Italien
Zehntausende protestieren in Rom gegen Arbeitslosigkeit

Zehntausende Menschen haben in Rom gegen die Rekordarbeitslosigkeit in Italien und die Untätigkeit der Regierung protestiert. Nächste Woche will Premier Letta ein Programm gegen die prekäre Job-Situation vorlegen.
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Rom/BerlinDie Rekordarbeitslosigkeit in Italien hat am Sonntag zehntausende Menschen auf die Straßen Roms getrieben. Sie warfen der seit zwei Monaten amtierenden Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta Untätigkeit vor. „Wir können die andauernden Versprechungen, die zu keinen klaren Entscheidungen führen, nicht mehr länger hinnehmen“, sagte die Chefin der größten Gewerkschaft CGIL, Susanna Camusso. Die drei größten italienischen Gewerkschaften hatten zu dem Protest aufgerufen, an dem sich nach ihren Angaben am Samstag mehr als 100.000 Menschen beteiligten.

Vize-Wirtschaftsminister Stefano Fassina sagte am Sonntag in einem Interview, die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer solle voraussichtlich zunächst um drei Monate verschoben und möglichst ganz abgeblasen werden. Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte andernfalls mit einem Platzen der wackligen Regierungskoalition gedroht.

Im April stieg die Arbeitslosigkeit in Italien mit zwölf Prozent auf ein Rekordhoch. Bei den Unter-24-jährigen lag sie gar bei mehr als 40 Prozent. Dem nationalen Statistikamt zufolge dürfte die Zahl der Arbeitslosen faktisch noch viel höher liegen. Millionen Menschen hätten die Hoffnung auf eine Beschäftigung aufgegeben.

Kommende Woche will die aus linken und rechten Parteien gebildete Regierung Lettas ein Programm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorlegen. Gewerkschafter haben die erwogenen Maßnahmen wie Steuerermäßigung für Unternehmen, die junge Menschen einstellen, als sinnlos bezeichnet.

Das Thema Jugendarbeitslosigkeit steht auch auf der Tagesordnung des EU-Gipfels in dieser Woche. Der Chef der Europäischen Investitionsbank, Werner Hoyer, bot eine Vorfinanzierung entsprechender Schritte an. Der „Welt am Sonntag“ sagte er, die Mittel, welche die Staats- und Regierungschefs im EU-Haushalt bereitstellen wollten, müssten „heute und nicht morgen oder übermorgen eingesetzt werden“. Die EIB könne das Geld vorschießen.

Hoyer warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen. „Wir können nicht innerhalb von ein paar Monaten Millionen Jugendliche von der Straße holen. Leider“, sagte er. Die geplante Summe von sechs Milliarden Euro, welche die EU im geplanten Haushaltsrahmen für die kommenden sieben Jahre reserviert habe, sei zwar beachtlich, sagte Hoyer weiter. Es sollten jedoch Wege gefunden werden, um die Mittel zu multiplizieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italien: Zehntausende protestieren in Rom gegen Arbeitslosigkeit"

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  • Ich_kritisch

    Die einzige Frage, die seltsammer weise niemand stellt: Warum sind die Jungen, die doch angeblich alle so gut ausgebildet wurden (65 % studierten), arbeitslos?
    Braucht die Wirtschaft vielleicht nicht noch mehr Akademiker? Sondern statt dessen Facharbeiter?
    -------------------
    Da erinnere ich mal an die Dokumentation
    "Wir Kruppianer"
    Mit 14 fing die Lehre oft an..Schweißer,Fräser,etc.
    Vorbildlich wurde für die Leute gesorgt.
    http://www.wdr.de/tv/wdrdok_af/sendungsbeitraege/2012/0928/wir_kruppianer.jsp
    Wohnung,Behandlung im Krupp Krankenhaus,der Zusammenhalt untereinander..
    1987 dann die Schließung des Hüttenwerks.
    Dieses System hatte in Zeiten der Globalisierung
    keinen Bestand mehr.
    Als Anschauung empfehlenswert,wie die Altvorderen
    mit ihrem Betrieb verbunden waren..Das Gefüge noch
    stimmte..Jeder sich den Arsch aufriß.
    Oder Telefunken..ein Teil meiner Familie war dort
    tätig..Nun ist diese Firma seit '94 aus dem Handelsregister gelöscht.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Telefunken
    Viele große Namen die so verschwanden.An der
    Globalisierung zu Grunde gingen.
    Wenn heute 65% studieren,bedeutet das auch gegenüber
    den Lehrlingen,oft 20 Jahre später einzuzahlen als diese.
    Und ob sie gebraucht werden ist fraglich.
    Obwohl man sich nur das Beste für sein Kind wünscht,
    weiß ich nicht,was ich meiner jetzt 14j.raten würde.
    Sicher ist nichts mehr und schon garnicht in dieser
    Ellenbogengesellschaft.

    Überall Streik..nur bei uns tut sich nicht.

  • der Staat kann keine Arbeitsplätze schaffen - außer in Behörden. Ansonsten schafft nur mehr Konsum (egal wo) mehr Arbeitsplätze. Die Förderung der Einstellung von jungen Leuten wird den älteren den Arbeitsplatz kosten.
    Ist es sinnvoller junge zu beschäftigen statt Eltern? Oder ist es sinnvoller junge zu beschäftigen statt Leute die 10 Jahre vor der Rente stehen und den Job brauchen um im Alter nicht zu verhungern? Alle brauchen Arbeitsplätze!
    Die einzige Frage, die seltsammer weise niemand stellt: Warum sind die Jungen, die doch angeblich alle so gut ausgebildet wurden (65 % studierten), arbeitslos?
    Braucht die Wirtschaft vielleicht nicht noch mehr Akademiker? Sondern statt dessen Facharbeiter?

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