Italien Stimmung gegen Euro und Deutschland wächst

Italiens Regierungschef Mario Monti sieht das Projekt Europa wegen der sich verschärfenden Schuldenkrise bedroht. Er sieht zunehmend eine anti-europäische und anti-deutsche Stimmung in seinem Land. Merkel müsse handeln.
48 Kommentare
Mario Monti sieht sein Projekt wegen Deutschlands Blockadepolitik gefährdet. Quelle: dapd

Mario Monti sieht sein Projekt wegen Deutschlands Blockadepolitik gefährdet.

(Foto: dapd)

RomLöst sich das „Projekt Europa“ auf, bricht es im Zuge einer sich verschärfenden Schuldenkrise auseinander? Italiens Mario Monti, einst EU-Kommissar und heute Regierungschef in Rom, sieht die Gefahr heraufziehen. Und er befürchtet vor allem eine gefährlich anwachsende Stimmung gegen den Euro und den „Bremser“ Deutschland.

Was Monti warnend dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte, dass Deutschland in der Euro-Krise flexibler sein müsste, ist von Furcht getragen: Die spätestens im April 2013 in Italien anstehenden Parlamentswahlen könnten zu einem Referendum über Europa werden. Konjunktur haben derzeit Euro-Skeptiker und Seitenhiebe auf Berlin.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich gegen die Einschätzung von Italiens Ministerpräsident Mario Monti verwahrt, eine enge Bindung der Regierungen an die Parlamente könne der europäischen Integration schaden. „Das Gegenteil ist richtig“, betonte Lammert am Montag in Berlin. Eine parlamentarische Begleitung und Entscheidung europapolitischer Vereinbarungen sei nicht nur eine unverzichtbare Anforderung der Verfassung, sondern auch eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz bei den Bürgern. „Es ist in jedem Fall eher hinzunehmen, dass die Erwartungen der Märkte durch unsere Rechtsordnung und unsere Demokratie enttäuscht werden als umgekehrt unsere Rechtsordnung durch die Verselbstständigung der Märkte“, erklärte Lammert.

Wirtschaftsprofessor Monti, von Staatspräsident Giorgio Napolitano im November eingesetzt, hat das hoch verschuldete und unter massiver Wachstumsschwäche leidende Italien vor dem Absturz bewahrt - vorerst jedenfalls. Im Jahr der Rezession in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hagelte es für die Italiener harte Sparpakete mit noch höheren Steuern.

Und die Technokratenregierung legt die Axt an den aufgeblähten Verwaltungsapparat. Dass Italien weiterhin wie das andere Sorgenkind Spanien unter dem Druck der Anleihemärkte steht, dafür ist aus Montis Sicht Europas Politik verantwortlich. Er betont auch, dass Italien trotz Krise massiv in die Rettungskassen einzahlt.

Er war als „Retter Italiens“ ins Amt gekommen. Wenn dann der andere „Super-Mario“, EZB-Chef Draghi, wie zuletzt am Donnerstag keinen neuen Maßnahmen gegen die Zinslast und die nervösen Märkte ankündigt, muss Monti um sein Werk bangen. Die Schuld daran geben Medien - wie am vergangenen Freitag das rechtskonservative Blatt „Il Giornale“ - indes auch Angela Merkel: „Das Nein Merkels und Deutschland lässt uns und Europa in die Knie gehen.“ Selbst die zurückhaltende, liberale „La Stampa“ sprach am Montag von der deutschen Neigung, gegen den ganzen Rest der Welt - oder fast - Recht behalten zu wollen. Zeichen einer steigenden „Anti-Stimmung“ wie in Athen.

Berlusconi macht Stimmung gegen Merkel
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Italien - Stimmung gegen Euro und Deutschland wächst

48 Kommentare zu "Italien: Stimmung gegen Euro und Deutschland wächst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Laut einer Umfrage wollen 84% der Südeuropäer aus dem Euro austreten.

  • Natürlich wird gegen Frau Merkel von den Southeners Stimmung gemacht: sie hält unter Berücksichtigung ihres
    Amtseides den Staatssäckel vor den gierigen Schmarotzern aus GR, E, I etc zu. Und Herr Juncker aus L soll mal erst seine Mittäterschaft an der Steuerhinterziehung beeden, bevor er Berlin mißgünstige Ratschläge erteilt.

  • Dem Monti geht der Arsch auf Grundeis. Er weis eben genau
    wie es um Italiens Verschuldungen bestellt ist.Er weiss auch, daß Italien für die nächsten fälligen Anleihen, hohe
    Risikoaufschläge und hohe Zinsen bezahlen muss.
    Deshalb versucht er schon heute mit seinen verbalen Attacken gegen Deutschland von seinen Problemen abzulenken.
    Doch lieber Monti, das funktioniert so nicht.
    Italien hat seine Schulden selbst zu verantworten u.die Mehrzahl der Deutschen denkt nicht daran für diese zu zahlen.gez.walterwerner.artists.de

  • Den ECU wieder etablieren.

    Wir sollten den ECU wieder einrichten. Seinerzeit gab es nicht dieses Hauen und Stechen zwischen den einzelnen Ländern.
    Italien konnte sich damals in ECU zu niedrigeren Zinsen, aber geringerem Geldwertverlust, oder in der Lira zu hohen Zinsen, mit jedoch erfreulichem Geldwertverlust verschulden.
    Die ursprüngliche europäische Idee, das mächtige Deutschland nicht isoliert gegenüber all seine wirtschaftlich kleineren Nachbarländer in Europa stehen zu lassen - der isolierte Stand Deutschlands führte mit zu den Kriegen des 20. JH - war durch die Europäische Einigung bis zum Experiment der festen Währungswechselkurse der Euro-Länder gelungen. Jetzt zeigt sich, dass das Euro-Experiment geeignet ist gerade diese urspüngliche europäische Idee scheitern zu lassen.
    Jetzt stehen wie vor der Einigung wieder alle Nachbarländer gegen Deutschland.
    Die Reißleine beim Euro-Experiment muss deshalb gezogen werden. Die Rechnung 80 - 200 Mrd. Euro des Experimentes muss gezahlt werden, so dass sich dieser Zustand des alle gegen einen nicht nachhaltig festigt und der ursprünglichen europäischen Idee wieder eine Chance gegeben wird.
    Deshalb, Wiedereinführung des ECU!!

    Freundliche Grüße an alle deutschen Nachbarn und an alle Deutschen.

  • lieber eurogegner!es gibt noch die sogenanten verdeckten schulden!in deutschland sind es z.b.die ramschpapiere die in den bad banks liegen!hier kommt es drauf an wie sie in nächster zeit zu bewerten werden!die sogenanten schrotpapiere sind aus den ländern wie spanien,griechenland,irland,england,usa!wenn z.b.spanien pleite geht kann man milliarden abschreiben!dieses gilt für italien nicht sie halten den ganzen schrott nicht in ihren depots!

  • Merkel muß handeln? Was für eine dämliche Äußerung dieses Montis. Merkel muss gar nichts. Merkel muss sich dem Willen des Volkes beugen. Verstanden Herr Monti!

  • klar kann Italien seine Probleme selbst lösen oder beibehalten , das ist deren Kultur und Politik.
    Und wenn Italien keinen Euro hätte wäre das auch weniger unser Problem und wir erfreuen uns weiterhin an der italienischen Mentalität.
    Und das ist nur das Beispiel Italien - in anderen Farben gibt es das Thema in Spanien, Portugal, Frankreich und auch in Deutschland ist es nicht so sauber !
    Deshalb sind Länderwährungen so gesund - jedem das Seine!

  • Die südeuroäischen Staaten (Italien, Spanien, Portugal und auch Frankreich) sollen den SÜD-EURO einführen; Deutschland, NIederlande, Finnland und Österreich führen den NORD-EURO ein und allen ist geholfen; die Schuldenstaaten können dann ohne Rücksicht Schulden bis ins unendliche machen und wir können uns beruhigt zurücklehnen!!! An unsere Politiker: die Partei, die mutig und entschlossen den EURO-Wahnsinn stoppt, wird die nächste Bundestagswahl haushoch gewinnen.

  • @Logos21: was pensionskonto macht, ist nicht hetzen, sondern er sagt die Wahrheit. Hatte in Italien früher sehr viel geschäftlich zu tun. Natürlich spricht man dann auch...echt raushalten ist das Beste, was man mit Italien tun kann.
    Monti sagt die Reichensteuer ist nicht zu verwirklichen. Warum, vielleicht weil es da so ein paar Cubs gibt, die noch nie Steuern gezahlt haben und lieber Leute umbringen. Soll man jetzt dafür die Deutschen bluten lassen und solchen Leuten die Geldböse aushändigen?

    Nein, Italien muss seine Probleme selbst lösen. Alles andere ist Finanzierung der Maffiaorganisationen.

  • Es ist ziemlich blödsinnig nach einem Schuldigen suchen zu wollen. Die Italiener glaubten wohl, das mit dem Euro hart wie die D-Mark war nicht ernst gemeint und staunen nun wie hart diese Härte sein kann. Die deutschen Verantwortlichen, die den Euro eingeführt haben, unterschätzen einfach wie stark der Umgang mit Geld mit kulturellen Aspekten verbandelt sind und man eine harte Währung eben nicht einfach verordnen kann ohne ggfls. die Wirtschaft zu ersticken. So gesehen beruhte der Euro auf allen Seiten von Anfang an auf Illusionen.

    Man sollte die Lehre aus der Geschichte ziehen und einsehen, dass diese kulturellen Besonderheiten ja nicht per se gut oder schlecht sind und in diesem Sinne auch kein Schuldiger für die Dysfunktionalität des Euros existiert. Wir Deutschen bleiben halt Deutsche und die Italiener bleiben Italiener - eine einheitliche europäische Nation existiert eben nur in der ausgedachten Realität von Kopfmenschen - in der Wirklichkeit der Bäuche der Menschen gibt es diese einfach nicht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%