Italien-Premier
Letta hält Griechenland-Hilfskonzept für misslungen

Für Italiens Regierungschef Enrico Letta hat die EU in den letzten Jahren schwere Fehler bei der Griechenland-Rettung gemacht. Die Sparpläne hätten das Land erst recht in die Krise gestürzt.
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Berlin/AthenItaliens Regierungschef Enrico Letta hat das Hilfskonzept von Europäern und Internationalem Währungsfonds für Griechenland scharf kritisiert. „Der Zeitplan war falsch. Es waren die falschen Instrumente“, sagte Letta am Montag bei einem Besuch in Athen. Unterdessen machte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages den Weg frei für neue Kreditzahlungen der Euro-Partner an das gegen die Pleite kämpfende Land frei. Die EU gab dem Land zumindest für das laufende Jahr etwas mehr Luft bei den geforderten Privatisierungen.

Europa habe in den vergangenen Jahren im Kampf gegen die Krise des Landes schwere Fehler begangen, sagte Letta während seines Griechenland-Besuchs. Die harten Sparauflagen hätten das Land noch tiefer in die Rezession gestürzt und europaweit die Arbeitslosigkeit nach oben getrieben. „Wenn Europa Griechenland zu Beginn anders behandelt hätte, wäre die finanzielle Katastrophe nicht so groß ausgefallen“, beklagte der italienische Regierungschef. Vor einigen Wochen hatte schon der Internationale Währungsfonds (IWF) mit seiner Selbstkritik am ersten Hilfskonzept für Griechenland für Aufsehen gesorgt.

Italien ist nach Griechenland mit einer Schuldenquote von über 120 Prozent das am zweithöchsten verschuldete Land der Euro-Zone. Die Regierung tut sich seit geraumer Zeit schwer mit der Sanierung der Staatsfinanzen und Reformen, wie sie insbesondere Deutschland immer wieder gefordert hat.

Am Montag machte der Bundestags-Haushaltsausschuss den Weg für die Auszahlung von weiteren 2,5 Milliarden Euro an Griechenland frei. Der Ausschuss verzichtete auf die Möglichkeit einer Stellungnahme zur Transaktion. Da er aber mit der Sache - wie gesetzlich gefordert - befasst worden war, konnte die Bundesregierung grünes Licht für die Freigabe der Mittel geben. Dabei handelt es sich um die erste Rate des zugesagten Kredits von insgesamt 6,8 Milliarden Euro. Mit der Umsetzung von 22 geforderten Spar- und Reformmaßnahmen hatte Griechenland Ende letzter Woche die Voraussetzungen geschaffen. Bereits am Freitag hatte eine Arbeitsgruppe der Euro-Mitgliedsländer die Zahlung unter Vorbehalt befürwortet. Kurzfristig wird nun auch ein Ja des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartet, damit auch dessen Anteil von 1,8 Milliarden Euro im August an Griechenland fließen kann.

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  • Daß im Nachhinein viele Irrtümer offenbar werden ist doch selbstverständlich!
    Aber welchen Hebel ausser den Finanzen gibt es denn, um den zur EU-Integration notwendigen Wandel durchzusetzen und welche Motivation ausser dem EURO haben die Griechen, um durchzuhalten.

    Dass der strukturelle Wandel nötig ist und ohne finanzielle Krise nicht möglich wäre, sehen viele Griechen auch so - trotz allem Leid, das die Krise bringt.(siehe z.B. Triandafyllidou Anna: Is Greece a modern country? An explanation to Greece’s current economic crisis April 23, 2010 im Eliamep-Blog)

    Nur über die Zeitskala sollte man sich klar sein: Eine Generation mindestens. Alles andere ist Augenwischerei.

  • Verheimlichte Realität zum EURO



    Vor 5 Wochen kam ich von einer Asienreise zurück (Thailand + Philippinen). Meine
    EUROS, die ich mitführte, wurde mir von keiner einzigen Bank dort zwecks Umtauschs in die jeweilige Landeswährung akzeptiert.
    Wenn ich Dollar zur Verfügung hätte, gäbe es keine Probleme, Euro könne man nicht annehmen.
    Dank der Hilfe meiner Geschäftspartner musste ich nicht verhungern! Die EURO Scheine gab ich meiner Geschäftsbank nach meiner Rückkehr zurück.
    Ich wurde weder von meiner Geschäftsbank, von unserer Politik, noch Medien darüber aufgeklärt, dass der Euro außerhalb der EU – Zone keine Akzeptanz mehr genießt. Dieses Stück Papier besitzt mit ein paar aufgedruckten Zahlen also nicht mehr an Wert wie angedacht, sondern gerade einmal dem Substanzwert Papier.
    Die AfD ist somit der einzige Rufer in der EURO-Wüste und um Aufklärung bemüht, wie es um den EURO tatsächlich steht. Und versucht den normalen Bürger, hoffentlich nicht ergebnislos, aufzuwecken.
    Obwohl die USA selbst praktisch bankrott sind, der Dollar substanziell wertlos ist, hat der EURO den Krieg gegen den Dollar endgültig verloren. Alleine der Glaube an den sicheren Weltwährungseffekt des Dollars bedeutet keine Sicherheit, die über den Papierwert hinaus geht.
    Nur weiß das noch keiner. Empfehlung: „ Raus das dem EURO und raus aus dem Dollar “.
    Raus ebenso aus verbrieften Geldrechten, die bestehen ebenso nur aus Papier und schwarzem Aufdruck.

  • "Raus aus EU!" ... "Raus aus EURO!"

    Wie blöd muss man sein, wirklich zu glauben, dass es helfen würde???
    Die Sowjet-Republiken waren alles "demokratisiert" und aus der Sowjetunion raus (wo früher für jeden Wohnung und Arbeitsplatz und Kindergartenplatz für jedes Kind gab) - jetzt leben da 1% der Bevölkerung wie Könige und 85% überleben gerade noch!

    Leute, muss denn jeder erst selber in den Abgrund stürzen, um die WAHRHEIT zu erkennen???!

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