Italien
Streit um Grabstätte für NS-Verbrecher

Die Piusbruderschaft hat dem NS-Verbrecher Priebke eine Trauerfeier ermöglicht, die vorzeitig abgebrochen wurde. In Rom wird jetzt über den Ort für seine Beisetzung gestritten. Angela Merkel könnte einen Anruf bekommen.
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RomNach der von Handgreiflichkeiten begleiteten Trauerfeier für den toten NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke wird in Rom weiter über den Ort für seine Beisetzung diskutiert. „Ich weiß, dass über Entscheidungen nachgedacht wird und ich schließe nicht aus, dass es Kontakte zwischen unserer Regierung und der deutschen geben wird“, sagte Roms Bürgermeister Ignazio Marino nach Angaben der Agentur Ansa am Mittwoch.

Der Leichnam des im Alter von 100 Jahren in Rom gestorbenen Priebke wurde nach dem Abbruch der Trauerfeier in der Nacht zum Mittwoch zum Militärflughafen Pratica di Mare bei Rom gebracht.

Nun soll entschieden werden, was weiter mit dem Leichnam passiert und wo Priebke bestattet werden könnte. Nach tagelangem Streit hatte die erzkonservative Piusbruderschaft, der auch Holocaust-Leugner Richard Williamson angehörte, am Dienstagabend eine Trauerfeier für den in der Vorwoche gestorbenen Priebke ermöglicht. Die Gendenkfeier war jedoch abgebrochen worden, weil Familienangehörige und Freunde massiv gestört wurden.

Es war zu Auseinandersetzungen zwischen Anti-Priebke-Demonstranten und Rechtsradikalen gekommen, die Polizei musste mehrmals eingreifen. Hunderte Demonstranten hatten gegen die Trauerfeier für den Kriegsverbrecher demonstriert. Priebke war im März 1944 an dem Nazi-Massaker an 335 Zivilisten in der Nähe von Rom beteiligt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italien: Streit um Grabstätte für NS-Verbrecher"

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  • Dieser, nach eigener Aussage, "tiefgläubige Katholik" Priebke hat sich ja zu Lebzeiten selbst so super christlich verhalten.

    Warum hat das diese "höhere Instanz" eigentlich nicht verhindert? Die ist doch angeblich allmächtig.

  • Die katholischen Italiener sollten sich schämen. Es spielt keine Rolle wer Priebke war, eine Trauerfeier mit Familie und Freunden zu gewähren ist christliche Pflicht.
    Er muss sich nun schließlich vor einer höheren Instanz verantworten.
    Allerdings stellt sich die Frage, was Rechtsradikale dort zu suchen hatten. Ein Demonstrationstrecht ist schließlich mit einer Trauerfeier nicht verbunden. weder für rechtsradikale noch ihren Gegnern.

    H.

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