Italien
Rom will seinen „armen Reichen“ an den Kragen

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Yachtbesitzer nahe der Amutsgrenze

Jetzt verstärken die Inspektoren ihre Kontrollen aber öffentlichkeitswirksam. Zudem sollen die Finanzen der Bürger künftig mit einem softwaregestützten Verfahren - einem „redditometro“ - genauer erfasst werden. So wollen die Finanzfahnder all jene aufspüren, die ganz gut leben, dem Fiskus aber bislang ein minimales Einkommen vorgegaukelt haben. Noch wird an einer Software für präzise Finanzkontrollen gearbeitet. Sie soll etwa Kontobewegungen nachprüfen können. Doch damit allein wird es nicht gehen, meint Befera: Mehr „Gemeinsinn“ - und nicht nur der Reichen - sei ebenfalls notwendig.

Es geht also nicht nur um jene, die ein Zwölfzylinder-Auto fahren oder in Portofino eine Zehn-Meter-Yacht liegen haben und gleichzeitig angeblich nahe der Armutsgrenze leben. Das Land scheint außerdem auch weiter fest im Griff der Mafia zu sein. Die wurde einer Studie zufolge mitten in der Wirtschaftskrise mit einer Liquidität von 65 Milliarden Euro zur größten „Bank“ des Landes. Die Mafia kann die kriminell erwirtschafteten Milliarden wieder investieren, der Staat kümmert sie nicht. Dabei ist die organisierte Kriminalität enorm flüssig, nimmt von tausenden Betrieben halsabschneiderische Zinsen für dringend benötigte Kredite - und treibt viele letztlich in den Ruin. Die kleinen und mittleren Firmen sind ihre ersten Opfer.

Basisdaten Italien

Quelle: Information Research

Trotz aller Erfolge gegen die „Krake Mafia“ dürfte der Kampf gegen den Steuerbetrug wohl mehr zur erhofften schnellen Sanierung der Staatsfinanzen beitragen. Denn wenn die Instrumente der Fahnder besser werden, lassen sich viele der grotesk anmutenden Hinterziehungsfälle künftig rascher bearbeiten. Wie die von Hunderten Steuerzahlern, die angaben, sie verdienten etwa 20.000 Euro jährlich, sich aber zugleich ein Flugzeug oder einen privaten Helikopter leisten können. Zehntausende besitzen eine Super-Yacht und versteuern das Gehalt eines Arbeiters, wie „La Stampa“ aus der Zentralen Steuerkartei erfahren hat. Und auf Italiens Straßen fahren demnach mehr als 200.000 Superschlitten, deren Besitzer gerade mal ein Einkommen zwischen 20.000 und 50.000 Euro gemeldet haben. Der Staat ist ihnen auf der Spur. Monti wird aber Durchsetzungskraft brauchen.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italien: Rom will seinen „armen Reichen“ an den Kragen"

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  • jaja, das Dritte Reich wird doch -nach den Griechen jüngst offenbar auch von Italienern- immer wieder gern aus der Mottenkiste geholt, wenn die Argumente (und möglicherweise auch die Intelligenz?) fehlen...

  • Wir sollten wieder ein Deutscher statthalter in Rom haben, ohne uns läuft überhaupt nichts in Europa.
    Züchtigung, Recht und Ordnung.
    Steht sogar in der BZ doch.......

  • Es wird hier übersehen, daß immer nur Einkommen zu versteuern ist. Vermögende die ihr Vermögen langsam verbrauchen brauchen keine Steuern zu bezahlen. Da die Anzahl an kinderlosen Menschen steigen, steigt auch die Zahl die sich zum Verbrauchen entschliessen.

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