International

_

Israels Finanzminister: „Europa muss mehr Integration wagen“

exklusivEin gemeinsamer Währungsraum fordere auch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik, meint Israels Finanzminister Steinitz. Europa müsse deswegen noch enger zusammenwachsen. Deutschland soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Israels Finanzminister Juval Steinitz fordert eine gemeinsame EU-Wirtschaftspolitik. Quelle: Reuters
Israels Finanzminister Juval Steinitz fordert eine gemeinsame EU-Wirtschaftspolitik. Quelle: Reuters

BerlinDer israelische Finanzminister Juval Steinitz hat Deutschland dazu aufgefordert, sich noch stärker für die europäische Einigung einzusetzen. „Die wichtigsten Lektionen, die Europa aus der Krise gelernt haben sollte, ist die, dass in einem gemeinsamen Währungsraum noch weitaus mehr geteilt werden muss, als nur das Geld“, sagte Steinitz im Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Europa muss unter deutscher Führung daher eine größere wirtschaftliche und politische Integration wagen“, so Steinitz.

Anzeige

Zugleich geht der Minister auf Abstand zu Europa: Eine Mitgliedschaft in der Euro-Zone sei für Israel auch langfristig „keine Option“. Zwar sei Israel Teil des westlichen Wirtschaftsraumes und werde daher die bestehenden Wirtschaftsbeziehungen zu Europa auch in Zukunft pflegen und vertiefen. Die Euro-Krise habe aber auch gezeigt, so Steinitz, dass für kleine und mittelgroße Länder ein „erheblicher Vorteil darin liegt, eine eigene Währung zu besitzen.“

So viel kostet Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Israel ist durch verschiedene Wirtschaftsabkommen eng mit dem europäischen Wirtschaftsraum verflochten. Debatten darüber, ob Israel sich noch enger an die europäische Staatengemeinschaft binden soll, führen israelische Politiker und lokale Medien seit Jahren.

Am kommenden Dienstag stehen im Staat der Juden vorgezogenen Parlamentswahlen an. Die konservative Partei Likud, der auch Steinitz angehört, liegt derzeit in den Umfragen deutlich vorn.

  • Die aktuellen Top-Themen
Vor dem Volksentscheid: Immer mehr Schotten für Unabhängigkeit

Immer mehr Schotten für Unabhängigkeit

In einer neuen Umfrage legen die Befürworter einer Unabhängigkeit Schottlands deutlich zu. Kurz vor dem Referendum am 18. September ist das Rennen völlig offen. Nach 307 Jahren könnte die Union mit England zerbrechen.

Sanktionen gegen Russland: Mit harten Bandagen gegen den Kreml

Mit harten Bandagen gegen den Kreml

Die EU will Russland im Konflikt um die Ostukraine hart bestrafen – mit Sanktionen gegen den Finanzsektor. Ein Vorschlag ist, das Land vom Zahlungssystem Swift auszuschließen. Kritiker fürchten ein Chaos an den Märkten.

Frankreich: Paris will Arbeitslose schärfer kontrollieren

Paris will Arbeitslose schärfer kontrollieren

Frankreich kämpft gegen die Rekordarbeitslosigkeit: Künftig sollen überprüft werden, ob Arbeitslose sich auch tatsächlich um einen neuen Job bemühen. Vorbild sind deutsche Arbeitsmarktreformen.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International