International

_

Italien: Keine Steuersenkung für Geringverdiener

Umbau der milliardenschweren Haushaltspläne für 2013: Eigentlich sollten die ärmeren Haushalte in Italien steuerlich entlastet werden, doch davon hat Italiens Premier plötzlich Abstand genommen.

Italiens Premier Mario Monti. Quelle: dapd
Italiens Premier Mario Monti. Quelle: dapd

RomDer italienische Ministerpräsident Mario Monti nimmt überraschend von einer kürzlich angekündigten Senkung der Einkommenssteuer für Geringverdiener Abstand. Damit baut er die milliardenschweren Haushaltspläne für das kommende Jahr noch mal um. Die Regierung in Rom beschloss am Mittwochabend, stattdessen die Lohnkosten zu senken. In welcher Form dieses Vorhaben umgesetzt werden soll, blieb zunächst offen.

Anzeige
Italien

Trotz des eng geschnürten Spar-Korsetts wollte Monti die Einkommenssteuer für Geringverdiener um einen Prozentpunkt reduzieren. Die Maßnahme, die ärmeren Haushalten helfen sollte, hätten den Staat nächstes Jahr 4,3 Milliarden Euro und 2014 rund 6,6 Milliarden Euro gekostet. Italien steckt in einer tiefen Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit und stagnierenden Löhnen. Zudem drückt die Sparpolitik Monti auf die Stimmung der Bevölkerung.

Darüber hinaus will die Regierung Montis auch bei der Lokalverwaltung den Rotstift ansetzen und die Zahl der Provinzen reduzieren. Die Zahl der bisherigen 86 Provinzen soll dazu auf 51 verringert werden, entschied der Ministerrat.

  • 03.11.2012, 10:03 UhrBadoglio

    Über Ursache und deren Folgen
    Seit circa 18 Jahren hat Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss von durchschnittlich 17 Milliarden Euro pro Monat. In diesen 17 Jahren konnte Deutschland, als stärkste EU-Wirtschaft, diesen Leistungsbilanzüberschuss überwiegend in der Währungsunion und vor allem dank der Überschuldung der Länder Südeuropas erreichen.
    Besonders verhängnisvoll war dass die Gewinne, die deutsche Konzerne in diesen Länder erzielt haben, überwiegend ins Nichteuroausland und z.T. in den ehemaligen Ostblockländer reinvestiert wurden, und nicht in den Euro-Länder wo sie erzielt wurden. Dies kommt einer legalen Kapitalflucht aus diesen Ländern gleich und ist für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in diesen Länder Mitverursacher. (Spanien, Portugal, Griechenland über 50%, Italien nur etwas besser)
    Durch die Überflutung mit deutschen Industrieprodukte ist auch die Industrie dieser Ländern (besonders Italiens) stark geschrumpft, während die Deutschlands stark gewachsen ist.
    Auf diese Weise wurde auch die Wirtschaftskraft Europas gegen Osten verschoben, Deutschland dadurch selbst zum Zentrum.
    Erstaunlich ist vor allem dass Frankreich, das einzige Land das diese Entwicklung hätte verhindern oder mindestens etwas bremsen können, dies zugelassen und sogar unter Sarkozy sie unterstützt hat. Erst jetzt scheint es den Franzosen ein Licht aufzugehen. Leider spät, vielleicht zu spät um ein Auseinanderbrechen der Währungsunion, die die Franzosen in erster Linie gewollt haben, zu verhindern! Diese Entwicklung war vorauszusehen, durch die EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse den anderen EU-Länder diktiert, waren die schwächere Euro-Länder der stärkeren Industrie Deutschlands ausgeliefert. (ganz besonders ist dadurch Italien Industrie stark geschrumpft)

  • 01.11.2012, 13:32 UhrArminius

    @ G.N.
    das vergesse ich nicht, tatsache aber ist dass inzwischen viele italienische Firmen deswegen Plite gegangen sind.
    Es geht ausserdem nicht nur um italienische Firmen, das selbe Problem haben fast alle andere Euro-Länder.
    Der Einwand, dass es Deutschland ja besser gehe und deshalb die anderen das deutsche Modell einführen sollten, ist jedoch, wie der ehemalige US-Finanzminister und Harvard-Professor Larry Summers sagte, "ein Musterbeispiel für einen Denkfehler": Was für einen Einzelnen gut ist, ist nicht notwendigerweise für alle gut. Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit seit 1999 beständig verbessert, allerdings um den Preis einer jahrzehntelangen Quasi-Stagnation. Heute führt diese Wettbewerbsfähigkeit dazu, dass sich Deutschland auf Kosten seiner Euro-Partner bereichert und zugleich den Ast absägt, auf dem es sitzt.

  • 01.11.2012, 08:54 Uhrwhoknows

    @G.N.
    "Derzeit belaufen sie sich auf eine Höhe von gut einer Milliarde Euro!!!!"

    1 Milliarde? Das wäre ja lustig, wir sprechen von einer Billion Euro Target2 Salden in der Summe.

  • Die aktuellen Top-Themen
Tagung in Münster: Merkel bekräftigt Nein zum gesetzlichen Mindestlohn

Merkel bekräftigt Nein zum gesetzlichen Mindestlohn

Immer wieder werden in der Union Stimmen für einen gesetzlichen Mindestlohn laut. Doch Angela Merkel bleibt hart, hat den Forderungen aus den eigenen Reihen erneut eine Absage erteilt.

„Miserables Krisenmanagement“: SPD hält de Maizière eigene Ansprüche vor

SPD hält de Maizière eigene Ansprüche vor

Was wusste Thomas de Maizière? Die SPD fordert wegen des gescheiterten Drohnenprojekts „Euro Hawk“ eine lückenlose Aufklärung vom Verteidigungsminister. Und sie betont: Er solle endlich Verantwortung übernehmen.

Schutz vor Betrug: Mehr Einblick für USA bei Bilanzfälschungen chinesischer Firmen

Mehr Einblick für USA bei Bilanzfälschungen chinesischer Firmen

Die USA erhalten von chinesischen Behörden erstmals Zugang zu Bilanzprüfungsdokumenten chinesischer Firmen. Investoren sollen so besser vor Betrugsfällen geschützt werden. Die Einigung ist aber noch unverbindlich.

Handelsblog Bernanke, der Fuchs

Wenn Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hinauffährt zum Capitol Hill und mit Abgeordneten und Senatoren diskutiert, werden immer wieder dieselben Argumente ausgetauscht. Und dabei zeigt sich meist, dass der Notenbank-Chef seinen... Von Frank Wiebe. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International