Italien im Krisenmodus
Als Gebrauchtwagenverkäufer fällt Monti durch

Die Italiener sind gespalten, wenn es um die Regierung Monti geht. Die einem trauen dem Premier nicht, viele würden ihm nicht mal ein gebrauchtes Auto abkaufen. Aber es gibt auch eine andere Fraktion in Roms Cafés.
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RomEin gebrauchtes Auto von Mario Monti kaufen? Niemals, sagen die Italiener, die vor zwei Wochen an einer Online-Umfrage des Versicherers „Facile.it“ teilgenommen haben. Am allerwenigsten würden sie dem WM-Torschützen Mario Balotelli trauen, wenn es um den Autokauf geht, aber schon auf Platz drei nach einem publikumssüchtigen Politiker kommt der italienische Ministerpräsident.

„Diese Regierung hat und bisher nur immer wieder neue Steuern und Kürzungen aufgebrummt, immer mehr werden wir zur Kasse gebeten“, schimpft Giovanna Zardinelli, die im römischen Stadtteil Monti direkt hinter der italienischen Notenbank eine Kaffeebar besitzt. Gar nicht zu reden von Taxifahrern und Marktfrauen, die auf die Frage, wie die Stimmung ist, mit wütendem Wortschwall über die schlechten Zeiten klagen.

Auf der anderen Seite ist die Zustimmung zu Monti und seiner Techniker-Regierung, die seit vergangenem November im Amt ist, unverändert stabil. Sowohl Monti selbst als auch seine Minister holen seit Monaten Zustimmungswerte von 38 Prozent, die letzte Umfrage von Spincon.it war Anfang August. „Wir sind Monti dankbar, dass er das Land vom Bankrott gerettet hat“, sagt ein Rechtsanwalt beim Cappuccino in der Bar.

Er erinnert daran, wie genervt die Italiener nach vielen Jahren von der Regierung Berlusconi waren, als Defizitprobleme und ausufernde Staatsverschuldung einfach verschwiegen wurden, als die anderen Länder für die Finanzkrise verantwortlich gemacht wurden, als der Medienmogul aus Mailand mit seinen Bunga-Bunga-Parties und maßgeschneiderten Gesetzen beschäftigt war. Unvergessen im kollektiven Gedächtnis der Italiener ist ein Satz von Berlusconi aus dem vergangenen Sommer, als Italien kurz vor dem finanziellen Ruin stand: „Uns geht es doch gut, die Restaurants sind voll“, hatte der damalige Premier gesagt, der schließlich auf Druck der Finanzmärkte aus dem Amt gejagt wurde.

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  • Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

  • Die einen haben die dramatische Situation der vergangenen Monate noch vor Augen, Montis bitteren Satz vom Anfang des Jahres, dass Italien kurz vor dem Abgrund steht.
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    Italien vor dem Abgrund? Hört sich an, wie aus einer italienischen Verdi-Oper (Chor der Gefangenen) ..... oder aus Dantes Inferno.
    Und das von einem Ökonomie-Professor, der Präsident der Mailänder Uni ist, eine der angesehensten Unis weltweit!
    Unglaublich!

  • "Die anderen, weniger gebildeten, die aus dem Bauch heraus argumentieren, planen schon die nächsten großen Demonstrationen, angefeuert von den großen Gewerkschaften, die sich mit Blick auf ihre überalteten Mitglieder über neuen Protest-Zulauf freuen."

    Ach ja, die weniger Gebildeten? Vielleicht auch nur die Verlierer der EU und des Euros? Die, die man am leichtesten ausbluten kann? Auch in Deutschland ist ja das Volk zu dumm für eine eigene Meinung, bzw. bezieht sich nur auf Stammtischparolen? Die Medien helfen doch heftigst mit, das Volk zu verdummen oder zu manipulieren.

    Als Zahler ist jeder "dumme" Bürger gut genug, für eine eigene Meinung entgegen der jeweiligen ReGIERung taugt er jedoch nicht.

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