IWF-Chefposten
Mexikos Kandidat gilt als brillanter Ökonom

Mexiko schickt überraschend seinen Zentralbankchef Agustín Carstens ins Rennen um den Posten des IWF-Chefs. Er gilt als brillanter Ökonom und verfügt über IWF-Erfahrung.
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Mexiko Der 52-Jährige verfügt über beste Kenntnisse des Internationalen Währungsfonds. Er war zwischen 1999 und 2000 sowie von 2003 bis 2006 in führender Position beim IWF in Washington tätig. Zuletzt als einer der Vize-Direktoren. Mexikos Finanzminister Ernesto Cordero überraschte am Sonntagmittag (Ortszeit) mit der Entscheidung, Carstens zu nominieren. Die Suche nach dem neuen IWF-Managing-Direktor Chef solle „offen, transparent und basierend auf den Verdiensten und den Fähigkeiten“ der Person erfolgen, hieß es in der Erklärung. Es wird damit gerechnet, dass die mexikanische Regierung die Bewerbung ihres Spitzenökonomen bereits am Montag offiziell macht.

Carstens genießt in der internationalen Finanzwelt einen hervorragenden Ruf. Sein früherer Chef, der ehemalige IWF-Chef Rodrigo Rato, lobte seinen „scharfen Verstand und sein analytisches Geschick“. Unklar ist, ob das Vorpreschen Mexikos mit anderen Schwellenländern abgestimmt ist. Denn insbesondere mit dem BRIC-Staat Brasilien herrscht traditionell große Rivalität auf internationalem Parkett. Daher ist nicht sicher, ob die Bewerbung Carstens‘ Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Mit Carstens Nominierung reiht sich Mexiko in die Reihe der Staaten ein, die am traditionellen Anspruch Europas auf den IWF-Chefposten rütteln. Zuvor hatten bereits China, Brasilien und zuletzt Australien Kritik angemeldet. Finanzminister Wayne Swan sagte am Wochenende, die Spitzenposition dürfe nicht „begrenzt“ auf bestimmte Kontinente oder Nationen sein. Auch Mexiko hatte nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn umgehend deutlich gemacht, dass die Nationalität bei der Berufung des neuen IWF-Chefs nicht die Hauptrolle spielen dürfe. Als Favoritin der Europäer hat sich die französische Finanzministerin Christine Lagarde herauskristallisiert.

Mexiko, das 2012 den G-20-Vorsitz übernimmt, dokumentiert mit der Nominierung ihres obersten Notenbankers den Anspruch auf mehr Spitzenposten in internationalen Organisationen. Es ist auch ein Versuch, aus den negativen Schlagzeilen zu kommen, die das Land vor allem wegen des außer Kontrolle geratenen Drogenkriegs erntet.

Darüber hinaus ist Carstens aber ein hervorragend geeigneter Kandidat. Er ist praktisch in der mexikanischen Zentralbank Banxico groß geworden, wo er schon in den achtziger Jahren nach seinem Wirtschafts-Examen an der mexikanischen Eliteuniversität ITAM anheuerte und sich um Internationales, die Devisenreserven und Marktanalyse kümmerte. Anschließend promovierte er an der Universität von Chicago und kehrte zur Banxico zurück, wo er von 1994 bis 1999 als Chefökonom arbeitete.

Klaus Ehringfeld
Klaus Ehringfeld
Handelsblatt / Korrespondent

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  • man kann nur hoffen, dass man sich für eine Person entscheidet die zumindest vom Fach ist (Ökonom).

    Keine Juristen oder sonstige Abenteurer sind für diesen Job geeignet.

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