Italiens Landwirtschaftsminister
„Die EU-Regeln sind völlig unzureichend“

Als Landwirtschaftsminister des Anuga-Partnerlandes Italien fordert Saverio Romano strengere Regeln für die Produktkennzeichnung. Das habe auch gegen die Ehec-Epidemie geholfen, argumentiert der Sizilianer.
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KölnHandelsblatt: Stört es Sie, dass Hersteller weltweit den Eindruck erwecken, sie produzierten original italienische Lebensmittel?

Saverio Romano: Das beunruhigt mich sehr. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist der Kampf gegen Fälschungen. Italienisch aufgemachte Produkte kosten uns 50 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Deshalb kontrollieren wir so stark wie kein anderes europäisches Land.

Reichen die EU-Kennzeichnungen noch nicht aus?

Die europäischen Regelungen sind völlig unzureichend. Es muss eine strikte Kennzeichnungspflicht nicht nur für landwirtschaftliche Produkte geben, sondern auch für weiterverarbeitete Nahrungsmittel. Das muss rückverfolgbar sein – über die ganze Kette vom Hersteller zum Verbraucher.

Nutzt das den Konsumenten?

Das ist unser erstes Anliegen. Es hilft aber auch denjenigen, die legal produzieren.

Bekommen Sie Unterstützung aus der deutschen Politik?

Deutschland hat sich endlich für mehr Rückverfolgbarkeit geöffnet. Es war ja auch am stärksten vom EHEC-Keim betroffen. Wenn es da strengere Kontrollen in ganz Europa gegeben hätte, wäre der Schaden geringer gewesen.

In der EU schlägt derzeit eher die Stunde der Finanzpolitik. Sind Fortschritte in der gemeinsamen Agrarpolitik dennoch möglich?

Sicherlich. Eine gemeinsame Agrarpolitik in Europa hilft dabei, die schädliche Spekulation mit Lebensmitteln zu bekämpfen.

Sollten bestimmte Finanzinstrumente bei Agrarrohstoffen verboten werden?

Das ist in einer globalisierten Welt schwer möglich. Es geht eher um mehr Produktivität, die ländliche Gebiete stärkt.

Wird das geplante Sparpaket der italienischen Regierung die Landwirtschaftspolitik verändern?

Bislang agiert die italienische Agrarpolitik zu zersplittert, die Regionen vertreten verschiedene Positionen. Ich will, dass Italien in Europa mit einer Stimme spricht. Deshalb hole ich im November die Berufsverbände und die Regionen zu einem Forum unter dem Motto „Ein Land, eine Landwirtschaft“ zusammen. Geeint werden wir keinem anderen europäischen Land nachstehen – in allen Bereichen.

Sie haben bei der Eröffnung der Anuga die italienische Initiative "Hilfe für Benachteiligte Bevölkerungsgruppen" angesprochen. Worum handelt es sich dabei?

Italien ist Wortführer bei einer europäischen Initiative, bei der es darum geht, dass die Hilfsmaßnahmen aus Gemeinschaftsmitteln für benachteiligte Bevölkerungsgruppen - das sind in Europa ungefähr 18 Millionen Menschen - nicht nur keine Einschnitte erfährt, sondern strukturell verankert wird und die Zustimmung aller Mitgliedsländer der EU gewinnt, zuvorderst von Seiten Deutschlands.

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