Italienischer Untersuchungsbericht zum Tod des Geheimdienstmitarbeiters
Schlampigkeit führte zu Caliparis Tod

Italienische Mitglieder der gemeinsamen Untersuchungskommission der USA und Italiens zum Tod des Geheimdiensmitarbeiters Nicola Calipari im Irak haben schwere Vorwürfe gegen die Vereinigten Staaten erhoben. Durch Fehlverhalten der US-Soldaten sei der italienische Agent umgekommen. Die USA hatten in einem Bericht, der vergangene Woche veröffentlicht worden war, jegliche Schuld von sich gewiesen.

HB ROM. Der US-Kontrollpunkt, an dem Calipari erschossen wurde, sei nicht erkennbar gewesen, heißt es in dem 67-seitigen Dossier der Italiener, das am Montagabend in Rom dem US-Botschafter übergeben wurde. Kein Zeichen oder Signal habe den ankommenden Verkehr auf den Kontrollpunkt hingewiesen. Die US-Truppen hätten es versäumt, „die grundlegendsten Vorsichtsmaßnahmen“ gegenüber dem herannahenden Verkehr einzuhalten. Die immer wieder aufgeworfene Frage, ob das Auto zu schnell gefahren sei, stelle sich deswegen gar nicht: „Die Frage scheint nicht relevant zu sein, da die Zeichen für den Kontrollpunkt fehlten.“

Zwar sei nicht davon auszugehen, dass die US-Soldaten den italienischen Agenten mit Absicht erschossen hätten. Die Truppen seien jedoch offenbar nervös gewesen und hätten wenig Erfahrung gehabt. „Es ist wahrscheinlich, dass einige US-Soldaten aus Anspannung und Unerfahrenheit sowie unter Stress instinktiv reagiert haben und nur mit geringer Kontrolle.“

Calipari hatte Anfang März die kurz zuvor aus der Geiselhaft entlassene Journalistin Giuliana Sgrena zum Flughafen in Bagdad bringen wollen, als US-Soldaten an einem Kontrollpunkt das Feuer eröffneten. Er starb, als er bei dem Beschuss versuchte, die Journalistin mit seinem Körper zu schützen.

Die USA hatten ihren Bericht über die Geschehnisse letzte Woche vorgelegt. Darin entlasteten sie auch die beteiligten Soldaten von jeglicher Schuld; sie hätten sich an ihre Vorschriften gehalten. Gleichzeitig warfen die USA der italienischen Seite vor, maßgeblich für den Vorfall verantwortlich zu sein. Der Bericht unterstellte Italien unter anderem vor, die zuständigen US-Stellen nicht über die Fahrt informiert zu haben. Auch habe der Chauffeur nicht auf Stoppsignale am Kontrollpunkt reagiert. Die verletzte Sgrena und ein weiterer Geheimdienstmitarbeiter hatten jedoch ausgesagt, die Schüsse seien unmittelbar nach einem ersten Warnsignal gefallen.

Zu dem Punkt heißt es nun in dem italienischen Bericht, die US-Seite habe eindeutig Kenntnis von dem Auftrag Caliparis gehabt, wenn auch möglicherweise nicht von den Einzelheiten seines Einsatzes. Italien habe die US-Armee nicht von der Fahrt informieren müssen, die Armee habe aber eine Pflicht, Fahrzeuge rechtzeitig zu warnen, die sich ihren Kontrollpunkten näherten. „Soldaten der Einheit dachten aber, Warnsignale seien unnütz und kontraproduktiv, weil in der Vergangenheit Fahrzeuge, deren Fahrer die Signale frühzeitig entdeckt haben, kehrt gemacht haben.“

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