IWF-Chefposten
Lagarde auf halbem Weg nach Washington

Nicolas Sarkozy sieht in US-Präsident Obama einen Fürsprecher für die Kandidatur. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte zuvor auf dem G8-Gipfel mehr oder weniger offen Christine Lagarde unterstützt.
  • 5

DeauvilleOffiziell war die Neubesetzung der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) beim G8-Treffen in Deauville kein Thema. Dennoch dominierte diese Spitzenpersonalie die zahlreichen Flurgespräche. Und offenbar schlägt sich ein Schlüsselland des IWF nun auf die Seite der französischen Finanzministerin.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy ist jedenfalls davon überzeugt, dass US-Präsident Barack Obama Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde bei ihrer Kandidatur für den IWF unterstützt. "Ich glaube zu wissen, dass er seine Entscheidung bereits getroffen hat, er aber auf den geeigneten Moment wartet, sie zu verkünden", sagte Sarkozy am Ende des G8-Treffens.

"In der Zwischenzeit habe ich die exzellente Erklärung von Frau Clinton zur Kenntnis genommen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es in dieser Frage einen Dissenz zwischen beiden geben kann (dem US-Präsidenten und seiner Außenministerin, d. Red)", sagte Sarkozy.

Hillary Clinton hatte erklärt, dass sie "offiziös und persönlich eine starke Anhängerin der Idee (ist), qualifizierten Frauen die Chance zu geben, internationale Organisationen zu leiten." Dies wurde als kaum verhohlene Unterstützung für Lagardes Kandidatur gesehen. Offiziell will sich die US-Regierung erst nach dem Ende der Bewerbungsfrist am 10. Juni äußern, welchen Kandidaten Washington unterstützt.

Auch deutsche Delegationskreise erklärten, "dass es an der Benennung von Lagarde eigentlich kaum mehr Zweifel gibt". Der einzige Risikofaktor sei, dass die so genannte Tapie-Affäre noch ernste Probleme bereiten könnte. Lagarde wird vorgeworfen, ihr Amt missbraucht zu haben, um im Streit zwischen dem französischen Staat und dem Geschäftsmann Bernard Tapie zu einer für Tapie günstigen Lösung zu kommen. Lagarde war vom normalen Klageweg abgewichen, und hatte den Streit einem Schiedsgericht vorgelegt - das sprach Tapie Schadenersatz in Höhe von 245 Millionen Euro zu.

Am 10. Juni will die Justiz entscheiden, ob sie in dem Fall weitere Ermittlungen gegen Lagarde einleiten will. Just an diesem Datum endet die Bewerbungsfrist für den IWF-Job. Lagarde hatte bereits klar gemacht, dass sie in jedem Fall ihre Bewerbung aufrecht erhalte. "Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Scheint am Ende das größte Risiko zu sein, dass Sarkozy noch mit seiner Dampf-Plauderei den US-Präsident Obama derart verärgert, dass dieser sich die Sache mit Lagarde doch noch einmal überlegt.

Kommentare zu " IWF-Chefposten: Lagarde auf halbem Weg nach Washington"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sonst nix weis weiß ist relativ,
    und wenn man Türke ist umso relativer.

  • Das Klitzekleinbißchen bezieht sich auf den vorherigen Absender: Wenn einer immer zugibt, dass er selber aus der "Dummschule Deutschland" firmiert und sonst nix weiß, na ja, bravo! Aber es gibt halt Leute, die sind stolz auf das Brett, welches Sie stets vor sich hertragen.

  • Und Frau Lagarde,
    Nicolas entstammt dem altgriechischen und bedeutet "Sieger über das Volk". Meinen Sie daß unter diesen Umständen Ihre Mühen einen Sinn machen.

    In diesem Fall können nur das Land seiner Ahnen und das Land das er gerade regiert gemeint sein. Vielleicht auch ein Klitzekleinbisschen Deutschland, aber nur ein Klitzekleinbisschen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%