag als Einsatz im Kampf gegen den Terror. Palästinensische Politiker verurteilten die Aktion und warfen Israel vor, mit der Festnahme des Pragmatikers die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu behindern.

Schaer ist der bislang höchste Hamas-Funktionär, den Israel festgenommen hat. Der Politiker sei Teil einer Gruppe, die als terroristische Organisation eingestuft sei, erklärte das israelische Außenministerium. Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich für Schaers Freilassung einzusetzen. Der palästinensische Abgeordnete Sajeb Erakat, ein Mitglied der rivalisierenden Fatah, erklärte, die Festnahme erschwere die Bemühungen um eine Koalition mit der Hamas.

Schaer trat nicht öffentlich auf

Israelische Soldaten stürmten am frühen Samstagmorgen das Haus von Schaers Familie in Ramallah und führten den Minister ab. Der Politiker hatte seit Beginn der israelischen Offensive nach der Entführung eines Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen im Untergrund gelebt. Seine Ehefrau Huda erklärte, die Familie habe alle Kontakte zu Freunden in Ramallah abgebrochen und das Haus nur selten verlassen. Schaer trat nicht öffentlich auf und äußerte sich nicht in den Medien. Der Politiker studierte in Großbritannien und gilt als pragmatisches Mitglied der Hamas-Regierung. Er ist auch Bildungsminister.

Am Sonntag umstellten israelische Truppen das Haus von Mahmud al Ramahi, dem Generalsekretär des Parlaments, und führten ihn ab, wie Behördenvertreter und die Familie des Abgeordneten berichteten. Insgesamt befinden sich vier Minister der palästinensischen Hamas-Regierung und fast 30 Abgeordnete in israelischem Gewahrsam.

Israelische Soldaten erschossen am Sonntag im Westjordanland einen Palästinenser. Der Getötete habe mit drei anderen in einem Auto gesessen, das nahe Nablus versucht habe, einen Kontrollpunkt zu umfahren, verlautete aus palästinensischen Sicherheitskreisen. Die Soldaten hätten daraufhin geschossen. Die drei Mitfahrer seien verletzt worden. Ein Palästinenser erschoss am Samstag im Westjordanland einen israelischen Soldaten. Die Streitkräfte erklärten, der Täter habe sich den Soldaten im Jordantal zu Fuß genähert und geschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und töteten den Angreifer.

Banken im Gazastreifen gestürmt

Im Gazastreifen stürmten hunderte Palästinenser Banken und verbrannten Autoreifen. Sie protestierten gegen die Entscheidung der Banken, von einer Teilauszahlung ihrer Gehälter ausstehende Kreditraten abzuziehen. Ein Mann erklärte, statt der erwarteten 1 500 Schekel (268 Euro) erhalte er nur 500 Schekel (90 Euro). Wegen der internationalen Sanktionen gegen die regierende Hamas kann die Autonomiebehörde die Gehälter für die 165 000 Regierungsmitarbeiter seit März nicht mehr bezahlen. Die Mitarbeiter erhalten seitdem nur kleinere Teilauszahlungen, die aber nicht ausreichen, um ihre Familien zu ernähren. Viele waren daher dazwungen, sich Geld von den Banken zu leihen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%