IWF-Chefin Christine Lagarde: „Viele Banken sind immer noch zu groß“

IWF-Chefin Christine Lagarde
„Viele Banken sind immer noch zu groß“

Zwar lobt IWF-Chefin Christine Lagarde die für Zypern gefundene Lösung. Es gebe aber noch viel zu tun: Schwache Banken müssten rekapitalisiert werden. Außerdem fordert Lagarde eine finanzielle Absicherung im Krisenfall.
  • 1

FrankfurtMit dem brisantesten Thema hielt sich Christine Lagarde nicht lange auf. „Ich begrüße die Zypern gefundene Lösung”, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) heute auf der Finanzplatztagung Frankfurt Finance Summit knapp. Auf den Streit um die Zwangsbeteiligung der Sparer mit einem Beitrag von 5,8 Milliarden bei der Rettung Zyperns ging Lagarde wenig ein. Sie lobte lediglich die Entscheidung der Regierung in Nikosia, die Beteiligung von Kunden an der Rettung der Banken nach deren Einlagen zu staffeln.

Der eigentliche Erfolg aber, eine Restrukturierung des überdimensionierten zypriotischen Bankensystems, sei aus dem Fokus geraten, bemerkte sie fast beiläufig, um dann zu ihrem eigentlichen Thema zu kommen. In Gegenwart des fast vollständigen Bundesbank-Vorstandes und Präsident Jens Weidmann beklagte sie die mangelnden Fortschritte bei der Finanzmarktregulierung. „Mehr als fünf Jahre nach Beginn der Finanzkrise fragen wir uns, ob es gelungen ist, ein stabiles System aufzubauen. Nein, die Arbeit ist noch nicht beendet”.

Im Ton freundlich, in der Sache hart, zählte die IWF-Chefin die Defizite auf. Nach wie vor bräuchten wir eine bessere Regulierung, eine bessere Eigenkapitalausstattung der Banken und einheitlichere Bilanzierungsstandards. Und vor allem: „Viele Banken sind immer noch zu groß, oder auch zu komplex, als dass wir es uns erlauben können, sie scheitern zu lassen.”

Schwache Banken behinderten immer noch das Wachstum. Sie müssten abgewickelt oder rekapitalisiert werden. Insbesondere der unterschiedliche Ehrgeiz bei den bereits beschlossenen Reformen stört die IWF-Chefin. „Meine größte Befürchtung ist, dass die Fortschritte nicht gleichmäßig sind und deshalb das bereits Erreichte ins Gegenteil verkehren könnten.“ Hier rügte sie die USA, die die Einführung der neuen Eigenkapitalvorschriften nach Basel III verzögerten.

Als weiteres großes Problem, für das noch keine Lösung gefunden sei, nannte Lagarde die Schattenbanken. „Noch immer lagern die Banken riskante Geschäfte in nicht regulierte Bereiche aus. Wirkliche Fortschritte haben wir hier nicht gemacht”, klagte Lagarde. Um so mehr betonte sie die Notwendigkeit, dass die Bankenunion in Europa vorangebracht werde.

Europa brauche eine gemeinsame finanzielle Absicherung von Banken im Krisenfall. Der IWF drängt darauf, dass die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte neue Bankenaufsicht rechtzeitig um einen Mechanismus ergänzt werden müsse, um Banken im Notfall abwickeln zu können. Hierzu ist nach Einschätzung des IWF auch eine gemeinsame finanzielle Rückendeckung wie eine europäische Einlagensicherung erforderlich.

Lagarde erinnerte an das Versprechen der 20 größten Industrie und Schwellenländerstaaten (G20). Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt und kein Markt soll in Zukunft unreguliert sein dürfen, versprachen die Staats- und Regierungschefs. Sie sei Optimistin, betonte Lagrade, aber bis dahin sei noch ein langer Weg.

Kommentare zu " IWF-Chefin Christine Lagarde: „Viele Banken sind immer noch zu groß“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn es gewollt wäre, wäre es seeehr einfach.

    Sorgt nur dafür, dass das NIE möglich ist:

    "To big to fall"

    "Klaust du einen Hammel, hängt man dich
    Klaust du die Herde, verhandelt man mit dir"

    Politiker, wie wir sie haben, sind ie allerbesten und die intelligentesten, die es je gegeben hat. Nur sollte man nie denken, dass sie für uns da sind, es sind Helfershelfer der Bankster.

    Sie dienen den Banken und NICHT dem VOLK.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%