Italiens Austritt aus dem Euro: Grillo macht ein Tabuthema salonfähig

Italiens Austritt aus dem Euro
Grillo macht ein Tabuthema salonfähig

Der italienische Wahlsieger Grillo spekuliert offen über den Austritt seines Landes aus der Euro-Zone. Ökonomen sehen diese Möglichkeit mit gemischten Gefühlen. Ganz abwegig wäre ein solcher Schritt aber nicht.
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BerlinEs ist ein unwahrscheinliches Szenario, aber doch nicht ganz auszuschließen: Italien könnte aus der Euro-Zone ausscheiden. Mit einer eigenen Währung wäre der Weg frei für eine schnelle Abwertung. Italienische Produkte und Dienstleistungen würden günstiger und wettbewerbsfähiger. Der Austritt könnte ein Befreiungsschlag sein.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, hält eine solche Entwicklung für nicht ausgeschlossen – auch, weil der Unmut über die Belastungen, die die Euro-Retter Italien und anderen Wackelkandidaten aufbürden, sich immer hörbarer Bahn bricht. In Italien war dies zuletzt bei der Parlamentswahl zu beobachten. Der Urnengang machte Beppe Grillo zum Überraschungssieger.

Jetzt denkt Grillo offen sogar schon über einen Euro-Abschied seines Landes nach. „De facto ist Italien doch schon aus dem Euro raus“, sagte der Chef der Bewegung „Fünf Sterne“ dem Handelsblatt. Er gehe davon aus, dass auch die nordeuropäischen Staaten Italien nur so lange halten würden, bis sie die Investitionen ihrer Banken in italienische Staatsanleihen hereingeholt hätten. „Dann werden sie uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.“

Zugleich deutete Grillo eine Volksentscheidung zum Euro an. Er beschließe einen Austritt aus dem Euro aber „nicht allein“, sondern würde „ein Online-Referendum zum Euro machen“. Genauso wie zum Vertrag von Lissabon. Dies seien „alles Themen, bei denen unsere Verfassung außer Acht gelassen wurde“.

Für den Ifo-Experten Carstensen sind das Indizien für eine Euro-Müdigkeit. „Wir kommen dem Punkt näher, an dem sich große Teile der Bevölkerungen in den Krisenländern vom Euro abwenden, weil sie die Anpassungslasten vermeiden wollen, die mit einer internen Abwertung der Löhne und Preise einhergehen“, sagte Carstensen Handelsblatt Online.

Die Alternative sei eine externe Abwertung über den Wechselkurs, wie Italien es vor Beginn der Währungsunion immer wieder gemacht habe. „Es hätte eine gewisse Logik, wenn mit Italien ein Land diesen Schritt geht, das bisher nicht von den Rettungsgeldern des ESM abhängt und auch keine geplatzte Immobilienblase zu verkraften hat“, sagte Carstensen.

Kommentare zu " Italiens Austritt aus dem Euro: Grillo macht ein Tabuthema salonfähig"

Alle Kommentare
  • Hermosa, auch bei ihnen fällt mir der mißbräuchliche Gebrauch von Euro, EU und Europa auf. Europa ist ein Kontinent mit 47 Staaten, davon gehören bislang 27 zur EU und 17 zum Euroraum. Und von genau diesem Mißbrauch der deutschen Sprache lebt unsere große Staatsratsvorsitzende.

  • Und diese Partei wird auch eine Menge der Nichtwähler aktivieren und genau dort liegt ihr größtes Potenzial.

  • Bitte, keinen Nord-Euro. Der würde sofort ein ähnliches Monster wie die EU inklusive EZB nach sich ziehen. Gemeinsamer freier Handelsmarkt und gut ist, keine teure Riesenverwaltung oder Subventionsumverteilungsmaschinerie mehr.

  • Doch, es haben viele Ökonomen hart davon abgeraten, aber die waren nicht systemkonform und wurden deshalb diskriminiert. Ist doch bis heute nicht anders, zur Not wird die Nazikeule geschwungen, wirkt in Deutschland komischerweise immer noch nachhaltig.

    Wieviele der damals aktiv Beteiligten leben denn heute noch?

  • Wenn diese ganzen Euroideologen sich mal besinnen würden und den Euro auf den Status des ECU setzen würden, hätten Nationalwährungen eine gute Chance für alle Mitgliedsstaaten. Die einzigen Verlierer wären die EZB-Mitarbeiter und viele Brüsseler Eurokrat(t)en. Ein Verlust, die die Bevölkerung gut verschmerzen könnte.

  • Grillo macht ein Tabuthema salonfähig, das ist sehr vernünftig.

    Als der Euro im Jahr 2000 eingeführt wurde, hat sich kein Ökonom über mögliche Konsequenzen gesorgt. Jetzt, da der Euro-Austritt einiger Länder immer näher rückt, ist das Geschrei groß. Groß deshalb, weil die Banken zig Milliarden verlieren werden.

    Wer hat denn die letzten 13 Jahre wie wild gezockt.
    Das waren doch nicht die Bandarbeiter und Frisöre oder Bäcker. Nein, das waren die Zockerbrüder der Bankenallianzen auf der Welt. Nun wird es Zeit das die Banker zur Kasse gebeten werden. Bald wird Zahltag sein.

    Die Geschäfte des Mittelstandes und der Industrie laufen ohne Banken recht gut. Die Banken sind in dieser Zocker-Form so unnütz wie ein Kropf. Die Angstmacherei vor einem Euro-Austritt, wird durch die Banken über die Politiker geschürt. Ohne den Euro geht das Leben in Europa viel entspannter weiter.

    Europaweite Freundschaften bilden sich auch ohne Einheitswährung. Dem internationalen Handel werden nationale Währungen sehr gut tun.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich die Börsen in den ersten Monaten der Währungsumstellungen etwas geschockt zeigen. Die Börsen werden letztendlich volle Fahrt aufnehmen, weil das Schreckgespenst der Rezessionen in den Ländern endlich, und Gott sei dank, vorbei ist. Hiermit wäre eine Perspektive wieder vorhanden, die Arbeitsplätze schafft und die Armut besiegt. Geht es dem Volk gut, wird das Kapital fließen.

  • Die Ein-Themen-Partei "Alternative für Deutschland" ist doch eine hochgradige populistische Partei, die, sofern sie 5% bekommt, genau das machen wird, was Merkel sagt. Man schaue sich mal die "Befürworter" der Partei an, alles Hochschulprofessoren und meistens sogar die von der besonders ahnungslosen Sorte, VWLer. Wer hat uns denn den EURO eingeredet? Das waren doch genau diese "wissenschaftlichen Räte". Deutschland sei zu kleine für die Welt usw. Man bräuchte jetzt ein Mega-Währungsraum. Also bitte mal nachdenken, welche Pfeiffen da krähen!

  • Es ist immer ein positives Zeichen, wenn Tabuthemen angesprochen werden. Der Schuldenschnitt ist letzten Endes, das einzige Mittel, was die Wirtschaft Europas aus ihrem Dämmerschlaf befreien kann. Und er wird irgendwann sowieso kommen. Das ist systemimmanent.

    Wenn nun Italien mit neuer demokratischer Kraft, dies einleiten würde, wäre es sicherlich sehr interessant, wie das abläuft. Austritt, Schuldenschnitt, ... Dann würde sich auch zeigen was mit den Banken passiert. In jedem Fall wäre es meiner Meinung nach der Beginn einer wirtschaftlichen Wachstumperiode - nach kurzzeitiger Depression.

    Die Hoffnung überwiegt der Angst, da dieses Szenario irgedwann kommen muss. Je früher desto besser.

  • ...hahaha, ja und mit dem Rückfluss der Finanzen nach Deutschland fließen auch alle Italier, Spanier, Portugiesen und Griechen mit (zur Not zu Fuß) und schlagen Ihnen den Schädel ein....selten so gelacht. Wirklich gut.

  • @kruchtitanz

    "Herrschaft existiert nur solange es kriechende Untertanen gibt." - Und viele wie PillePalle kriechen nicht mehr, sie geilen sich täglich und nächtlich am Tippseln hinter verschlossenen Toren auf. Letzteres so oder so, sicherlich hinter geistigen Toren."

    Nun ich war schon auf etlichen Demos z.B. gegen ESM und informiere meine Mitmenschen. Zugegeben mit begrenztem Erfolg hinsichtlich des Geldsystems.

    Aber gut Ihr Kommentar ist eigentlich nichtssagent außer das Sie irgendetwas schreiben. Was genau wollten Sie sagen? Wenn Sie Fragen haben helfe ich Ihnen gerne weiter Ihre Tore zu öffnen..

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