IWF
An der Schwelle zur Macht

Der Internationale Währungsfonds kämpft gegen seinen Bedeutungsverlust. Die am Wochenende beginnende Jahrestagung in Singapur soll den Weg für Reformen ebnen. Dabei geht es vor allem um eine neue Machtbalance zwischen Schwellen- und Industrieländern.

SINGAPUR. Zum erstem Mal seit der Finanzkrise im Jahr 1997 kehrt der Internationale Währungsfonds (IWF) nach Asien zurück. Doch dieses Mal nicht, um Krisenstaaten mit Krediten und einem strikten Sanierungsplan auf Kurs zu bringen. Asien hat sich längst wieder erholt – trotz des IWF. Denn dessen harte Kreditbedingungen hatten zu schweren sozialen Verwerfungen in Indonesien, Thailand oder Südkorea geführt.

Auf seiner Jahrestagung in Singapur steht der IWF nun selbst auf der Tagesordnung. Der Fonds ist zum Reformfall geworden. 61 Jahre nach seiner Gründung in Bretton Woods haben sich die globalen Rahmenbedingungen erheblich verschoben. Die Dienstleistungsmetropole Singapur gibt die symbolträchtige Kulisse für die neuen Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft ab. Denn längst haben aufstrebende Schwellenländer mehr wirtschaftlichen Einfluss auf die globalen Handels- und Finanzströme als auf den Fonds.

Daher sollen vier Staaten zunächst in einem ersten Schritt mehr Mitsprache im IWF erhalten: China, Südkorea, Mexiko und die Türkei. Der Fonds hat vorgeschlagen, deren Quote um 1,8 Prozent zu erhöhen. Entscheiden werden die 184 Mitglieder des Fonds darüber am 19. September. „Wenn der IWF seine Legitimierung wiedererlangen und seine Effektivität erhalten will, dann müssen alle Mitglieder sicher sein, dass sie einen fairen Anteil an der Entscheidungsfindung haben“, fordert Rodrigo Rato, Generaldirektor des Fonds.

Die Erhöhung der Anteile ist jedoch lediglich der erste Schritt für eine Grundüberholung des Quoten-systems. Bis 2008 will sich Rato dafür Zeit lassen. Ihm stehen komplizierte Verhandlungen bevor. Die Staaten Asiens drängen ungeachtet der Ad-hoc-Erhöhung auf mehr Gewicht: „Asien wächst. Und es ist als Wachstumskraft bedeutsamer geworden“, sagte Singapurs ehemaliger Ministerpräsident Goh Chok Tong. Ihren größten Fürsprecher haben die asiatischen Staaten in Japan. Tokio, so verlautet vor dem Treffen, wolle sogar auf Quotenanteile zu Gunsten anderer asiatischer Staaten verzichten, um die Glaubwürdigkeit des Fonds in Asien wiederherzustellen. Forderungen nach mehr Macht im IWF ertönen auch aus Indien und den Reihen des Mercosur. „Wir glauben, als Block Südamerika sollten wir besser vertreten sein“, sagte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega kürzlich.

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