Damit haben sich die Italiener den neuen Spielregeln des Euro schnell angepasst. „Jahrelang waren es die italienischen Unternehmen gewöhnt, dass die Zentralbank ihnen durch die Entwertung der Lira immer wieder unter die Arme griff“, erklärt der Censis-Ökonom Roma. Mit dem Eintritt in die Euro-Zone blieb ihnen dieser Weg verwehrt. Und wenn auch viele italienische Export-Unternehmern unter der starken europäischen Währung stöhnen, so nutzen sie doch einige, um im Ausland zuzukaufen.
Auch für italienische Finanzinstitute, die von der Subprime-Krise weniger betroffen sind als US-Häuser oder auch deutsche Banken, öffnen der schwache Dollar und die Finanzkrise neue Möglichkeiten. „Gerade in diesen Momenten gibt es Chancen, die man wahrnehmen kann. Wir bewegen uns langsam, aber es ist der Moment, zuzugreifen“, sagte erst vergangene Woche der Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns Generali, Giovanni Perissinotto.
Giovanni Burani, der Vorstandschef der schnell wachsenden Kleidungsgruppe Mariella Burani will zwar nicht in den USA direkt investieren. Aber er schließt nicht aus, in Regionen zuzukaufen, die an den Dollar gebunden sind. „In den Emerging Markets könnten sich interessante Möglichkeiten ergeben“, sagt er.
Vittorio Tabacchi, Vorstandsvorsitzender des weltweit zweitgrößten Brillenherstellers Safilo, sieht beide Seiten der Medallie: „Der schwache Dollar trifft uns in den USA, weil dort die Margen kleiner werden. Aber er hilft uns auf der anderen Seite dort, wo wir im Dollarraum produzieren.“
Dennoch glaubt der Ökonom Roma, dass der Trend eher dahin geht, Unternehmen zu kaufen, als nur die Herstellung auszulagern, um billig zu produzieren. „Die italienischen Unternehmen haben schließlich endlich verstanden, dass sie besser mit hoher Qualität punkten können als mit Billigware.“
Die Beschwerden über den starken Euro seien ohnehin mit Vorsicht zu genießen, mahnt Roma. Schließlich ginge der Großteil der italienischen Ausfuhren immer noch in die Euro-Zone oder in Länder, die ihre Währung an den Euro geknüpft haben. „60 Prozent des italienischen Exports wird nicht vom Wechselkurs beeinflusst“, sagt Giuseppe Roma.


