Italien
Monti bringt Arbeitsmarktreform durchs Parlament

Diese Reform wollte Mario Monti unbedingt durchbringen. Als Regierungschef eines der europäischen Sorgenkinder will Monti beim EU-Gipfel Durchsetzungskraft demonstrieren. Doch die Finanzmärkte bleiben gnadenlos.
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RomDer italienische Regierungschef Mario Monti kann mit einer wichtigen Arbeitsmarktreform zum EU-Krisengipfel nach Brüssel fahren. Nach monatelangen Verhandlungen mit starkem Widerstand vor allem der Gewerkschaften hat das Abgeordnetenhaus in Rom das Gesetz am Mittwoch mit großer Mehrheit endgültig verabschiedet. 393 Abgeordnete stimmten zu, 74 dagegen, 46 enthielten sich der Stimme.

Zu einzelnen Artikeln der Arbeitsmarktreform hatte sich der Chef einer Technokraten-Regierung zuvor in vier Vertrauensabstimmungen eine breite Rückendeckung bereits geholt. Monti hatte sich nach dem Amtsantritt in den vergangenen sieben Monaten immer wieder mit der Vertrauensfrage bei seinen Gesetzesvorhaben gut abgesichert.

Kern der Arbeitsmarktreform ist es, Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen zu erleichtern und mit flexibleren Regelungen Wachstum und Produktivität zu fördern. Abgeschwächt durch Änderungsanträge wird das Gesetz weiterhin von Gewerkschaften wie Unternehmern kritisiert. Es soll auch bei Zeitverträgen das Recht von Arbeitgebern beschneiden, spätere Volleinstellungen zu umgehen.

Monti kann sich im Parlament auf die beiden größten Parteien stützen, die konservative PdL (Volk der Freiheit) des früheren Premierministers Silvio Berlusconi und die Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei). Berlusconi soll Monti jedoch davor gewarnt haben, mit leeren Händen vom bevorstehenden EU-Gipfel in Brüssel zurückzukommen. Denn seine Partei verliere viel Zuspruch, weil sie Montis harten Sparkurs mit unpopulären Steuern bisher mittrage.

Die Arbeitsmarktreform sei von „historischer Bedeutung“, um Italien aus der Wachstumskrise der vergangenen Jahre zu bringen, hatte der frühere EU-Kommissar Monti seine Reform begründet. Sie gilt als ein Kernstück seiner Bemühungen, das hoch verschuldete und unter dem Druck der Finanzmärkte stehende Land wettbewerbsfähiger zu machen.

Es gebe in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone einen „perversen Dualismus“, bei dem ein Teil der Arbeitnehmer jede Protektion genieße, ein anderer dafür schutzlos dastehe, so Monti. Wirksamkeit und Gerechtigkeit seien deshalb die Ziele der Reform. Sie solle einen modernen Arbeitsmarkt im globalen Umfeld schaffen und die prekäre Lage junger Menschen und der Älteren berücksichtigen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ Rene,
    man kann nur Beschlüsse umsetzen die umsetzbar sind.
    Diese Beschlüsse sind erpresst worden daher sind sie moralisch nicht bindent.
    Oder können Sie mir einen einzigen Grund sagen warum eine Lehrerin in Athen einen Anfangsgehalt von nur € 600,- zum Leben braucht und in München € 2000,-
    Das bei vergleichbaren Preise und Unterhaltskosten!

  • Wie man in Griechenland sieht, reichen Beschlüsse nicht aus. Sie müssen umgesetzt werden. In Griechenland passiert das seit Jahren nicht. In Deutschland wird auch nicht "gespart".
    Ein Staat kann nur mit starken Institutionen funktionieren.

  • "les problèmes de la disparité des compétitivités"
    cette disparité des compétitivités est surtout due à des facteurs naturels et immuables.
    S'il est vrai que la France et l'Allemagne pourraient arriver à une compétitivité comparable il n'en est pas de même pour d'autres pays de la zone Euro.
    Des pays aussi peu industrialisés que le Portugal, la Grèce, l'Espagne et même l'Italie (cette dernière surtout pénalisée par les intérêt sur la dette de plus en plus élevés qu'elle doit payer, ce capital lui lui manque pour investir dans la croissance et l'infrastructure) ces pays ont donc peu de chance d'arriver à la même compétitivité que l'Allemagne ou la France (à moins de devenir tous des paradis fiscaux).
    Leur demander d'augmenter leur compétitivité par le dumping social et par le dumping des salaires et illusoire. Des pays comme la Chine, l'Inde et d'autres pays asiatiques ne peuvent être égalés en ce qui concerne le dumping social.
    Il faut tenir compte de la réalité, l'Allemagne étant le pays économiquement le plus fort de la Zone Euro a pu profiter de l'endettement des autres pays pour développer son industrie aux dépens des autres économies de la Zone Euro.
    Depuis 18 ans l'Allemagne a un excédent de la balance commerciale de 17 Milliards PAR MOIS en moyenne. Cet excédent a été réalisé, surtout les dix premières années, dans la Zone Euro et grâce à l'endettement d'autres pays importateurs de bien allemand (y compris l'armement pour la Grèce)
    Je ne pense pas que L'UE puisse survivre si l'Allemagne et la France n'acceptent pas de tenir compte de ces réalité et refusent de revoir les accords et de prendre les mesures qui s'imposent et qui permettrait de compenser ces disparités de compétitivité. L'avenir ou la disparition de l'UE en dépendent.

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