Italien-Krise
Monti-Urlaub nahe der Front

Mario Monti hat seiner Regierung einen Sommer im Zeichen der Krise verordnet: Höchstens zwei Wochen im August und möglichst nicht an exotischen Orten, sondern in greifbarer Nähe in der Heimat.
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RomBei Italien weiß man nie, was passiert. Die Regierung hat zwar noch vor der Sommerpause die Arbeitsmarktreform durchgesetzt und das Parlament hat dem EU-Rettungsschirm zugestimmt. Und die ursprünglich geplante Auktion von Staatsanleihen von Mitte August hat Monti nicht zuletzt dank hoher Steuereinnahmen abblasen können.

Aber die Märkte sind immer für Überraschungen gut. Sollten die ohnehin schon hohen Spreads wieder in die Höhe schießen, muss die Regierung für Löscheinsätze bereit stehen.

Die Rating-Agentur Moody`s dürfte die Italiener im Sommer in Ruhe lassen. Sie hat die Kreditwürdigkeit Italiens bereits vor kurzem auf nur noch zwei Stufen über Ramsch herabgestuft. Auch viele Banken und Versicherer mussten infolge dran glauben. Fitch hat seine Beurteilung erst am Donnerstag abend bestätigt, hat allerdings Italien unter negative Beobachtung gestellt.

Trotz der schwachen Bewertung von Moody`s hat Italien zuletzt keine Probleme gehabt, seine Titel am Markt zu platzieren. Die letzten Auktionen waren überzeichnet und die Zinsen, die der italienische Staat hinlegen musste, sind wieder gefallen. Auch die ausländischen Investoren hatten zuletzt wieder Interesse gezeigt: mehr als die Hälfte der Käufer kamen aus dem Ausland, wie das Schatzamt mitteilte.

Mit der Reform des Arbeitsmarkts hat Monti nach der Rentenreform, und den Liberalisierungen verschiedener Berufsstände die größten Re-formen angepackt. Jetzt kommt es darauf an, ob er es schafft, die italienische Konjunktur wieder anzukurbeln. Angesichts der Euro-Krise und der hohen Steuern in Italien keine einfache Aufgabe.

Italien leidet zudem unter den hohen Spreads – also die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen -  die die Finanzierung der hohen Staats-verschuldung von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts noch verteuern.

Deshalb hatte sich Monti für einen europäischen  Mechanismus eingesetzt, damit die Rettungsfonds auch Staatsanleihen jener Länder kaufen könne, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, die aber trotz-dem unter hohen Risikoaufschlägen leiden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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