Italien-Krise
Das Ende der Anti-Politik

Nach 17 von vielen Skandalen begleiteten Jahren dankt Berlusconi als Ministerpräsident Italiens ab. Er hinterlässt ein hochverschuldetes Land, das kurz vor der Pleite steht. Doch auch das Volk trägt eine Mitschuld.
  • 6

Im schneeweißen Fernsehstudio steht ein mächtiger brauner Schreibtisch, sonst nichts. Daran sitzt Silvio Berlusconi. Neben ihm steht Bruno Vespa, Moderator der Talk-Show „Porta a Porta“. Wo sonst auf Rai Uno Abend für Abend diskutiert und mit allerlei Hitzköpfen gestritten wird, gehört die Fernsehbühne an diesem Tag alleine Silvio Berlusconi. „Ich unterschreibe jetzt vor aller Augen meinen Vertrag mit den Italienern“, erklärt Berlusconi. Dann zückt er einen Füller und unterzeichnet ein Blatt Papier. Fünf Punkte stehen darauf. Nur fünf winzige Punkte – für die drittgrößte Volkswirtschaft Europas.

Vor zehn Jahren war das, mitten im Wahlkampf. Berlusconi verspricht Italien Steuererleichterungen und eine Halbierung der Arbeitslosenzahlen. Er verspricht gigantische Infrastrukturprojekte, höhere Mindestpensionen und weniger Straftaten – wenn sie ihn denn nur ins Amt des Ministerpräsidenten wählen. In seinem Fünf-Punkte-Vertrag mit dem Volk steht auch, dass er sich verpflichtet, im Falle eines Misserfolgs bei den nächsten Wahlen nicht mehr anzutreten.

Italien, Europa, fast die ganze Welt staunte damals über die ungewöhnlichen Methoden des Medien-Moguls Berlusconi, ein Volk von sich zu überzeugen: Fernseh-Wahlkampf als perfekte Inszenierung, nicht als Diskussionsveranstaltung. Noch heute kann sich fast jeder im Land an die kuriose Fernseh-Szene erinnern, eine professionell choreographierte Show mit einem erfolgreicher Unternehmer und einer klaren Botschaft: Ich werde es richten. So gewann Berlusconi die Wahl und wurde zum zweiten Mal Ministerpräsident Italiens.

Um die Menschen zu erreichen, setzte er immer wieder die Medien ein, vor allem das Fernsehen. Selbst Kritiker sagen, dass er geradezu perfekt darin ist, wohlklingende Botschaften über die Medien zu vermitteln. Deshalb ist die Szene aus dem Jahr 2001 typisch für Berlusconi und sein Verständnis von Politik: Statt sich lange Parlamentsdebatten anzuhören und sich im römischen Durcheinander des politischen Palazzo zu verlaufen, präsentierte sich Berlusconi als Macher. Dauerlächeln und viel Schminke gehören dazu. Als erfolgreicher Unternehmer und Milliardär gaukelte er Italien vor, dass es Wohlstand für alle geben kann – wenn man es nur gescheit anstellt.

Kommentare zu " Italien-Krise: Das Ende der Anti-Politik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • es genügt, auch in Wikipedia, die Namen Licio Gelli, Michele Sindona, aber Auch Bettino Craxi und last not least Benito Mussolini einzugeben

  • "Unpopuläre Reformen blieben liegen, die Bürokratie wurde kein bisschen vereinfacht, die Preise stiegen, die Steuerlast wurde drückender. Nichts wurde besser in Italien, sondern vieles schlechter." ....????....So etwas kennt man im übrigen Europa oder auch nur Deutschland wirklich nicht. Wir werden nämlich von fähigen Politikern regiert, nicht wahr? Ich möchte nur daran erinnern, dass die Staatsverschuldung Deutschlands während Berlusconis Regierungszeit um 33% gestiegen ist (gemessen in % des BSP im Bezug zur Anfangszeit). In Italien ist jedoch nur unwesentlich (wieder in % des BSP) angewachsen. Dass die gesamte Schuldsumme doch erheblich höher ist, ist den 60 mafianischen Regierungen vor Berlusconi anzulasten. Wo dann der mediale Hass auf Berlusconi quilt bleibt noch nicht geklärt. Und warum ihn die Italiener so sehr mochten, dass sie ihn über sehr lange Jahre zum Ministerpräsidenten gewählt hatten, bleibt in diesem verklärerischem Artikel auch nicht beantwortet. Nur purer demagogischer Hass! Keine Bilanz, kein Vergleich. Was noch fehlte, war der Hinweis darauf, dass Demokratie einfach falsch ist, veraltet, ungeeignet die neue eurokratische Ideologie zu stützen. Man muss sie langsam beseitigen mit all den Berlusconis, Papandreus, Radicovas und Suliks. So geht man mit Verbündeten um !! Gute Nacht!

  • Nicht, dass ich ihn mag, den Monti. Aber tun wir einfach mal so und beginnen damit: Der arme Monti, kaum bestätigt, arbeitet der unwiderstehliche Silvio - keine 24 Stunden hat er es ausgehalten, nicht mehr im Rampenlicht zu stehen - schon an seinem Comeback. Mann muss ein Volk eben so lange nerven, bis es einem kräftig in die Eier tritt. Aber mal ehrlich: Das hat er sich hart verdient, der ach, so schöne Silvio! So trete man die harten Eier weich und ernte endlich Frieden!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%