Italien
Wie Berlusconi die Krise weglächelt

Silvio Berlusconi wie er leibt und lebt: Händeschüttelnd und mit perfektem Lächeln begegnet er der Krise. Krise? Welche Krise? So lautet sein Motto in schwierigen Zeiten. Warum der Regierungschef vor "Propheten des Untergangs" warnt - und was er sich davon verspricht.

MAILAND. Freudig lächelt die junge Dame in die Kamera, während sie dem Premierminister höchstpersönlich die Hand drückt. Silvio Berlusconi, mit einem noch breiteren, perfekten Lächeln im Gesicht, hat sich mitten ins Getümmel der Innenstadt von Rom gewagt. Im Freizeit-Look mit dunklem Jacket über dem Pullover ist er gekommen, um für gute Stimmung zu sorgen. Und um festzustellen, was er schon lange predigt: Die Krise ist nicht so schlimm, wie es die Ökonomen und die Medien die Öffentlichkeit glauben machen wollen: "Ich war in den Geschäften und die Leute kaufen weiter ein", lautet sein Fazit nach dem Besuch der City - Berlusconi wie er leibt und lebt.

Während der Staatspräsident Giorgio Napolitano Anzeichen für eine "Verschlimmerung der Krise" ausmacht, und auch der Industrieverband Confindustria mit einem Einbruch der italienischen Wirtschaftskraft von 2,5 Prozent in diesem Jahr rechnet, verbreitet der auf Volksnähe und gute Umfragewerte bedachte Regierungschef Optimismus: "Wir müssen optimistisch sein", ruft Berlusconi seine Bürger auf. "Wenn wir alle den Katastrophenpredigern und Propheten des Untergangs folgen, dann tun wir uns selbst weh", begründet er sein politisches Motivationstraining.

Dass sein Land schon seit dem vergangenen Jahr in der Rezession steckt und immer mehr Menschen ihren Job verlieren, irritiert den Regierungschef nicht. Mit einem Minus von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vergangenen Jahr attestiert das staatliche Statistikamt Italien einen neuen Negativ-Rekord seit 1975 - und das in einer Zeit, in der die Volkswirtschaften der Nachbarländer 2008 noch wuchsen. Auch die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte gestiegen.

Berlusconi ficht die Faktenlage nicht an. Seine Argumentation für Zuversicht: Italien verfügt über stabile Banken, von denen keine einzige vom Staat gerettet werden musste. Im Gegensatz zum staatlichen Haushalt haben die Italiener privat eine so hohe Sparquote, dass sie auch durch schwierige Zeiten kommen. Außerdem gibt die Familie Rückhalt, und so hilft eben auch die Rente der Oma, den Enkel durchzubringen, der seine befristete Arbeitsstelle verliert. Und dann wäre da noch die Schattenwirtschaft, die je nach Schätzungen bis zu einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

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