Italiens Steueramnestie
Auf Kundenfang am Schlagbaum zur Schweiz

Das jüngste Gesetz zur Steueramnestie stellt die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien auf eine ernsthafte Probe. Nicht nur der italienische Staat hofft auf den Rückfluss des vornehmlich in der Schweiz angelegten Schwarzgeldes – auch die an der Grenze positionierten Finanzberater wollen das Geld abfangen.
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MAILAND. Norditalien. Der Grenzübergang Como/Brogeda bietet das übliche Bild: Autos – größtenteils mit italienischem Kennzeichen – stehen Richtung Schweiz Schlange. Doch aufmerksame Autofahrer haben seit einigen Tagen ein ungewöhnliches Fahrzeug entdeckt: Auf dem Parkplatz kurz vor der Grenze auf italienischem Boden steht ein weißes Wohnmobil mit dem Schriftzug „Centro Assistenza Scudo Fiscale“. Sinngemäß heißt das soviel wie „Beratungsstelle Steueramnestie“.

Was aussieht wie ein offizielles Beratungsmobil, ist in Wahrheit ein Marketinginstrument von findigen Finanzberatern. Dahinter steckt „Finanza Libera“ – übersetzt: Freie Finanzen – ein Verbund von sechs Finanzberatern, die sich als unabhängige und günstigere Alternative zu Banken, Versicherern und Vermögensverwaltern darstellen.

Sie sehen in dem jüngsten Gesetz zur Steueramnestie, das derzeit die diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz auf eine ernsthafte Probe stellt, ihre Chance: Milliarden, die wegen der Amnestie aus der Schweiz zurück nach Italien fließen, müssen angelegt werden.

Schwarzgeld, das bis Mitte Dezember deklariert wird, wird dank der Amnestie in Italien nur mit fünf Prozent versteuert. Finanzminister Giulio Tremonti hofft auf diese Weise, bis zu 150 Milliarden Euro nach Italien zurückzuholen, einen Großteil davon aus der Schweiz – vor allem aus Lugano, wo gerade die reichen Norditaliener ihr Geld gerne verstecken.

„Wir haben uns gedacht: Das Geld müssen wir abfangen“, erzählt Dario Mortini, einer der Gründer von Libera Finanza, „und wo macht man das am besten? In der Schlange vor der Grenze, in der die Autofahrer stehen, die ihr Geld zurückholen wollen.“ Deshalb verteilt Libera Finanza auch Flugblätter am Grenzübergang, um die potenziellen Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Schon mehr als 2 000 italienischen Grenzgängern haben sie ihre Flugblätter in die Hand gegeben.

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Kommentare zu " Italiens Steueramnestie: Auf Kundenfang am Schlagbaum zur Schweiz"

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  • Lieber Herr Purwin, in diesem Feature geht es tatsächlich nur um die geschäftsfindigen Leute von Libera Finanza. in der Vergangenheit hat das Hb u.a. durchaus auch kritisch über den Scudo und die Straffreiheit für bilanzfälschung berichtet. Aber das war hier nicht das Thema.

  • Guten Tag Frau Kort, was bezwecken Sie eigentlich mit so einem sinnlosen Artikelchen zum Thema "Scudo Fiscale"? ich hätte, und das schon seit längerem, von ihnen einen bericht erwartet, der den Lesern des Handelsblattes die Augen zu diesem Skandal-Gesetz, das eben nicht NUR eine Steuer-Amnestie für Steuerhinterzieher darstellt und für den normalen Steuerhinterzieher auch weniger interessant ist. Vielmehr ermöglicht dieses Gesetz nun endlich ALLEN weltweiten Mafien, nicht nur den italienischen, ihre Gelder, gleich aus welchen Quellen sie stammen und unabhängig davon, ob sie sich jemals außerhalb italiens befunden haben, weiß zu waschen und in die legale Wirtschaft zu investieren. Und dieses Geld wird sicher nicht nur in italien, sondern wie spätestens nach dem N'draghenta Anschlag in Duisburg bekannt, auch in Deutschland gewinnbringend angelegt werden. Nachzulesen z.b. in der Tageszeitung "il Fatto Quotidiano" vom 13. Oktober 2009, wo Sie die Anleitung für den "bravo Riciclatore"/virtuosen Geldwäscher gleich mitgeliefert bekommen .
    Mit besten Grüße aus Mailand!
    C. Purwin

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