Italien
Der Steuerkontrolle-Wahrscheinlichkeits-Check

Italien wird im Kampf gegen Steuerhinterziehung immer kreativer: Mit einem neuen Instrument sollen Steuerzahler nun berechnen können, wie wahrscheinlich ein Besuch der Finanzpolizei in ihrem Fall ist.
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MailandItaliens Regierung wird immer kreativer in ihren Maßnahmen zur Abschreckung der Steuerhinterzieher. Das neueste Instrument: der Steuerkontrolle-Wahrscheinlichkeits-Check. Damit können Italiens Steuerzahler oder auch nicht Nicht-Steuerzahler herausfinden, wie wahrscheinlich es ist, dass die Finanzpolizei die Situation genau unter die Lupe nimmt.

Seit Dienstag kann man auf der Internetseite der „Agenzia delle Entrate“, Italiens Steuerbehörde, den Link „Redditest“ (von „Reddito“, Einkommen) anklicken, um sich ein Bild zu machen wie plausibel die eigene finanzielle Lage in den Augen des Fiskus ist.

Einfach Link anklicken, Software herunterladen und los geht es:

In dem digitalen Fragebogen gibt man – auch mit Phantasienamen – sein Einkommen an und muss dann viele weitere Fragen beantworten. Insgesamt hundert Kategorien sieht die Simulation vor. Der Redditest will wissen, wieviel man fürs Wohnen zahlt, ob das Haus oder die Wohnung ein Eigenheim oder gemietet ist, wie viel die Menschen für Handyrechnungen, Fitnessstudios, Sprachkurse, Hauspersonal, Privatschule der Kinder oder den Urlaub ausgeben. Aber auch, ob man ein Minicar, einen SUV oder ein Boot besitzt, ist entscheidend darüber, ob beim Fiskus die Alarmsignale angehen.

So mancher Steuerzahler wird schlucken müssen, wenn er merkt, was der Fiskus alles kontrolliert: Außer dem Abo fürs Fitnessstudio zählen auch die Ausgaben für Kosmetik-Anwendungen und beim Juwelier. Das sind Ausgaben, die tauchen in keiner Steuererklärung auf. Damit bedeutet das vor allem eins: Die Steuerpolizei macht immer mehr Cross-Checks. Sie besorgt sich die Listen aus den Fitnessstudios und die Zahlungsabrechnungen der Juweliere, die Namen der Pferdebesitzer vom Reitstall ebenso wie die Abrechnungen der Reiseveranstalter.

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Kontrollmanie hat guten Grund

Kommentare zu " Italien: Der Steuerkontrolle-Wahrscheinlichkeits-Check"

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  • Sie aber suchen den Span im Auge Italiens und wollen den Balken im eigenen Land nicht sehen.

  • Laut Statistiken gibt es mehr deutsches Schwarzgeld in der Schweiz und Luxemburg als italienisches.
    Warum hier immer über andere gezogen wird ist mir ein Rätsel.
    Man sieht oft den Splitter im Auge des anderen, doch den Balken im eigenen Auge nicht.
    Sie aber suchen den Span im Auge Italiens und wollen den Balken im eigenen Land nicht sehen.

  • Doch ein bisschen zu optimistisch, ihre Einschätzung. Würde Sinn machen, wenn Italien ein abgegrenztes Land wäre. Das Maffiageld wird jedoch so geschleust, dass es sich nicht statisch innerhalb von Italien befindet. Und wenn es halt über gewisse Kanäle wie den Vatikan nicht mehr so einfach geht, na dann sucht man sich andere. Man muss jetzt ein bisschen mehr Aufwand betreiben, da man gewisse Grenzen respektieren muss und mehr Strohmänner benötigt, aber vom Tisch ist das Problem überhaupt nicht.
    Nur dass man halt jetzt weiss, wieviel der Nachbar für seine Unterhosen ausgibt.

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