IWF-Chefposten
Sarkozy und Putin messen ihre Kräfte

Der französische Kandidat für die IWF-Spitze, Dominique Strauss-Kahn, sieht sich mit immer heftigeren russischen Attacken konfrontiert. Die Angriffsserie findet im Elysée-Palast Beachtung. Denn Präsident Nicolas Sarkozy hatte Strauss-Kahn persönlich als EU-Kandidaten durchgesetzt.

rut/tom/saf PARIS/MOSKAU/BERLIN. Niemand habe das Monopol auf den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF), schrieb der russische Ex-Premier Jegor Gaidar in der „Financial Times“. Zuvor hatte der russische Vertreter im IWF-Direktorium, Alexej Moschin dem Franzosen die Eignung für den Posten abgesprochen. „Nichts im Lebenslauf von Herrn Strauss-Kahn deutet darauf hin, dass er die Voraussetzungen für diese Arbeit erfüllt“, sagte Moschin. Russland will mit dem Tschechen Josef Tosovsky einen Gegenkandidaten durchsetzen.

Die russische Angriffsserie findet im Elysée-Palast Beachtung. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte Strauss-Kahn persönlich als EU-Kandidaten durchgesetzt. Dass Sarkozy auf Moskau nicht gut zu sprechen ist, ließ er in seiner außenpolitischen Grundsatzrede am Dienstag deutlich durchblicken. Russland setze seine Interessen auf der Weltbühne mit „einer gewissen Brutalität“ durch, sagte Sarkozy. Diese in der Sprache der Diplomaten ungewöhnliche Formulierung fiel auch in Moskau auf. Sarkozy sei Russland wohl weniger gewogen als sein Vorgänger Jacques Chirac, ahnt das Blatt „Wedomosti“ und wiederholt damit, was die Russen schon lange wissen. Während Chirac seine Männerfreundschaft mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin demonstrativ gepflegt hatte, fiel Sarkozy schon im Wahlkampf mit knallharter Kritik auf an den russischen Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. Putin revanchierte sich dafür, indem er Sarkozy erst mit zwei Tagen Verspätung zur gewonnenen Wahl gratulierte.

Nach der Wahl setzte Sarkozy die Politik der offenen Worte an die Adresse seines russischen Amtskollegen fort. „Er orientiert sich damit am Vorbild von Kanzlerin Angela Merkel,“, sagt Thomas Gomart, Direktor des Russlands-Zentrums im Institut Francais des Relations Internationales (Ifri). Der öffentliche Schlagabtausch lasse aber keine Rückschlüsse zu über die Zusammenarbeit hinter den Kulissen. So gewährte Putin dem französischen Ölmulti Total im Juli Zugang zum gigantischen Gasfeld Schtokman und teilte Sarkozy dies persönlich am Telefon mit. Die öffentlichen Feindseligkeiten gingen trotzdem weiter – auch in der Angelegenheit Strauss-Kahn. „Putin sieht in Sarkozy einen weltpolitischen Novizen. Und der Fall Strauss-Kahn ist ein Test für den Novizen“, glaubt Experte Gomart.

Zudem zeigt sich, dass die EU sich über den IWF-Chefposten auch nicht ganz einig ist. Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker will das Amt nur noch dieses eine Mal an einen Europäer vergeben. Danach sei ein Schwellenland an der Reihe. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist anderer Meinung. „Ob der IWF-Präsident künftig weiter aus Europa kommt oder aus den Schwellenländern, darüber muss noch diskutiert werden“, sagte eine Sprecherin des Finanzministers dem Handelsblatt. Bei der Frage erwarte man eine gewisse Kompromissbereitschaft der Schwellenländer. Aus Regierungskreisen erfuhr das Handelsblatt, dass es bisher keine abgestimmte Position der Europäer zur künftigen Besetzung des IWF-Chefpostens gibt.

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