Italien: Rote Brigaden machen wieder Angst

Italien
Rote Brigaden machen wieder Angst

Es ist, als werfe die Vergangenheit einen dunklen Schatten über Italien. 500 Spezialfahnder, mit schweren Waffen und schwarzen Kapuzen, greifen in mehreren Städten gleichzeitig zu. Insider sprechen von einer Polizeiaktion, wie sie das Land seit langem nicht mehr gesehen hat. Es geht gegen einen Feind, den viele in Italien längst überwunden glaubten.

ROM. Während in Deutschland die ehemalige RAF-Aktivistin Brigitte Mohnhaupt freigelassen werden soll und die Bedrohung durch den Linksterrorismus als überwunden gilt, ist in Italien nach den Erkenntnissen der Fahnder eine „neue Generation“ der kommunistischen Roten Brigaden herangewachsen. 15 Festnahmen in Mailand, Turin und Padua, umfangreiche Waffenfunde, gefälschte Dokumente - das ist die erste Bilanz der Fahnder.

Mehrere Anschläge sollen geplant gewesen sein, unter anderen gegen Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und den Energieriesen ENI. Innenminister Giuliano Amato ist überzeugt, dass es durch den Zugriff gelungen sei, ein Attentat zu vereiteln - die erste große Aktion hätten die Inhaftierten für Ostern geplant. Schießübungen habe die Gruppe bereits absolviert.

„Als wäre ein Gespenst zurückgekehrt, das wie völlig aus unserem Leben verbannt hatten“, kommentiert die römische Zeitung „La Repubblica“. Tatsächlich scheint vieles wie ein „Déjà-vu“ aus den „anni di piombo“, den bleiernen 70er Jahren, in Italien: Wie damals erklären sich die Inhaftierten auch diesmal zu „politischen Gefangenen“, die Feinde sind erneut die Vertreter des „kapitalistischen Systems“, vom „bewaffneten Kampf“ und der Mobilisierung der Massen ist die Rede. Diesmal nennt sich die Gruppe „Kommunistische Partei - politisch-militärischer Arm“.

Was besondere Sorge bereitet: Zahlreiche Verdächtige waren in der kommunistischen Gewerkschaft CGIL aktiv. Gewerkschafter äußern sich in ersten Reaktionen schockiert über diese Unterwanderung. „Wir hätten uns niemals gedacht, dass es derart aggressive Kräfte in unseren Reihen geben könnte.“ Zudem berichten Medien auch von Verbindungen zur Mafia. „Es scheint, als hätten einige der Brigadisten den Schutz der Bosse gesucht.“

Allerdings sind in der neuen Gegneration nicht nur 20- und 30- Jährige dabei: Anführer sei der 50 Jahre alte Alfredo Davanzo, der schon seit über zehn Jahren gesucht werde. Er sei zwar schon 1998 in Frankreich festgenommen worden, doch die Behörden hätten ihn wieder auf freien Fuß gesetzt. Später sei er illegal nach Italien eingereist. „Chefideologe“ der Gruppe sei der 49-jährige Claudio Latino, ebenfalls seit langem auf der Fahndungsliste - er habe in abgehörten Gesprächen für den Einsatz von Autobomben plädiert. Als Unterschied zur ersten Generation der Brigaden fällt auf: Frauen und Studenten sind stark unterrepräsentiert.

Allerdings, bei aller Bestürzung über das Wiederaufleben der alten Geister: Wirklich verschwunden war der Spuk in Italien nie. Immer wieder gab es Anschläge, es flogen nicht nur Brandsätze gegen Behörden und Polizeistationen, auch die politische Mordserie konnte nie ganz unterbrochen werden. 1999 etwa wurde in Rom Massimo D' Antona, ein Top-Berater im Arbeitsministerium, auf offener Straße erschossen, im Jahr 2002 in Bologna Marco Biagi, ebenfalls ein Regierungsbeamter. Ihre Verbrechen in den Augen der Täter: sie hatten bei Reformen des Arbeitsrechts und des Kündigungsschutzes mitgewirkt.

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