Italien
Die wirtschaftlichen Nachbeben

Das Erdbeben in Norditalien hat eine reiche Region getroffen. Nicht nur Kulturgüter sind zerstört, sondern auch Fabrikhallen, Höfe und vor allem der Parmesan-Käse – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Gegend.
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Mailand300.000 Parmesan-Laibe hat das Erdbeben vom Wochenende zerstört, weitere 120.000 sind beschädigt. Das ist das Fazit, das die Bauern der Region längst des Flusses Po ziehen, die den würzigen Käse herstellen. Die Regale in den Kühlhäusern, wo der Parmesan zwei Jahre reifen muss, haben nachgegeben und nun liegen die Käseräder auf dem Boden.

Die Laibe sind so wertvoll, dass lokale Banken sie als Sicherheiten akzeptieren – wie sonst Goldbarren oder Wertpapiere. Giuseppe Alai, Präsident des Konsortiums Parmigiano Reggiano schätzt den Schaden auf 80 Millionen Euro.

Drei Tage nach den Beben ziehen die Bewohner nach den menschlichen Tragödien auch wirtschaftlich Bilanz. Und die sieht nicht schön aus: die stark landwirtschaftlich geprägte Region registriert eingefallene Scheunen, zerstörte Lagerhallen.

In der Provinz von Modena ist nur einer von fünf Bauernhöfen unbeschadet geblieben. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti schätzt den Schaden in der Emilia Romagna, im Veneto und der Lombardei auf insgesamt 200 Millionen Euro. Weitere 200 Millionen Euro meldet die Lebensmittelindustrie.

Aber nicht nur die Landwirte und die damit verbundene Industrie sind betroffen. Auch Mittelständler aus der Medizintechnik, die sich zu einem Pool von 130 Unternehmen mit 4500 Angestellten zusammengeschlossen haben, weisen Schäden auf.

Bei vielen sind die Waren in zusammengefallenen Lagerhäusern blockiert und die Mitarbeiter kommen nicht zur Arbeit, weil sie ihre Häuser verloren haben oder weil die Fabriken beschädigt sind. Hier wird der Schaden auf 300 Millionen Euro geschätzt.

Die Keramik- und Kachelindustrie, die ebenfalls stark vertreten ist meldet Schäden von 110 Millionen Euro. Weitere 150 Millionen Euro Schäden sind bei der metallverarbeitenden Industrie der Region angefallen.

Insgesamt liegt der Schaden damit bei 960 Millionen Euro – knapp eine Milliarde Euro. Damit liegt der Schaden höher als in den Abruzzen, wo das Erdbeben in L'Aquila vor drei Jahren deutlich stärker ausgefallen ist, aber mit 600 Millionen Euro deutlich weniger materieller Schaden angefallen ist. Das liegt vor allem daran, dass diesmal eine stark bevölkerte und reichere Gegend getroffen wurde.

Der Premierminister Mario Monti hat das Erdbebengebiet persönlich besucht und sprach von „schweren“ Schäden. Die Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen und sofort 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Außerdem sollen die betroffenen Bewohner von einigen Steuern ausgenommen werden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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