Italien vor Neuwahlen
Ciao Italia! Du bist nicht mehr „bella“

Immer mehr junge und vor allem gut ausgebildete Italiener entscheiden sich für ein Leben im Ausland. Die beruflichen Aufstiegschancen geben in der Regel den Ausschlag. Die in knapp zwei Wochen anstehenden Neuwahlen werden daran kaum etwas ändern.

MAILAND. Draußen gehen die Lichter von New York an. Drinnen drängeln sich die Gäste um den Wohnzimmertisch. Darauf italienische Spezialitäten wie „Burrata“, ein buttrig-cremiger Mozzarella, und Pecorino, daneben New Yorker Käsekuchen. Mit kalifornischem Rotwein des Hollywood-Regisseurs und Winzers Francis Ford Coppola prosten die Anwesendem ihrem Gastgeber zu: „welcome back.“ Sie feiern an diesem Winterabend die Rückkehr des 39-jährigen Italieners Giuseppe Santarelli.

Vor fast zehn Jahren ist er zum ersten Mal in die USA ausgewandert. Doch nach einigen Jahren wurde die Sehnsucht nach der Heimat so groß, dass er nach Italien zurückkehrte. Gerade einmal ein Jahr hielt er es dort aus. Jetzt ist er wieder in New York und feiert seine Willkommensparty.

„Ich bin zurückgekommen, weil es in den USA einfach mehr Chancen als in Italien gibt, beruflich voranzukommen“, erzählt Santarelli. Vor wenigen Tagen hat er seinen neuen Job bei Small Vineyards angetreten, einem amerikanischen Weingroßhändler. Er ist dafür verantwortlich, dass italienische Weine ihren Platz in den Regalen der Händler und Restaurants zwischen New Jersey und Maine finden.

Giuseppe Santarelli ist mit seiner Entscheidung gegen Italien in bester Gesellschaft. „Immer mehr junge Italiener verlassen das Land“, stellt der Generaldirektor des Sozial- und Wirtschaftsforschungsinstituts Censis, Giuseppe Roma, fest. Laut Censis ist die Zahl der Italiener, die ihrem Heimatland den Rücken kehrten, zwischen 2002 und 2006 um mehr als 50 Prozent auf knapp 80 000 pro Jahr gestiegen. Der Anteil der unter 34-Jährigen liegt bei 42 Prozent – Tendenz steigend.

Für die meisten macht sich dieser Schritt bezahlt: Nach Censis-Angaben verdienen drei Viertel der italienischen Auswanderer im Ausland nach einem Jahr mehr als 1 300 Euro netto im Monat. In der Heimat liegen 65 Prozent unter dieser Marke.

Es sind nicht nur das ewige Parteiengezänk und der wirtschaftliche Stillstand, was die Italiener zu Auswanderern macht. Es sind vor allem die schlechten beruflichen Aussichten, die die jüngere Generation in die Welt hinaustreiben.

„Die Alten sitzen auf ihren Posten und lassen andere nicht hochkommen“, klagen Menschen zwischen Anfang 20 und Ende 30 immer wieder. Sie müssen daher häufig mit schlecht bezahlten Jobs vorlieb nehmen, ohne Aufstiegschancen.

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