Italien im Wahlkampf
Berlusconi keilt aus gegen Monti und Merkel

Italiens Ex-Premier Berlusconi kritisiert die Wirtschaftspolitik seines Nachfolgers. Mario Monti sei „zu deutschlandzentriert". Das habe aber nichts geholfen, Italiens Wirtschaft sei seit seinem Abgang auf Talfahrt.
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Der ehemalige Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi schlägt um sich. Seinem Nachfolger Mario Monti wirft  er vor, sich den Vorgaben aus dem Kanzleramt Berlin gebeugt zu haben. „Seine Politik ist zu deutschlandbezogen gewesen“, kritisierte der 76-Jährige am Dienstag in einem seiner Fernsehsender. Dies habe Italiens Rezession nur weiter verschärft. Er (Berlusconi) habe sich dagegen in seiner Amtszeit den Forderungen aus Deutschland widersetzt.

Außerdem erklärte er, dass ihm die negativen Marktreaktionen auf sein Comeback egal seien: „Was interessiert uns der Spread?“ sagte er zu den Risikoaufschlägen, die Investoren für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen hinlegen müssen.

Dieser Wert, der Spread ist diese Woche wieder über 350 Punkte gestiegen, nachdem er erst vor einer Woche zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder unter die wichtige 300-Punkte-Marke gerutscht war. Der Spread sei „ein Betrug, eine Erfindung“, wetterte Berlusconi.

Der im November 2011 abgetretene Regierungschef erklärte, das Staatsdefizit von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei "gar nicht so hoch" wie immer dargestellt.

Monti hatte am Samstag Abend seinen Rücktritt angekündigt als Reaktion auf das Comeback von Berlusconi als Premier-Kandidat im Wahlkampf und auf dessen Entscheidung, Monti nach dem Haushalt nicht mehr im Parlament zu unterstützen. Monti will nur noch vor Weihnachten das Stabilitäts- und Haushaltsgesetz verabschieden lassen und dann den Weg für Neuwahlen im Februar freimachen.

Der Wirtschaftsprofessor der Bocconi-Universität und Gründer der Ökonomen-Plattform lavoce.info, Tito Boeri, nannte die Äußerungen von Berlusconi „verantwortungslos“.

Auch Monti verschärfte am Dienstag den Ton. Im Gespräch mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Rai warnte er vor Populismus im Vorfeld der Wahlen. Es gebe nun die Tendenz, „die Dinge zu sehr zu vereinfachen" und „Wunderlösungen" zu präsentieren. Er selbst hielt sich eine Kandidatur offen.

Seine Reformpolitik verteidigte Monti energisch. Vor 13 Monaten habe Italien in einer äußerst schwierigen Lage gesteckt und seitdem habe das Land „enorme Fortschritte" gemacht; wenn auch zu dem Preis, dass kurzfristig kein Wachstum möglich sei. „Ich würde mich freuen, wenn mir jemand erklären könnte, wie es finanziell möglich gewesen wäre, Italien ein Schicksal wie Griechenland zu ersparen und gleichzeitig rasches Wachstum zu schaffen", sagte Monti.

Mit Material von afp

 
Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Italien im Wahlkampf: Berlusconi keilt aus gegen Monti und Merkel"

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  • "Italiens Wirtschaft sei seit seinem Abgang auf Talfahrt"

    Davor gings nämlich mächtig bergauf...Selten so gelacht.
    :-)

  • Ich finde das super, dass Berlusconi wieder antritt. Bunga Bunga gegen Bilderberger/Goldman Sachs. Das schlägt sich die sogenannte Elite gegenseitig die Köpfe ein. Weiter so! Hoffentlich bleibt keiner übrig! Dann hätte man die Chance für einen wirklich neuen Anfang.

  • @

    Zitat : 4 ) eine erfolgrieche Politik im Amt bestätigen um die uns alle Länder beneiden

    Solange D durch versklaven des eigenen Volkes genügend € an das Ausland ( Südeuropa, Osteuropa ) transferiert, beneidet uns eben dieses Ausland ( lach.....) und lacht sich im Stillen ins Fäustchen ! Und wenn eine Regierung sowas gegen sein Volk betreibt auch noch attestiert bekommt, sie sei die erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung, muss man doch konstatieren, dass hier eine Menge Schwätzer unter Realitätsverlusten leiden ! Diese verlogene, bis ins Mark korrupte Gesindel gehört so schnell wie möglich aus den Ämtern entfernt und das wird mit Sicherheit 2013 auch geschehen.

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