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Italien-Krise: EZB diskutiert über Verdopplung des Euro-Rettungsschirms

Europas Zentralbanker wollen den Rettungsschirm für angeschlagene Mitgliedsstaaten aufstocken. Erfasst die Schuldenkrise auch Italien, sei die EU momentan nicht ausreichend vorbereitet.

Die Europäische Zentralbank (EZB). Quelle: dpa
Die Europäische Zentralbank (EZB). Quelle: dpa

BrüsselDie Europäische Zentralbank (EZB) fordert einem Zeitungsbericht zufolge eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirmes zum Schutz von Italien. Unter Berufung auf hochrangige Zentralbankkreise berichtete „Die Welt“, der Schirm müsse nach Ansicht von Notenbankern möglicherweise auf 1,5 Billionen Euro verdoppelt werden. „Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt“, zitiert die Zeitung einen europäischen Zentralbanker, der nicht genannt werden wollte. Inzwischen gebe es im EZB-Rat einen breiten Konsens über eine Verdoppelung des Schirms, heißt es in dem Vorabbericht weiter. 

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In der EZB herrscht der Zeitung zufolge großer Unmut über die derzeitige Krisenpolitik. Die Notenbanker hielten es für besonders wichtig, umgehend die von Deutschland geforderte Beteiligung des privaten Sektors an den Krisenplänen vom Tisch zu nehmen: Der Schaden sei bereits jetzt enorm, ohne dass es einen Nutzen gebe. „Das schlechte Krisenmanagement der europäischen Regierungen sorgt dafür, dass die Kosten der Rettung ständig steigen“, zitierte die Zeitung den Notenbanker. Dabei gehe es den Geldpolitikern nicht nur um eine Aufstockung, sondern auch um eine flexiblere Gestaltung des Rettungsschirms. „Die europäischen Notenbanken sind nicht mehr bereit, weitere Anleihen der Staaten zu kaufen“, sagte der Notenbanker dem Bericht zufolge weiter. „Das sollten die Finanzminister dem Rettungsschirm ermöglichen.“

Aus Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien hat EU-Ratspräsident Herman van Rompuy EU-Kreisen zufolge für Montagmorgen ein Krisentreffen einberufen. An der Sondersitzung nehmen EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, EU-Währungskommissar Olli Rehn sowie EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso teil, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag von drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr. Auf der Tagesordnung stehe auch ein zweites Rettungspaket für Griechenland, hieß es weiter. Ein Sprecher von Ratspräsident van Rompuy sagte, es handele sich nicht um ein Krisentreffen, es ginge vielmehr um Koordinierungsfragen. Italien stehe nicht auf der Agenda.

Das Treffen sei organisiert worden, nachdem der Druck der Finanzmärkte auf Italien am Freitag deutlich zugenommen hatte, hieß es in den Kreisen. Anleger wollten italienische Staatsanleihen nur noch kaufen, wenn sie dafür die höchste Gefahrenzulage seit Schaffung des Euro kassieren konnten. Die Zinsen auf den Schuldenpapieren näherten sich dabei einem Niveau an, dass einige Volkswirte für eine kritische Schwelle halten. Die Aktien von Italiens größter Bank Unicredit fielen gleichzeitig um fast acht Prozent.

„Wir können uns nicht mehr viele Tage wie Freitag erlauben“, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank (EZB) und fügte hinzu: „Wir machen uns große Sorgen um Italien.“ Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Kein anderes Land mit der Gemeinschaftswährung außer Griechenland schiebt relativ zu seiner Wirtschaftsleistung einen so großen Schuldenberg vor sich her. Die Finanzmärkte sorgen sich jedoch nicht nur über die hohen Schulden des Landes, sondern auch um die kriselnde Wirtschaft und lähmende politische Streitereien. Viele Anleger fürchten etwa, dass Ministerpräsident Silvio Berlusconi seinen Finanzminister Giulio Tremonti loswerden will, der das Haushaltsdefizit mit scharfen Einsparungen in den Griff bekommen will.

Am Montag kommen - wie bereits schon länger geplant - auch die Finanzminister der Euro-Zone zusammen, um eine Beteiligung des privaten Sektors an neuen Hilfen für Griechenland zu diskutieren. Zudem werden sie bei ihrem Treffen die Ergebnisse des Stresstests begutachten, bei dem 91 europäische Banken auf ihre Krisenfestigkeit geprüft wurden.

In der EU wächst die Sorge, dass die Gespräche über ein zweites Rettungspaket für Griechenland nicht schnell genug vorankommen. „Wir müssen uns hier in den kommenden zwei Wochen bewegen. Wir können nicht bis Ende August oder Anfang September warten, wie Deutschland sagt. Das ist zu spät und die Märkte werden dafür einen Preis verlangen“, sagte ein ranghoher EU-Beamter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen über das zweite Paket stecken derzeit fest. Knackpunkt ist dabei die von Deutschland und anderen Ländern geforderte Beteiligung privater Gläubiger.

  • 11.07.2011, 04:14 UhrKnall-Nicht-Gehoert

    So als Nebenbei-Meldung ganz nett aus anderen Zeitungen übernommen.

    Ist ja schließlich auch viel wichtiger, dass ein Investment-Banker (Zockerbanker) bald künftige Nummer-1 bei der Deutschen Bank wird.

    Mal sehen, was die bunten Zettelchen bald noch so wert sind.

  • 11.07.2011, 03:39 Uhrleserleins_Ende

    Alle hatten geglaubt die Schaffung eines geeinigten Europas sei ein Sonntagsausflug?
    Nun, das es es nicht.

    Das Perverste dabei: "Einigungskriege".
    Die hatte Europa seit 600 Jahren zu führen.

  • 11.07.2011, 03:39 Uhranschy

    Oooch ... Grecco :-)
    Dann hab ich da jetzt aber ein Problem ;-)

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