Italien kämpft um Zeit
Monti warnt Merkel vor Inflationsrisiken

Offiziell bespricht Monti heute mit der Kanzlerin Italiens Reformen. Ziel des Premiers ist es aber, den Weg für Anleihenkäufe der EZB frei zu machen und Zeit zu gewinnen. Sonst werde es auch für Deutschland gefährlich.
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RomAcht Stunden dauerte die erste Kabinettssitzung in Rom nach der gerade einmal einwöchigen Sommerpause der Regierung. Acht Stunden, um die Hausaufgaben in der Techniker-Regierung zu verteilen, um Italien trotz des Sparkurses weiter auf Wachstum zu trimmen. „Das Ziel ist mehr Effizienz, mehr Produktivität und mehr Wettbewerbsfähigkeit“, so steht es im Communiqué. In den nächsten Tagen will Monti das Programm bis zum rasch nahenden Ende der Legislaturperiode vorstellen. Um die italienischen Reformbemühungen geht es heute auch im Kanzleramt. Im Hintergrund steht aber immer die Frage, wieviel Zeit die Märkte und die EZB dem Land dafür lassen.

Dabei hofft Monti vor allem darauf, dass die EZB wieder in den Aufkauf von Anleihen einsteigt und den Druck der Märkte auf Italien erleichtert. Eine geldpolitische Kehrtwende, gegen die sich vor allem die Bundesregierung und die Bundesbank stemmt.

Daher macht Monti nun unverholen Druck auf Berlin: Unmittelbar vor dem Treffen mit Angela Merkel am Mittwoch warnte er Deutschland vor zunehmenden Inflationsrisiken: Die große Diskrepanz zwischen den Renditen italienischer und deutscher Anleihen berge Gefahren für beide Länder.

„Es wäre nur fair zu sagen, dass die Ungleichgewichte eine ernsthafte Angelegenheit für uns sind“, sagte er der italienischen Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“ vom Mittwoch. „Sie sind aber auch ein Risiko für Länder, die scheinbar davon profitieren.“

Dieses Argument will Monti auch bei dem Treffen mit Merkel vorbringen. Genaueres sagte Monti aber nicht. Er deutete aber an, er werde sich bei dem Gespräch für ein gemeinsames, europäisches Vorgehen gegen hohe Renditen bei Staatsanleihen einiger Länder aussprechen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) davon abhalten zu wollen, an den Anleihemärkten aktiv zu werden - wie die Bundesbank das wünsche - könne aus deutscher Sicht zu paradoxen Effekten führen, warnte der Premier.

Genau vor einem Jahr schockte Italien die Partner in Europa, als es wegen fehlender Reformen der Regierung Berlusconi in den Sog der Schuldenkrise geriet. Seit der Ökonomieprofessor und frühere EU-Kommissar Monti im vergangenen November an der Spitze einer Technokraten-Regierung einen strikten Spar- und Reformkurs einschlug, ist das Ansehen des Landes wieder gestiegen.

In Italien werden zwei politische Aktionen intensiv beobachtet. Einmal die Verteidigung der Bundeskanzlerin von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der sich dagegen ausgesprochen hat, dass die Europäische Zentralbank wieder Anleihen von Krisenländern kauft, und dazu die neue Annäherung von Deutschland und Frankreich.

Ernüchtert war Berlin dagegen nach dem letzten Interview Montis, in dem er Anfang des Monats von der „psychologischen Auflösung Europas“ sprach, und das er später abschwächte.

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  • Herr Monti warnt vor Inflationsgefahren, aber führt durch den gewünschten Aufkauf von Anleihen der Pleitestaaten mit immer neu gedrucktem Geld genau diese Inflation herbei. Diese Tatsache sollte er als gelernter Wirtschaftsprofes-sor auch dann nicht verdrängen, wenn er sich als Politiker aufführt.

  • "Herr Draghi, ein Mann mit Erfahrung als Chef der I. Notenbank kennt das Geschäft mit der Inflation aus dem EFEF. "

    Muß heißen: "..........kennt das Geschäft mit der Inflation aus dem EFSF." ;-)

  • "Die Märkte" sollen für alles herhalten. Wenn andere Argumente fehlen. Dabei ist es Monti, der erneut versucht, Deutschland zu erpressen. Weil er billiges Geld von der EU will anstatt seinen Haushalt zu konsolidieren!

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