IWF-Chefposten
IWF-Bewerber Carstens hält Lagarde für Favoritin

Christine Lagarde enthält strategisch wichtige Unterschützung für ihre Wahl zur IWF-Chefin: Mit Indonesien stellte sich erstmals ein großes Schwellenland hinter die 55-jährige.
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Jakarta/Kairo Im Rennen um die Spitze beim Internationalen Währungsfonds (IWF) hat der mexikanische Notenbankchef Agustín Carstens Nachteile gegen die französische Finanzministerin Christine Lagarde eingeräumt.

„Die Chancen, dass Lagarde Geschäftsführende Direktorin wird, sind ziemlich hoch“, sagte er am Montag in einer Rede in Washington, wo auch der IWF seinen Sitz hat. Es sei sehr schwer, die 65 Jahre alte Tradition zu brechen, nach der Europa den Chef der UN-Sonderorganisation stellt, sagte der Mexikaner. „Es ist, als würde man ein Fußballspiel beim Stand von 5:0 beginnen.“ Zugleich kritisierte Carstens, dass die wiederholte Einsetzung eines europäischen IWF-Chefs zu einem „Interessenkonflikt“ führen könne. Der Kontinent sei momentan wegen der Schuldenkrise der größte Kreditnehmer und habe zudem bei der Bewältigung der Probleme keine gute Figur gemacht.

Zuvor hatte der mexikanische Notenbankchef bei der US-Regierung um Unterstützung geworben. In einem Gespräch mit US-Finanzminister Timothy Geithner bekräftigte er seine Position, dass diesmal die Entwicklungsländer den Posten des Geschäftsführenden Direktors der Finanzfeuerwehr besetzten sollten. Geithner blieb nach dem Treffen bei der Linie der USA, sich neutral über die Bewerber zu äußern. So nannte er Carstens „einen außerordentlich fähigen Kandidaten für den IWF-Führungsposten“.

Neben Carstens und Lagarde konkurriert auch der Gouverneur der israelischen Zentralbank, Stanley Fischer, um die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn, der nach Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetreten war.

Lagarde hat die EU hinter sich. Doch die für ihr Verhandlungsgeschick gelobte Politikerin braucht auch das Votum großer Schwellenländer, von denen einige zuletzt am traditionellen Führungsanspruch der Europäer beim IWF gekratzt haben.

Bis Ende Juni soll feststehen, wer bei dem zuletzt auch von einem Hackerangriff erschütterten IWF das Ruder übernimmt. Derzeit wird der Fonds vor allem durch die Euro-Schuldenkrise stark gefordert.

„Ich bin persönlich für Frankreich“, sagte der indonesische Finanzminister Agus Martowardojo am Sonntag. Lagarde sei sehr professionell, integer und könne gut zwischen verschiedenen Institutionen vermitteln. Indonesien hatte sich wie viele andere Schwellenländer zuvor nicht auf einen Favoriten festgelegt, während in Südostasien noch die Nominierung eines eigenen Kandidaten diskutiert wurde. Sie stellten sich aber auch nicht hinter den Mexikaner Carstens.

Lagarde wirbt derzeit weltweit um Unterstützung für ihre Kandidatur. Am Sonntag sagte sei bei einem Besuch in Kairo, sie habe sehr positive Signale der ägyptischen Regierung aufgenommen. Am selben Tag stellten sich die Vereinigten Arabischen Emirate offiziell hinter Lagarde und brachten die Französin weiter auf Kurs zum Chefposten. Bis zum 30. Juni soll die Personalie im IWF-Direktorium entschieden werden, wo die EU zusammen mit den USA fast schon über ausreichend Stimmen für die Bestimmung des künftigen Chefs verfügt.

Schwellenländer wichtig für Lagarde

Dennoch ist die Unterstützung großer Schwellenländer für Lagarde zentral: Im Jahr 2000 blockierte die US-Regierung unter Bill Clinton den Kandidaten Caio Koch-Weser, nachdem der Deutsche keine breite Unterstützung außerhalb Europas aufweisen konnte. Größte Hürde für Lagarde dürfte ein drohendes Ermittlungsverfahren in Frankreich wegen angeblichen Amtsmissbrauchs sein. Das zuständige französische Gericht verschob Justizkreisen zufolge die eigentlich für vergangenen Freitag geplante Entscheidung auf den 8. Juli. Lagarde selbst sagt, sie sehe dort keine Probleme auf sie zukommen. Die Frist zur Benennung von IWF-Kandidaten lief am Freitag ab.

Mit Israels angesehenem Notenbankchef Fischer trat kurz vor Ablauf dieser Frist ein neuer Konkurrent auf den Plan. Fischer wirbt mit seiner Erfahrung in internationaler Wirtschaftspolitik, die er als stellvertretender IWF-Direktor von 1994 bis 2001 und in seiner Position als Chefökonom der Weltbank gesammelt hat. Mit 67 Jahren hat er die Altersgrenze für Bewerber allerdings um zwei Jahre überschritten, so dass der IWF für ihn diese Regel zunächst ändern müsste. Zudem ist der in Sambia geborene Fischer sowohl israelischer als auch US-Staatsbürger. Sein israelischer Pass könnte arabische Länder von einer Unterstützung abhalten. Sein US-Pass kommt ihm bei dem ungeschriebenen Gesetz in die Quere, dass Europa die IWF-Führung zusteht - weil den Chefsessel bei der Schwesterorganisation Weltbank traditionell ein Amerikaner innehat.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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