IWF-Chefin Lagarde
„Man kann noch mehr tun“

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht das Vertrauen in die Weltwirtschaft schwinden. Nicht nur die Euro-Krise, auch die unsichere Haushaltslage in den USA trage dazu bei. Von der EZB fordert sie noch mehr Engagement.
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WashingtonDie Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat vor einem Vertrauensverlust in der Weltwirtschaft gewarnt. Dazu trage nicht nur die Krise in der Eurozone, sondern auch die unsichere Haushaltslage in den USA bei, sagte Lagarde am Mittwoch in Washington.

„Wir sehen derzeit eindeutig einen Rückgang des Vertrauens.“ Es bestünden „Zweifel“ an der Fähigkeit der politischen Führer, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise umzusetzen, zu denen sie sich verpflichtet hätten. „Wenn die Europäer zu ihren Ankündigungen stehen, die sie auf dem Gipfel Ende Juni gemacht haben, dann haben wir Grund zu hoffen, dass sich die Situation verbessert“, sagte Lagarde.

Die IWF-Chefin fordert von Europa „Visionen“ ein: „Wir hoffen, dass die Europäer sich auf Eckpfeiler einigen, um zu klären, was für eine Vision sie für die Zukunft Europas haben. Und ich meine damit nicht Europa in drei Monaten. Investoren, die eine zehnjährige Staatsanleihe in Spanien kaufen müssen wissen, wie Spanien in zehn Jahres aussehen wird.“

Für Griechenland, wo sich die Koalitionsregierung am Mittwochabend auf ein neues Sparprogramm geeinigt hatte, hatte Lagarde Lob über. „Es ist beeindruckend, was die Griechen bislang erreicht haben. Wir reden von einem Defizitabbau von 6,5 Prozent seit Ende 2009“, so die Französin. „Aber es gibt immer noch viel, was das Land verbessern muss. Strukturelle Reformen sind nötig“, sagte Lagarde. Außerdem müssten Vermögende konsequenter besteuert werden.

Lagarde betonte, dass nicht nur die kriselnde Euro-Zone für die gedrückte Stimmung verantwortlich sei. Europa sei „nicht das einzige Problem“, sagte die IWF-Generaldirektorin. Auch die Haushaltslage in den USA werfe „wichtige Fragen“ auf.

Vor allem verwies Lagarde auf die Unsicherheit im Zusammenhang mit zum Jahresende auslaufenden Konjunkturmaßnahmen und Steuererleichterungen sowie drohenden Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip. Washington müsse alles dafür tun, diese „fiskalpolitische Klippe“ zu umschiffen, mahnte sie.
Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds forderte die Europäische Zentralbank (EZB) zu weiteren Anstrengungen zur Stützung der Wirtschaft in der Eurozone aufgefordert. „Man kann noch mehr tun“, sagte Lagarde. Gleichzeitig würdigte sie die jüngsten Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi, „alles zu tun“, um den Euro zu retten.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IWF-Chefin Lagarde: „Man kann noch mehr tun“"

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  • Unsinn, es gilt offene Rechnungen aller Art einzutreiben. Was sich nicht traegt, braucht auch nicht gerettet werden. Ich vertraue da voll und ganz auf den Druck des Geldmarktes, nationale Politik ist ueberholt und Sie bleiben vermutlich ein ewig LINKER.

  • O-Ton 'george.orwell'
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    VISION für EUROPA

    1. Europas Regierungen sprechen mit EINER Stimme gegenüber außereuropäischen Gläubigern und Staaten und vertreten die Interessen Europas!

    2. Europa weist die Ansprüche der Gläubiger als unbezahlbar, unvertretbar und obszön zurück (WARUM soll ganz EUROPA darben, nur damit die Wallstrett und die City of London (=extraterritoriales Gebiet!) weiterhin 200 Billionen Euro besitzen statt 190 Billionen)???
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    Was spinnen Sie sich da für einen Schwachsinn zusammen?

    Die USA und Großbritannien schulden dem Rest der Welt Billionen und nicht andersherum.

    Googeln Sie gefälligst 'mal nach Net-Investment-Position, bevor Sie einen derartigen Stuß reden!

    Bei einem Schuldenschnitt werden die Schuldenkönige in London und New York auf dem Tisch tanzen!

  • VISION für EUROPA

    1. Europas Regierungen sprechen mit EINER Stimme gegenüber außereuropäischen Gläubigern und Staaten und vertreten die Interessen Europas!

    2. Europa weist die Ansprüche der Gläubiger als unbezahlbar, unvertretbar und obszön zurück (WARUM soll ganz EUROPA darben, nur damit die Wallstrett und die City of London (=extraterritoriales Gebiet!) weiterhin 200 Billionen Euro besitzen statt 190 Billionen)???

    3. Europa reguliert die Banken (Glass-Steagall)

    4. Europa vertritt entschieden seine Interessen ggü der WTO und hört auf sich selbst durch völlig ungeregelte Märkte zu ruinieren

    5. Europa versteht, dass die USA nicht ihr "Daddy" sind und versteht, dass die USA andere Interessen haben als Europa

    6. Europa als Europa der Vaterländer besinnt sich auf seine Stärken, die in der Vielfalt und der langen Kultur liegen

    Europa kann diese Krise meistern. Allerdings nicht mit dieser korrupten Fürhungselite und auch nicht im Rahmen der geltenden Gesetze, die nur der Hochfinanz dienen und eine tödliche Gefahr für die Demokratie darstellen.

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