IWF-Analyse zur Finanzkrise: Die Welt hat die Monsterbanken immer noch nicht im Griff

IWF-Analyse zur Finanzkrise
Die Welt hat die Monsterbanken immer noch nicht im Griff

Die Bankenrettung hat das System instabiler, nicht sicherer gemacht, sagt der Internationale Währungsfonds. Die Finanzmärkte bleiben krisenanfällig - solange die Politik die Monsterbanken nicht zurechtstutzt.
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DüsseldorfEs ist eine Warnung, die überall auf der Welt gehört werden dürfte: Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Hüterin des Weltfinanzsystems, kommt in einem Diskussionspapier zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit einer neuen Finanzkrise durch die Bankenrettung in der Finanzkrise 2008 größer geworden ist.

Die IWF-Experten kritisieren, dass die Regierungen die Ursachen der Finanzkrise immer noch nicht energisch genug bekämpfen: „Die Reparatur der Finanzinstitutionen und allgemein der Abbau der faulen Wertpapierbestände sind viel weniger fortgeschritten, als sie sein sollten“, schreiben die Autoren. „Die Anfälligkeit des globalen Finanzsystems bleibt erheblich und bedroht die wirtschaftliche Erholung“ – abgesegnet ist das Papier offiziell vom IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard.

Insbesondere die Bankenregulierung geht dem Währungsfonds nicht weit genug: Das Problem, dass Banken so groß und komplex sind, dass sie den Staat erpressen können, weil man sie retten muss, sei immer noch nicht gelöst.

Im Gegenteil: Durch die Bankenrettung sei das Problem sogar verschärft worden: „ Der Moral Hazard ist größer geworden, die Konzentration im Finanzsystem hat zugenommen.“ Das Kernursache der Finanzkrise besteht damit weiter: „Wir werden Großbanken in einer neuen Krise wieder retten müssen“, sagt auch Banken-Experte Hans-Peter Burghof im Interview mit Handelsblatt Online.

Der IWF warnt daher eindringlich: „Die Reaktion der Politik auf die Krise hat viel gekostet und den Staat noch erpressbarer gemacht. In der nächsten Krise kann eine Rettung so nicht mehr laufen – das wäre zu teuer und politisch zu umstritten“. Um die Reform zügig voranzutreiben, brauche es mehr politisches Engagement.

Der IWF appelliert daher an die Regierungen, die Gefahr endlich anzugehen. Die Vorschläge, die der IWF macht, sind nicht neu. Aber gemessen daran, dass es sich um eine konservative Behörde handelt, die auch die Finanzinteressen des Westens in der Welt vertreten soll, sind sie revolutionär.

Um das systemische Risiko, was die Großbanken für das Finanzsytem darstellen, in den Griff zu kriegen, sollten Regierungen ihre Komplexität beschneiden, bessere Kapitalanforderungen stellen und – Achtung – „möglicherweise ihre Größe und ihre Geschäftsmodelle beschränken“.

In Ihrem Blog warnen die Autoren der Studie sogar noch eindringlicher als in der gedruckten Fassung der Studie vor den katastrophalen Konsequenzen des epochalen Versäumnisses der Politik: „Die Entscheider haben das System mit massiven Finanzhilfen schnell stabilisiert. Aber das hat nur die Symptome der globalen Finanzkrise kuriert – die seltene Gelegenheit, ihre tieferliegenden Ursachen anzugehen, wird jetzt fahrlässig vergeudet.

Hannes Vogel
Hannes Vogel
/ Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " IWF-Analyse zur Finanzkrise: Die Welt hat die Monsterbanken immer noch nicht im Griff"

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  • Das IWF Statement ist von braven und fleissigen Finanzexperten abgefasst, die sicherlich die fachliche Komponente der Risiken in der Finanzwirtschaft nicht unrealistisch einschätzen.

    Entscheidend auf der Welt sind aber nur die politischen Interessen und Entscheidungen.

    Und die sind leider völlig anders gelagert, da die stetig mächtiger werdende Bankenlobby Entscheidungen gegen die Interessen der Finanzwirtschaft immer zu blockieren oder zu entschärfen weiss.

    Ausserdem können unsere „sie-wissen-nicht-was-sie-tuen“ Entscheider, die wegen eigener Unzulänglichkeit auf Fachkompetenz aus der Bankenwelt (=Bankenlobby) angewiesen sind, Konsequenzen ihrer Entscheidungen nicht im Entferntesten abschätzen – wie man auch an den jetzt eingetretenen Konsequenzen der EURO-Einführung – vor genau denen viele Experten vor Einführung gewarnt haben - ebenso wie bei der Verschärfung der EURO-Schuldenkrise durch den EURO - „Rettungsschirm“ (Expertenwarnung : „moral hazard“) sehen kann.

    Ausserdem ist die Abhängigkeit der Regierungen durch die gemütliche Verschuldung über die Banken eine sichere, implizite Druckquelle durch die zunehmende Staatsverschuldung der Bankenlobby andererseits.

    Und die Erkenntnis, dass die Staatsverschuldungen bis zur Staatspleite in Zukunft zunehmen werden, ist eine sichere „Bank“.

    Hier gibt es ausser der Rückzahlung der Schulden keine „Lösung“ und die ist noch nicht einmal von irgendeinem Regierungsvertreter weltweit angedacht.

    Es wird allen Beteiligten nichts anderes übrig bleiben, als auf den Gau des nationalen (Dollar/EURO) Finanzsystems und schliesslich auf den konsequent folgenden internationalen Gau aller nationalen Finanzsysteme zu warten.

    Das IWF könnte uns einen Gefallen tun und seine Finanzexperten sinnvoll mit der Aufgabe zu beschäftigen, uns den Zeitpunkt des Gaus – wenn man nicht dagegen arbeitet, was anzunehmen ist - in etwa vorherzusagen.

  • Es wird keine Reform geben - wer soll sie machen ???
    Alle die was zu sagen haben sind korrupt.
    Der IWF ist mit an vorderster Front - Kasperltheater für di dumme Masse !!
    Der weltweite Crash steht eh vor der Tür und ist nicht mehr abwendbar - ist auch garnicht gewollt !!!!!

  • Ich muss zugeben, dass ich meinen Augen kaum trauen wollte, als ich dies las. Das ist für den IWF in der Tat revolutionär, aber – soweit im Artikel dargestellt – eine vollkommen zutreffende Analyse. Die Regierungen haben die Gefahr einer erneuten Crashs nicht gebannt, sondern aus den angesprochenen Gründen erheblich vergrößert. Aus meiner Sicht ist die existierende Marktstruktur im Bankensektor, mit wenigen, sehr großen Playern, die den Markt dominieren, das zentrale, die hohe systemische Instabilität verursachende Problem.

    Es ist dabei von Bedeutung, dass die Wirtschaftspolitik der Industriestaaten – geleitet von ökonomischen Hypothesen, deren Richtigkeit nie infrage gestellt worden ist! – gerade solche Marktstrukturen als ideal für Stabilität, Wachstum und Beschäftigung ansieht – und zwar seit mehr als vier Dekaden schon.

    Wie der IWF implizit herausstellt, sind wir mit dieser Politik, die auch in der Finanzkrise verfolgt wurde, nun in einer hoch gefährlichen Situation angelangt. Das Problem muss also gelöst werden und die EU täte gut daran, wenn sie ihre Krisenstrategie überdächte und die „Too big to fail“-Problematik bzw. die Leitbildfrage in den Vordergrund rücken würde. Wir haben keine reibungslos funktionierenden, sondern mit viel staatlichen Gelder gedopte Märkte. Das ist kein haltbarer Zustand mehr und eine tickende Zeitbombe. Ein Kurswechsel setzt jedoch ein geeignetes neues Leitbild voraus (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/02/die-europaische-krise-teil-4-das.html).

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