Istanbul und der Anschlag: Wenn sich die Kriegszone brutal ausweitet

Istanbul und der Anschlag
Wenn sich die Kriegszone brutal ausweitet

Brutal, unkontrollierbar und symbolisch: Der Anschlag in Istanbul vor der Hagia Sofia ist eine Kriegserklärung gegen die Freundschaft zwischen Zivilisationen. Mit einem fürchterlichen Signal.
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Neben dem blanken, tödlichen Terror hat der Anschlag in Istanbul extrem hohen Symbolgehalt. Er fand just vor der Hagia Sophia statt, dem glorreichen Monument der Christenheit, das zur Moschee und dann zum Museum wurde. Nirgendwo sonst könnte eine Annäherung der Religionen und Zivilisationen so tiefgründig angeregt und symbolisiert werden wie hier. Aber eben genau deshalb folgt die Zerstörung dieser Annäherung. Der Anschlag ist eine Kriegserklärung gegen die (schwierige) Freundschaft zwischen Zivilisationen.

Neben den menschlichen Opfern soll das Attentat dreimal treffen: Die Türkei, die sich lange Zeit dem Wahn hingab, die Henkersknechte des IS gegen die Kurden instrumentalisieren zu können, nur um sie dann zu bekämpfen. Dann die Deutschen, die jetzt aus der Türkei mit Tornados in den Syrien-Krieg eingreifen. Und schließlich den Tourismus, den effektivsten und leichtfüßigsten Weg der Annäherung der Kulturen und zugleich der effektivste Wirtschaftsfaktor für viele, gerade auch muslimische Länder.

Unterm Strich: Wir erleben auf brutalste Weise die Ausweitung der Kampf-, ja der Kriegszone mitten in unsere Zivilgesellschaften. Es ist der Terror ohne Grenzen, der sich nationalen Bekämpfungsstrategien entzieht und sich eine Palette unterschiedlichster Tatorte verschafft: Ob Hagia Sophia, das Bataclan, ein deutsches Fußballstadion, ein Baderessort in Tunesien, eine Ferieninsel in Indonesien: Unter dem Dach der Terrororganisation mit angehängtem Staatsterritorium IS soll die Weltkarte zu einer kargen Mondatlas des Schreckens werden. Für den Westen soll die Welt unwirtlich werden.

Es liegt deshalb auf der Hand: Nationalstaaten, nationale Sicherheitskräfte mögen zwar auf heimischem Territorium mit großer Anstrengung für mehr Sicherheit sorgen können. Doch das eigentliche Ziel: Die Sicherheit der ihnen anvertrauten Bürger können sie im Zeichen des asymmetrischen Krieges, der die Fronten auflöst und die Kampfzonen in die Zivilgesellschaft verlegt, nicht mehr gewährleisten. Die hilflose westliche, jetzt überall leicht verwundbare Demokratie soll den Nimbus der westlichen Übermacht verlieren. Das ist das fürchterliche Signal, das von dem Anschlag in Istanbul ausgehen soll: Wir sind alle verwundbar.

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  • Seit Silvester ist eh klar, dass die IS nun in Deutschland aktiv ist. Was aus uns zukommt, wissen wir von den Türken auch seit Weihnachten.

    Es gibt keinen Schutz vor Terroristen, es sei denn, man räuchert ihre Nester aus. Als derzeit der Terror sich noch aus Israel beschränkte, ist der Mossad beigegangen und hat es den Chefs der Terro-Orgs im Rahmen eines Freitags-Gebetes erklärt. Der Typ war danach bei seinem Schöpfer und der Spuk war beendet.

    Leider ist das deutsche Volk noch nicht bereit, dass sie insofern von Juden lernen, dass es Unterschiede zwischen den Menschen gibt. Wer das sagt, ist ein Rassis.

    Juden tun sich da einfacher und sie sprechen es auch aus:
    <<<<<<<<<<<<<<<<

    „Unsere Rasse ist die Herrenrasse. Wir sind heilige Götter auf diesem Planeten.

    Wir sind so weit entfernt von den minderwertigen Rassen, wie sie von Insekten sind. (…) Andere Rassen werden als menschliche Exkremente betrachtet. Unser Schicksal ist es, die Herrschaft über die minderwertigen Rassen zu übernehmen. Unser irdisches Reich wird von unseren Führern mit einem Stab aus Eisen regiert werden. Die Massen werden unsere Füße lecken und uns als Sklaven dienen!”

    (Israels Ministerpräsident Menachem Begin in einer Rede vor der Knesset. Amnon Kapeliouk, “Begin and the Beasts”, New Statesman, 25. Juni 1982.)

  • Vielleicht hatte Herr Scheidges ja beim Verfassen seines Artikels das Buch von Michel Houellebecq "Ausweitung der Kampfzone" im Hinterkopf, das dieser Autor schon vor 20Jahren veröffentlicht hat und in dem er die Problematik des modernen isolierten Menschen in den westlichen Gesellschaften beschrieben hat.

    "Ausweitung der Kampfzone" "Die Unterwerfung","Elementarteilchen".

    Wer die Bücher von Houellebecq nicht zur Kenntnis genommen hat, versteht auch nicht, was im Moment, jetzt, hier in diesem Augenblick seinem Höhepunkt zustrebt,
    etwas, das sich schon lange angekündigt hat.

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