IW-Studie
Deutschland baut Qualitätsvorsprung aus

Deutschland wird seinen Vorsprung gegenüber den Schwellenländern auch in Zukunft halten.

HB KÖLN. Zu diesem Ergebnis kommt Jürgen Matthes, Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaftspolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, in einer aktuellen Studie, die der Wirtschaftswoche vorliegt. Nach Matthes’ Berechnungen konnte Deutschland gegenüber dem wichtigsten Schwellenland China seinen Qualitätsvorsprung im vergangenen Jahrzehnt sogar noch ausbauen. Der Forscher untersuchte die Qualität chinesischer und deutscher Waren, die von den USA und Frankreich importiert werden. In diese beiden Länder geht rund ein Fünftel der deutschen Exporte.

Ergebnis: Bei einem Großteil der Warengruppen hat das Reich der Mitte in beiden Zeiträumen eine schlechtere Qualität als Deutschland in die USA und nach Frankreich geliefert. So stieg zum Beispiel beim wichtigen Exportgut Kleinwagen der Qualitätsrückstand Chinas von minus 38 Prozent auf minus 58 Prozent. Matthes’ Fazit: Der technologische und qualitative Abstand zwischen Deutschland und China ist bisher nicht geringer geworden. Ein weiteres Ergebnis, das bisherigen Annahmen widerspricht: Das IW geht davon aus, dass sich die bereits kräftig gestiegenen Löhne bei hoch Qualifizierten in den Schwellenländern zügig an das Niveau der Industriestaaten angleichen. Damit würde der Konkurrenzdruck mittelfristig abgeschwächt. Zudem sänke der Anreiz für eine Verlagerung von High-Tech-Jobs in Schwellenländer.

„Die Nachfrage nach hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften in den Schwellenländern wird das Angebot deutlich übersteigen“, sagt Matthes. In China und Indien, so der Wissenschaftler deuten sich bereits in fünf Jahren Engpässe im IT- und Ingenieursbereich an.

Für Osteuropa rechnet der Forscher vor: Bei einem Lohnstandard von 20 Prozent des deutschen Niveaus und einer Steigerung von 15 Prozent pro Jahr sind nach rund elf Jahren 75 Prozent des deutschen Gehaltslevels erreicht. Dann lohnt sich eine Verlagerung nicht mehr wirklich. Indien wäre in gut zwölf Jahren so weit, rechnet man mit einem Lohnniveau von 10 Prozent und einer Zunahme von 20 Prozent. „China und Indien“, sagt Matthes, „dürften trotz ihrer Größe und der massiven Investitionen in Bildung und Forschung im Hochtechnologiebereich auf absehbare Zeit keinen entscheidenden Vorteil entwickeln.“

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