Italien

Prominenter Banker zieht in Montis Kabinett ein

Der designierte Ministerpräsident Mario Monti übernimmt zusätzlich das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers. Ein weiteres Superministerium des deutlich verkleinerten Kabinetts geht an einen prominenten Bankchef.
Update: 16.11.2011 - 14:41 Uhr 6 Kommentare
Junge Italiener feiern vor dem Präsidentenpalast den Machtwechsel in Italien. Quelle: dpa

Junge Italiener feiern vor dem Präsidentenpalast den Machtwechsel in Italien.

(Foto: dpa)

RomDer künftige italienische Ministerpräsident Mario Monti hat im Eiltempo eine neue Regierung für das hoch verschuldete Euro-Land gebildet. Er selber werde zusätzlich das Ressort des Wirtschafts- und Finanzministers übernehmen, erklärte Monti am Mittwoch im Anschluss an Gespräche mit Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano.

Der Chef der Bank Intesa Sanpaolo, Corrado Passera, soll neuer Minister für Infrastruktur, Industrie und Transport werden. Damit soll "die Koordinierung der Wachstumsförderung in den Mittelpunkt rücken", sagte Monti.Monti erklärte, es sei ihm wichtig, "dass Schlüsselressorts mit Frauen besetzt werden, die sehr gut qualifiziert sind: für Inneres, Justiz und Arbeit."

Monti stellte sechzehn Minister vor, davon sind vier ohne Ressort. Sein am Samstag zurückgetretener Vorgänger Berlusconi war 2008 mit 21 Ministern angetreten. Politiker sind entgegen früheren Überlegungen im Kabinett nicht vertreten. „Während der Konsultationen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Abwesenheit von Politikern der Regierung die Arbeit erleichtert, da sie einen Grund für Befangenheit beseitigt“, erklärte Monti. Er setzte sich zudem mit seiner Forderung durch, dass seine Amtszeit nicht von vorne herein begrenzt wird. Damit kann er bis zum nächsten regulären Wahltermin 2013 amtieren.

Das neue Kabinett soll das Land aus der schweren Krise führen, die es an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs geführt hat und die gesamte Eurozone gefährdet. Am Vormittag hatte Monti die letzten Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Führung des Landes nach dem Rücktritt von Berlusconi ausgeräumt.

Die Regierung muss dann noch vom Parlament bestätigt werden. Es gilt als sicher, dass die 63. italienische Nachkriegsregierung spätestens am Freitag eine breite Zustimmung des Parlaments in Rom erhält. Monti soll das Land aus der tiefen Schulden- und Wachstumskrise der Berlusconi-Ära führen.

Am Dienstag hatten die beiden größten Parteien des Landes - die PdL-Partei des zurückgetretenen Berlusconi und die linke PD (Demokratische Partei) des Pierluigi Bersani - ihre Unterstützung für eine Regierung unter Monti zugesagt. Auch die Sozialpartner befürworten eine Regierung unter dem angesehenen und parteilosen Wirtschaftsfachmann Monti.

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6 Kommentare zu "Italien: Prominenter Banker zieht in Montis Kabinett ein"

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  • Davon träumen wir (noch).

    Es muss nur schlecht genug sein, dann erkennen die "Politiker", dass es ihnen "ausserhalb" besser geht. Aber sind sie sich dessen gewiss: Die kommen wieder.

  • sie schlaukopf - sry.

  • Das hat alles mit Politik nichts mehr zu tun. Da regieren Bänker und Finanzmafiosi und mehr nicht. Was solls, das ganze kann eh keiner mehr retten: http://newsbote.com/wirtschaft/die-flucht-aus-dem-euro-lauft-bereitet-deutschland-die-dmark-vor/

  • ...das sieht ja schon mal ganz brauchbar aus.

    rummeckern in so eine situation bringt gleich garnix.
    laßt ihn doch erstmal machen.
    er ist ja kein idiot.

  • 1. Warum macht er nich noch den Innenminister? Wenn die Banken ihr Programm durchsetzen wollen, ist das wohl eher wichtig. Allerdings nennt man sich dann Despot und nicht 3-fach-Minister mit Präsidentenfunktion.

    2. "neuer Minister für Infrastruktur, Industrie und Transport werden. Damit soll "die Koordinierung der Wachstumsförderung in den Mittelpunkt rücken""
    -> Es muss wohl eher heißen, in diesen Bereichen gibt es noch die meisten staatlichen Werte, die noch dringend privatisiert werden wollen, bevor auch diese Herrschaften sich auf irgendwelchen warmen Inseln niederlassen...

  • Zitat:
    "Prominente Banker ziehen in Montis Parlament ein"

    Na also haben die Italiener sich nun endlich ihrer "lästigen" Demokratie entledigt.

    Wann wird diese europäische "Errungenschaft" der entdemokratiesierung endlich auch bei uns vollständig sein?

    *Ironie aus

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