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IWF-Chef Strauss-Kahn: „Zu früh, um von einem Wunder zu sprechen“

exklusivViele hatten gehofft, dass die Schuldenkrise Europas überwunden ist. Nun sind Portugal und Irland die neuen Sorgenkinder. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) sieht Europa noch nicht auf einem normalen Weg zurück. Im Interview warnt Dominique Strauss-Kahn vor zu großem Optimismus.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn: "Den Fuß nicht zu schnell vom Gaspedal nehmen." Quelle: dpa
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn: "Den Fuß nicht zu schnell vom Gaspedal nehmen." Quelle: dpa

Herr Strauss-Kahn, der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini sieht die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Rezession in den USA bei stattlichen 40 Prozent. Droht der gefürchtete "double dip"?

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Ich habe nie wirklich verstanden, wie solcherlei Prognosen berechnet werden. Nouriel Roubini ist ein sehr guter Ökonom. Aber er bewegt sich eigentlich immer auf der pessimistischen Linie. Unsere Wirtschaftsprognose ist, dass sich die Erholung fortsetzt. Vielleicht nicht ganz so stark wie wir das gehofft hatten. Doch ist eine Erholung auf jeden Fall viel wahrscheinlicher als eine erneute Rezession.

Dabei hat sich die globale Krise verändert. Von einer Finanzkrise sind wir in eine Krise der Arbeit geraten...

Ja, ich sage das schon seit längerem. Die erste Krise war eine Finanzkrise im Bankensektor, dann kam die Wachstumskrise und jetzt erleben wir eine Arbeitslosenkrise. Das ist die größte Sorge, die wir heute haben.

Wie viel Wachstum brauchen wir, damit Jobs entstehen?

Das hängt jeweils vom Land ab. Global erwarten wir rund fünf Prozent Wachstum dieses Jahr, was nicht schlecht ist. Aber das Wachstum ist sehr ungleich verteilt. Sehr dynamisch ist es in Asien, aber auch in Südamerika. Gut sind auch die Daten aus Afrika. Nicht besonders gut dagegen ist das Wachstum in Europa. Und eine große Unsicherheit besteht hinsichtlich der USA.

Was muss jetzt getan werden? Ausgabenstopp, Steuern erhöhen, um damit die massive Verschuldung abzubauen?

Das wäre als Rezept zu einfach. Schließlich unterscheidet sich die Situation heute erheblich von jener zu Beginn der Krise. Da standen fast alle Länder mehr oder weniger vor dem gleichen Problem. Sie mussten ein Konjunkturpaket schnüren, das mal größer und mal kleiner war. Jetzt aber ist die Lage individuell ganz unterschiedlich. Manche Länder haben ihre Verschuldung gut im Griff, andere befinden sich dagegen in höchster Gefahr. Jedes Land muss je nach eigener Lage handeln.

Was sollten die USA tun?

Die USA sollten den Fuß nicht zu schnell vom Gaspedal nehmen, weil das private Wachstum noch nicht das öffentliche Wachstum ersetzt hat. Das gilt für die USA und im Übrigen auch für den Rest der Welt.

  • 01.10.2010, 15:57 Uhrkeeper

    mit "Wunder" hat dies nix zu tun.

    - die Nachfragelücke, welche durch den Wegfall des
    "immobiliengesicherten-Konsum-auf-Pump" entstanden ist
    und dadurch die Wirtschaftskrise auslöste,
    wurde durch
    "staatl. Konjunkturpakete-auf-Pump" kompensiert.

    Durch die starke Positionierung der deutschen Wirtschaft im investitionsgüterbereich profitiert die deutsche Wirtschaft überproportional - und: wächst.

    ist das nun ein "Wunder"?

    - wohl eher nicht.
    ...

    Hinzu kommt: die basis dieses Wachstums ist wohl kaum von nachhaltiger Natur;
    -> sowie die Konjunkturpakete den Sparpaketen weichen,
    entschwindet auch das "Wachstum" in Deutschland.


    Ein durch eine steigende Einkommensentwicklung selbsttragendes Wirtschaftswachstum kann ich nicht erkennen.

    bei dem Teil der bevölkerung, wo die Einkommen tatsächlich steigen, erhöht sich in den meisten Fällen nur die Sparquote.

    Dieses Angesparte kann sich dann der Staat für seine Konjunkturpakete leihen - sofern es nicht gewinnbringend in Rohstoffe investiert wird, was wiederum das einfache Leben verteuert - und die Absätze sinken lässt, da: weniger Ware fürs gleiche Geld.

    Fazit: was die einen zu viel haben,
    fehlt "der basis" - und somit dem Wirtschaftskreislauf - am Konsum.

    Die letzten Jahre wurde dieses Defizit durch "Konsum-auf-Pump" kompensiert;
    entweder mit der Sicherheit der immobilien,
    oder eben durch Staatsverschuldung.

    Sobald diese kreditfinanzierte Nachfrage ausbleibt oder nachlässt, geht's wieder in die Rezession.

    Was früher Lohnkosten waren, sind heute Kapitalerträge;
    was sich früher nachfragewirksam unter millionen von Arbeitnehmern aufteilte,
    stecken sich heute einige wenige in die Tasche.

    Das ist des Pudels Kern, und dort beginnt auch der Lösungsansatz, welcher aus der Krise herausführen würde.

    Aber anscheinend müssen wir erst von der Krise in die Katastrophe rutschen,
    bevor dieser Lösungsansatz aufgegriffen werden kann.

    oder aber: eine "kleine" Geldentwertung über Nacht;
    dann sind die Altlasten weg - und die Sicherheiten können wieder aufs neue belastet, und auf Kredit verkonsumiert werden ...


    ... der kleine Mann verliert sein Erspartes - und die besitzverhältnisse bleiben wie sie sind.

    ... dafür hat der kleine Mann ja dann wieder Arbeit.
    "Hauptsache Arbeit" ...
    ;-) ;-)

  • 01.10.2010, 13:33 Uhrnorbert

    Dummes, überlüssiges blabla.....

  • 01.10.2010, 13:21 UhrDomenq

    Um das Jahr 2004 / 2005 waren die "Warner" und "Mahner" interessant, als sie von einem destruktiven Hypotheken-Spiel in den USA sprachen; von "unsustainables risks" sprachen.
    Jetzt wo das Kind für Jahrzehnte in den brunnen gefallen ist, zu warnen, ist geradezu infantil. Richtig "grosse Namen" dürfen schon mal wischi-waschi...
    Oder hält man uns für debil? Dann würde manches Sinn machen.

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